Bildungseifer am Angenbach

Dirk Sattelberger

Von Dirk Sattelberger

Fr, 13. September 2019

Häg-Ehrsberg

BZ-SERIE SCHULNAMEN (TEIL 3): Die Angenbachtalschule in Häg-Ehrsberg ging aus vier Dorfschulen im Hinterhag hervor.

HÄG-EHRSBERG. Der Name einer Schule sagt oft viel über die Zeit aus, in der er entstand, und in manchen Fällen auch einiges über den Ort selbst, in dem die Schule gebaut wurde. Heute geht es in der BZ-Schulnamenserie um die Angenbachtalschule im Hinterhag. Sie wurde 1973 gegründet; zwei Jahre später schlossen sich die selbstständigen Dörfer Häg und Ehrsberg zu einer Kommune zusammen.

Der 5. Mai 1973 war ein besonderer Tag: Die Angenbachtalschule in Häg wurde an jenem Samstag im Frühling eingeweiht. Das neue Gebäude sollte nicht nur eine vielgenutzte "Stätte der Bildung und des Sports" werden (Altbürgermeister Hans Zettler), sie markiert auch das Ende von vier Grundschulen in der Flächengemeinde Häg-Ehrsberg. Der damalige Schulleiter Hermann Meßmer lobte in der Festschrift die "hellen Unterrichtsräume und Fachräume für Naturwissenschaften, Werken und Hauswirtschaft", eine Voraussetzung für "zeitgemäße Bildungsarbeit". Hermann Meßmer hatte zuvor die Schule in Rohrberg geleitet. Aufbruchstimmung lag in der Luft.

Heute besuchen knapp 30 Kinder die Angenbachtalschule im Ortsteil Häg. Damit zählt sie zu den kleineren Grundschulen im Landkreis Lörrach. "Die Schülerzahl pendelt heute im Schnitt zwischen 27 und 29 Kindern", berichtet Schulleiterin Sibylle Schwarzwälder-Abt. Ihr zur Seite stehen zwei Kolleginnen mit zusammen eineinhalb Stellen. Das Gebäude wirkt heute, fast 50 Jahre später, immer noch hell und freundlich.

Doch wieso der Name Angenbachtalschule? Von ihren Klassenzimmern hat man einen wunderbaren Blick auf die gegenüberliegenden Berge, die Kinder schauten fasziniert auf die Windräder des Windparks in Gersbach, berichtet die Schulleiterin. Doch der schmale Angenbach als Namensgeber plätschert uneinsehbar tief unterhalb im Tal. Ein steiler Hang trennt ihn von der Schule, die wie ein Adlerhorst an Häg zu kleben scheint. Nach der Sanierung des Stahlbetonbaus vor fünf Jahren und einem frischen Anstrich ist er sehr gut zu sehen, wenn man mit dem Auto aus Richtung Mambach kommt.

Für die BZ ging Bürgermeister Bruno Schmidt ins Archiv und fand eine Notiz aus einer nichtöffentlichen Gemeinderatsitzung vom 13. Juni 1973. Zitat: "Der Namensänderung der Angenbachtalschule Häg in Angenbachtalschule – Grund- und Hauptschule, Häg, wurde ebenfalls zugestimmt." Das Gesetz will es so, dass aus dem Namen einer Schule auch deren Schultyp hervorgeht. Ob und welche Alternativen es bei der Namensfindung damals gab, ist heute nicht mehr zu rekonstruieren. Vermutlich galt der Angenbach als neutrales Element, das die zwei damals selbstständigen Gemeinden Häg und Ehrsberg verbindet. Deren Weiler liegen umgangssprachlich ohnehin im Tal des Angenbachs. Die Zuflüsse tragen althergebrachte Namen wie beispielsweise Althüttenbach, Mühlebach, Diesenbach, Löchlebach und Sägenmattbächle.

Sicher ist: Zwei Jahre nach der Einweihung der Angenbachtalschule wurde die Vereinigung der zwei Kommunen Häg und Ehrsberg vollzogen. Der Ortsname Häg-Ehrsberg kommt heute den Leuten genauso selbstverständlich über die Lippen wie die Angenbachtalschule. Am Freitag beginnt dort um 10 Uhr die Einschulungsfeier für die sechs Erstklässler mit ihren Familien, was unter dem langjährigen Durchschnitt liegt. Nächstes Jahr sollen es zwölf Kinder sein. An Nachwuchs für die Grundschule in der Flächengemeinde fehlt es also nicht.