Bescheidene Erwartungen

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 21. Februar 2021

Skilanglauf

Bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf kommen deutsche Skilangläufer wohl kaum in Medaillennähe.

Es gab Zeiten, da eilten die Skilangläufer des Deutschen Ski-Verbands (DSV) von Erfolg zu Erfolg, erschienen Podestplätze möglich, wurden sogar gefordert. Axel Teichmann etwa gewann bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2003 im italienischen Val di Fiemme Gold über die 15 Kilometer im klassischen Stil und vier Jahre später abermals Gold beim Skiathlon im japanischen Sapporo.

Zwischendurch, im Jahr 2005, bei der Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf, fügte der Lobensteiner seiner Sammlung noch zwei Silbermedaillen hinzu. Von solchen Top-Ergebnissen kann man nur träumen im Lager der deutschen Skilangläuferinnen und Skilangläufer, wenn übermorgen wieder eine Heim-WM beginnt – abermals in Oberstdorf. Mit Medaillen sei im Allgäu nicht zu rechnen, sagte Peter Schlickenrieder, ihr Chefcoach, in der vergangenen Woche der Badischen Zeitung. Die Weltspitze sei zu weit weg, und auch wenn es in diesem Winter schon einige sehr gute Ergebnisse seines Teams gegeben habe, wäre es vermessen, jetzt einen Podestplatz zu fordern. Nicht einmal Katharina Hennig, aktuell beste DSV-Läuferin, könne eine solche Erwartungshaltung auferlegt werden.

Janosch Brugger ist für die WM nominiert

Warum ist das so? Schlickenrieder, seit 2018 Chefcoach, ist mit seinem Team mitten in einem Umbruch, und er deutete an, dass etwa im deutschen Biathlon und in der Nordischen Kombination über die Jahrzehnte hinweg betrachtet kontinuierlich besser gearbeitet worden sei. Der 51-Jährige muss nun das Beste aus der Situation machen, und das bedeutet in seinem Fall, dass seine Läuferinnen und Läufer in Oberstdorf wenigstens die stärksten Rennen des Winters zeigen sollen. "Das Motto für die gesamte Mannschaft lautet, persönliche Bestleistung zu erbringen", sagte er: "Damit wäre ich sehr zufrieden." Konkret heißt das etwa im Fall der 25-jährigen Skilangläuferin Pia Fink vom SV Bremelau (Schwäbische Alb): "Wenn sie es unter die Top 15 schafft, wäre das sehr gut." Das gilt auch für Janosch Brugger, den 23-jährigen Newcomer von der WSG Schluchsee und einzigen Schwarzwälder in Schlickenrieders Team.

Der Coach nannte eine Reihe von Gründen für die Überlegenheit anderer Nationen. In Skandinavien sei Skilanglauf Volkssport, in Norwegen Kulturgut. Dort in Nordeuropa, in Russland und in den USA könnten Athleten bis in den Sommer hinein auf Schnee trainieren. Deutsche Läuferinnen und Läufer hätten zudem viel weniger Geld und Ressourcen zur Verfügung. Wenn sie im April, Mai noch einmal nach Skandinavien fliegen, um auf Schnee zu trainieren, müssten sie das komplett aus eigener Tasche bezahlen. Wer sich in Deutschland nicht parallel zum Sport auch schon um eine Berufsausbildung kümmere, habe es am Ende der sportlichen Karriere schwer. Auch bei der wissenschaftlichen Begleitung des Leistungssports, so der Chefcoach, hinke man in Deutschland schon seit geraumer Zeit hinterher.

Wie es in den anderen Disziplinen läuft bei der WM, bleibt abzuwarten. Die von Stefan Horngacher aus Titisee-Neustadt gecoachten Skispringer fielen kurz vor den Titelkämpfen in ein Leistungsloch. Die Nordischen Kombinierer mit den beiden Schwarzwäldern Fabian Rießle von der Skizunft Breitnau und dem Oberrieder Manuel Faißt sind für Medaillen gut, dürften aber nur schwer am überragenden Norweger Jarl Magnus Riiber vorbeikommen. Weltpremiere feiert die Nordische Kombination der Frauen mit der Schwarzwälderin Svenja Würth vom SV Baiersbronn. Die 27-Jährige zeigt zwar Spitzenleistungen auf der Schanze, hat nach ihrem Wechsel vom Spezialspringen aber noch einige Defizite im Langlauf.