Betörender Zauber

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 30. Juli 2019

Rheinfelden

Die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann gastierte mit einem Liedprogramm in Schloss Beuggen.

Im weinroten Kleid, mit roten und gelben Blumen im Haar, betritt Regula Mühlemann den randvoll besetzten Rittersaal von Schloss Beuggen. So anmutig wie ihre Erscheinung ist die Stimme der jungen Schweizer Starsopranistin: lyrisch und hell, weich im Timbre, klar in der Höhe, wie geschaffen für dieses Bouquet an Liedern, das sie dem Publikum offeriert.

Wenn sie in der Heine-Vertonung "Du bist wie eine Blume, so hold und schön und rein" singt, blüht ihr Sopran auf. Für den erstmaligen Auftritt in der Reihe der Schlosskonzerte hat die Luzerner Sängerin mit ihrer vertrauten Klavierpartnerin Tatiana Korsunskaya ein "exotisches Programm" zusammengestellt, wie sie es selbst nennt. Exotisch insofern, als sie neben Liedpreziosen von Schubert, in denen romantische Naturverbundenheit zum Ausdruck kommt, vor allem Lieder von Schweizer Komponisten in Archiven aufgestöbert hat – selten aufgeführte Kleinode der Liedpoesie. Da ließen sich also wertvolle Entdeckungen machen, zumal es sich um Lieder in allen Landessprachen der Schweiz handelte.

Die international gefeierte Opernsängerin erwies sich durch ihre graziös geführte Stimme und ihre lebendige und textverständliche Gestaltung als Idealinterpretin für diese Liedpreziosen. Fein nuanciert war ihr Gesang in den spätromantischen Liedern "Noch sind die Tage der Rosen" und "An den Abendstern" von Wilhelm Baumgartner. Auch in dem frühlingsfrischen "Wandern mir dir" des Solothurners Richard Flury oder in dem von Elegie durchzogenen "Junges Mädchen in den Bergen" von Emil Frey erfasste die Sopranistin einfühlsam die poetische Stimmung.

Besonders reizvoll waren zwei Lieder in Dialekt. In "Edelwyss" von Richard Langer wird das "schönste Blümle", das wie ein Stern blühe, herzerfrischend schlicht besungen, und in "Plange" von Friedrich Niggli schwingt Sehnsucht mit. Mit ihrer Stimme veredelt Regula Mühlemann diese Lieder und lässt ihnen doch ihren Charme. Betörenden Zauber entfaltet die Sopranistin in zwei vom Impressionismus beeinflussten französischen Liedern der Genfer Komponistin Marguerite Roesgen. "Cette étoile perdue" malen die Sängerin und die Pianistin in zartesten Farben aus. Auch das Rätoromanische aus dem Bündnerland kam zu Ehren.

In der Pianistin und "Echo Klassik"-Preisträgerin Tatiana Korsunskaya hat die Sängerin eine klangsensibel, und feinfühlig mitgestaltende Klavierpartnerin. Wie wunderbar die Künstlerinnen harmonieren, hörte man nicht nur in den Schweizer Liedschöpfungen, sondern auch in den tiefromantischen Schubert-Liedern. In "Im Frühling" klingt Mühlemanns Sopran federleicht, in dem Abschiedsgesang "Auf dem Strom" lässt sie den melodischen Fluss dramatisch strömen. Beim italienischen Finale reißt sie in Rossinis "La Pastorella delle Alpi" die Zuhörer zu Beifallsstürmen hin.