Beschwerde gegen Freilassung

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Di, 15. Oktober 2019

Rust

Im Fall der Toten im Rhein wurde die Freilassung des Tatverdächtigen angeordnet / Leiche in Plastiksack im Wasser versenkt.

RUST. Die Schwurgerichtskammer hat im Fall der 33-Jährigen, die tot im Rhein gefunden worden war, die Freilassung des Verdächtigen angeordnet. Die Staatsanwaltschaft sieht weiterhin einen dringenden Verdacht, dass der von ihr Beschuldigte 30-jährige Kubaner auch für den Tod der Frau verantwortlich ist. Der Leichnam der 33-jährigen Frau war von Spaziergängern am 18. Mai an einem Altrheinarm bei Rust gefunden worden.

In der Begründung zur Abweisung des Verfahrens erklärt das Gericht, dass seiner Auffassung nach der Beschuldigte den Leichnam im Altrhein versenkt habe. Dass er für den Tod der Frau verantwortlich ist, sei jedoch nicht zweifelsfrei gesichert. Der Beschuldigte wurde unmittelbar nach der Entscheidung des Gerichts am vergangenen Freitagmorgen aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der Freiburger Anwalt Florian Rappaport, Rechtsbeistand des Beschuldigten, kritisierte am Freitag in einer Pressemitteilung die ermittelnden Behörden scharf. "Die Staatsanwaltschaft konnte meinem Mandanten keine Tötung anhängen," erklärte er. Polizei und Staatsanwalt haben sich ihm zufolge bei ihren Ermittlungen vom ersten Tag an auf den 30-jährigen Kubaner als Täter festgelegt.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Beschuldigten vorgeworfen, der wie die getötete 33 Jahre alte Frau aus der Ukraine unter anderem als Artist für den Europa-Park arbeitete, Ende April 2019 in einem gemeinsam benutzten Wohnwagen auf dem so genannten Trailer-Platz des Europa-Parks in Rust getötet zu haben.

Leiche wurde in Plastikfolie gepackt und versenkt

Dies sei "vermutlich nach einer zuvor verbalen Streitigkeit über die künftige künstlerische Zusammenarbeit und der künftigen persönlichen Beziehung" geschehen. Er soll mit bloßen Händen oder mit einem weichen Gegenstand ihre Atemwege bedeckt und damit die Sauerstoffzufuhr so lange verhindert haben, bis sie tot war.

Anschließend habe er deren Leiche in einer Plastikfolie verpackt, mit Hantelgewichten beschwert und im Altrhein versenkt, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Seine Ablehnung, ein Verfahren wegen Totschlags zu eröffnen, begründet das Schwurgericht damit, dass kein "hinreichender Tatverdacht" vorliege. Hinzu bleibe die Todesursache nach "intensiven rechtsmedizinischen und toxikologischen Untersuchungen" durch die Freiburger Rechtsmedizin nach wie vor unklar. Der Leichnam der 33-Jährigen habe keine Anzeichen von Gewaltanwendung gezeigt.

Indes geht das Gericht davon aus, dass der Beschuldigte mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" die Leiche der Frau selbst in einen Kunststoffsack verpackt, verschnürt und mit Gewichten beschwert zum Altrhein transportiert und dort im Wasser abgelegt habe.

Dennoch, so die Auffassung des Gerichts, könne ein "Tatverdacht im Sinne eines Tötungsdeliktes" nicht begründet werden, weil Polizei und Staatsanwaltschaft weder einen Anhaltspunkt für die Todesursache noch ein Motiv des Mannes für die Tötung der Frau ermittelt hätten. Mit anderen Worten: Die Schwurkammer am Landgericht Freiburg geht zwar davon aus, dass der Beschuldigte den Leichnam der Frau eingepackt und im Altrhein versenkt habe. Dass er aber eindeutig für den Tod der Frau verantwortlich gemacht werden könne, sieht das Gericht dagegen nicht. Unterdessen sagt das Gericht aber auch, dass der Beschuldigte durch die Ablage der Leiche im Altrhein selbst einen dringenden Tatverdacht erwirkt und damit Verhaftung und Untersuchungshaft selbst verursacht habe. Darin sieht das Gericht begründet, dem Beschuldigten keine Haftentschädigung für die fünf Monte lange Untersuchungshaft zu gewähren.

Verfahren wegen Computerbetrug steht noch an

Im Gegensatz zur Strafkammer hält die Staatsanwaltschaft nach umfangreichen Ermittlungen der Polizei die vorsätzliche Tötung der 33-Jährigen dennoch für erwiesen und reichte am Montag beim Schwurgericht sofortige Beschwerde gegen die Entscheidung ein.

Unterdessen bewertet das Schwurgericht die Vorwürfe des Computerbetrugs in drei Fällen – der Beschuldigte soll mit der EC-Karte der Getöteten Geld von ihrem Konto abgehoben haben – als nicht aus der Luft gegriffen. Deshalb muss sich der 30-Jährige vor dem Amtsgericht Ettenheim dafür verantworten. Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.