Ein neuer Job mit 50 plus

Sa, 09. März 2019

Beruf & Karriere

BZ-GASTBEITRAG VON HANS-GEORG WILLMANN (FREIBURG): So gelingt der Aufbruch mit 50, 55 Jahren oder darüber hinaus.

"20, 30 Jahre Berufserfahrung. Außerdem herrscht Fach- und Führungskräftemangel. Da finde ich doch schnell wieder einen neuen Job." Viele über 50-Jährige, die sich beruflich verändern wollen oder müssen, sind erstaunt darüber, dass das nicht der Fall ist und fragen sich, woran es liegt. Die Antwort ist einfach zu geben und schwer zu verdauen. Aber es gibt eine Lösung. Denn Menschen über 50 gehören noch lange nicht zum alten Eisen.

Viele über 50-Jährige denken, dass Arbeitgeber sich darüber freuen und glücklich sind, so viel Berufserfahrung zu bekommen. Doch das ist nicht notwendigerweise so. Was, wenn ein neuer Job diese Erfahrungen gar nicht benötigt? Viele Berufsfelder und Aufgaben haben sich in den vergangenen Jahren durch die rasante digitale Entwicklung stark verändert. Zwischen dem, was ältere Arbeitnehmer Jahrzehnte lang gearbeitet haben und den Anforderungen einer neuen Arbeitsstelle klafft oft eine qualifikatorische Lücke, notwendige Qualifikationen, Fähigkeiten und Kenntnisse fehlen. Mit Berufserfahrung allein ist diese Lücke nicht zu schließen. Hinzu kommt, was Arbeitgeber eine unbewegliche Einstellung jenseits der 50 nennen. Die Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen, nimmt mit dem Alter ab. Es fällt schwerer, etwas Neues zu lernen und sich auf neue Aufgaben, Situationen und Personen einzustellen. Das ist menschlich.

Ob Bewerber 50 plus zum alten Eisen aussortiert werden oder ihre Erfahrung und Fähigkeiten bei einer neuen und spannenden Herausforderung einbringen können, hängt zu einem großen Teil von vier Dingen ab: der Einstellung zur Veränderung, den übertragbaren Fähigkeiten, einem realistischen Bewerbungsziel und dem digitalen Bewerbungsknowhow.

Einstellung zur Veränderung

Nach 20, 30 Jahren im gleichen Job, vielleicht sogar beim gleichen Arbeitgeber, können Denk- und Handlungsweisen eingerostet sein. Hier gilt es, die Komfortzone zu verlassen. Wer aktiv notwendige Weiterbildungen absolviert und sich in seinem Berufsfeld auf dem Laufenden hält, verbessert seine Chancen. Offenheit gegenüber neuen Denkweisen ist ebenso wichtig. Wer es schafft, seine gewohnten Verhaltensweisen im Job zu hinterfragen und wenn nötig zu ändern, der schafft es auch, sich in einem neuen Umfeld leichter zurechtzufinden.

Übertragbare Fähigkeiten

Fähigkeiten, die branchen- und aufgabenunabhängig eingesetzt werden können, sind für Arbeitgeber wertvoll. Das sind zum Beispiel die Fähigkeit, kritisch und kreativ zu denken und Probleme zu lösen, die Fähigkeit, sich mit anderen abzustimmen, Sachverhalte zu beurteilen und sich zu entscheiden. Dazu kommen Stärken, die Arbeitgeber an Mitarbeitern 50 plus besonders schätzen: Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, Disziplin und Durchhaltevermögen, Empathie und Geduld, Verbindlichkeit in der Kommunikation und im Handeln. Wer im Bewerbungsprozess den Blick auf das richtet, was in Zukunft wichtig sein wird, der ist für einen neuen Arbeitgeber interessant.

Realistisches Bewerbungsziel

Es gibt Arbeitgeber, Aufgabenfelder und Branchen, in denen Mitarbeiter über 50 willkommen sind. Dabei handelt es sich nicht unbedingt um die großen bekannten Konzerne in High-Tech-Branchen in Ballungszentren, bei denen sich pro Jahr Zehntausende bewerben. Wer das bei der Stellensuche berücksichtigt und darauf achtet, Arbeitgeber und Jobs auszuwählen, die zu den eigenen Stärken, den übertragbaren Fähigkeiten und Qualifikationen passen, verbessert seine Chancen.

Digitales BewerbungsKnowhow

Bewerben geht heute online, von der Stellensuche über die Bewerbung bis zu Onlinetests und Onlineinterviews. Um sich bewerben zu können, sind Basiskenntnisse am Computer notwendig. Außerdem spielt es eine Rolle, welche Suchergebnisse eine Googlerecherche zu Vor- und Nachnamen eines Kandidaten ergibt. Laut Umfragen googeln mehr als 60 Prozent der Personalverantwortlichen Bewerberinnen und Bewerber, bevor sie sie zu einem Vorstellungsgespräch einladen. Eine weiße digitale Weste und Computerkenntnisse werden deshalb immer wichtiger.