Trauer

Besucher und Mitarbeiter müssen regelmäßig auf das Virus getestet werden

Barbara Böhler

Von Barbara Böhler (Waldkirch)

Mo, 08. Februar 2021

Leserbriefe

Zu: "Endlich Zeit zu trauern", Leitartikel von Frauke Wolter (Kommentar & Analyse, 23. Januar)

Endlich Zeit zu trauern? Der Plan, eine eigene Gedenkfeier für an oder mit Corona-Verstorbene abzuhalten, löst bei mir äußerst gemischte Gefühle aus. Jährlich sterben in Deutschland circa 850 000 Menschen. Auch hinter jedem dieser Toten stehen Familien und Freunde, die voller Trauer sind. Viele von ihnen mussten im vergangenen Jahr traumatische Erfahrungen machen. Hilflos mussten sie zusehen, wie ihre Angehörigen wochenlang nicht besucht werden durften und nicht selten einsam sterben mussten, weil Krankenhäuser und Pflegeheime auch für nicht an Corona Erkrankte zu gefängnisähnlichen Einrichtungen wurden.

Oft konnte nicht mal die Kernfamilie gemeinsam an der Beerdigung eines Angehörigen teilnehmen. Auch jetzt noch muss eine tröstende Umarmung oder das Zusammensein nach einer Beerdigung selbst im engsten privaten Kreis laut Verordnung unterbleiben. Deshalb frage ich mich, ob das Leid dieser Familien nicht auch in den Blick genommen werden muss, wenn die Politik über eine Gedenkveranstaltung nachdenkt.

Vorrangig sehe ich als viel nötiger an, dass Pflegeheime und Krankenhäuser endlich Besucher und Mitarbeiter regelmäßig auf das Virus testen. Gute Einrichtungen tun das bereits, aber erst jetzt wurde es von der Politik vorgeschrieben. Da die meisten an Corona Verstorbenen in Pflegeheimen lebten, wäre das schon viel früher notwendig gewesen. Dass es möglich gewesen wäre, zeigt das Beispiel Tübingen. Barbara Böhler, Waldkirch