BZ-Interview

Beispiel Breisach: So stellt sich der örtliche Handel auf

Anita Fertl

Von Anita Fertl

Mo, 03. Juli 2017 um 18:44 Uhr

Beruf & Karriere

Der örtliche Handel hält die Innenstadt attraktiv. Doch der Einzelhandel steht vor Herausforderungen. Hans-Peter Geppert vom Gewerbeverein Breisach erklärt, was das geänderte Einkaufsverhalten für Breisach bedeutet.

Der örtliche Handel ist nicht wegzudenken, er bietet alles von den morgendlichen Brötchen, den Zutaten fürs Abendessen bis hin zum Schulheft, Buch oder neuen Schuhen. Und: Er hält die Innenstadt attraktiv und belebt. Dennoch steht insbesondere der Einzelhandel heutzutage vor großen Herausforderungen. Anita Fertl hat Hans-Peter Geppert vom Gewerbeverein Breisach gefragt, was das geänderte Einkaufsverhalten per Mausklick für den Handel vor Ort bedeutet.

BZ: Wie ist der örtliche Handel in Breisach aufgestellt?
Geppert: Relativ schwach. Einige Breisacher Einzelhändler sind noch als Bestand in der Innenstadt da. Diese haben mit den jetzigen Gegebenheiten zu kämpfen wie große Mitbewerber auf der grünen Wiese und natürlich dem Internethandel.

BZ: Sie sprechen bereits die Herausforderungen an, also die Nahversorgung aufrechtzuerhalten und zudem die Herausforderungen, die der Onlinehandel mit sich bringt.
Geppert: Noch ist der örtliche Handel dahingehend aufgestellt, dass er die Direktversorgung vor Ort gewährleistet, er bietet qualitative Beratung und gute Produkte. Aber er hat mit der großen Konkurrenz der Onlinehändler zu kämpfen. Das stellt sich für Einzelhändler negativ dar, denn sie geben Informationen, stellen Produkte zum Augenschein und zur Probe zur Verfügung. Aber letztendlich schaut der Konsument dann später, wo er es im Internet günstiger bekommt.

"Diese Verbundenheit gibt es heute nicht mehr, da ist jeder für sich." Hans-Peter Geppert
BZ: Ist es schon so dramatisch, dass der Handel nach und nach wegstirbt?
Geppert: Das ein oder andere Gewerbe wird sich leider in diese Richtung bewegen und ist zum Scheitern verurteilt. Die großen Onlinehändler machen dem Einzelhandel das Leben schon schwer. Wenn ich beispielsweise mit Kollegen rede, die noch Ladengeschäfte haben, Haushalts- oder TV-Geräte anbieten, sagen sie: Zum Glück haben wir auf dem Land noch unsere älteren Kunden, die uns die Treue halten. Von der Jugend könnten sie nicht leben. Die surft im Internet, hat dort natürlich ein Megaangebot. Da ist der Kontakt zum Einzelhändler oder zum Dienstleister nicht mehr gegeben. Früher hieß es im ländlichen Raum doch stets: unser Bäcker, unser Elektriker, unser Modehaus. Diese Verbundenheit gibt es heute nicht mehr, da ist jeder für sich.

BZ: Wie sieht die Situation im Einzelhandel aus, was das Ausbildungs- und Fachpersonal anbelangt?
Geppert: Dramatisch, es herrscht extremer Nachwuchsmangel. Ich kann es am besten an meinem Elektrobetrieb skizzieren: Dieses Jahr hätten wir sieben Azubis eingestellt. Aber wir sind gerade bei drei, die wir gewinnen konnten, vielleicht kommt noch ein vierter. Da sind bereits zwei Migranten dabei, die wir auch gern aufnehmen. Im Einzelhandel ist es nicht viel anders, da ist die Resonanz auch sehr schlecht. Mittlerweile möchten alle aufs Gymnasium. Allgemein ist der Status quo bei den Betrieben die mittlere Reife. Aber alle wollen studieren. Doch auch der Bäcker braucht Leute, ebenso der Handwerker und der Händler. Es wird schwierig und wir müssen andere Wege suchen, um diese Defizite auszugleichen.

BZ: Wie könnten die aussehen?
Geppert: Für den Handel ist es schwierig. Er braucht Leute, die auch in der Kommunikation stark sind. Ohne ein Klischee in den Raum zu werfen: Der Handel kann im Kundenkontakt mit einem Migranten, der nicht der deutschen Sprache mächtig ist, nichts anfangen. Das ist keine Abwertung, sondern eine Feststellung. Der Handel muss gucken, dass er die Leute hält, ein gutes Arbeitsklima schafft, guten Lohn und Sozialleistungen anbietet.

"Man muss mit Attraktionen locken." Hans-Peter Geppert
BZ: Was das Kaufverhalten angeht, herrscht in unserer Gesellschaft eine wachsende Erlebnisorientierung. Darauf reagiert der Gewerbeverein mit verschiedenen Veranstaltungen.
Geppert: Das sind die Bestrebungen. Das kostet Geld, man muss mit Attraktionen locken. Anfang Mai hatten wir die Autoschau mit verkaufsoffenem Sonntag. Wenn solche Feste angesagt sind, kommen die Leute, das ist kein Thema. Wir versuchen, in der Summe für alle Leute etwas zu generieren. Inwieweit sich der eine oder andere das selbst noch ausbaut, da muss man den Einzelhändlern manchmal ein wenig auf die Sprünge helfen, teilweise macht sich Aktionsmüdigkeit breit.
Zur Person

Hans-Peter Geppert ist seit 2012 der Vorsitzende des Gewerbevereins Breisach. Er ist seit 31 Jahren Unternehmer. Der 59-jährige Familienvater ist ehrenamtlich unter anderem als Gemeinderat tätig.

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