A-cappella-Musik

"Black ForestVoices"-Festival in Kirchzarten

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Mo, 01. Juli 2019 um 19:06 Uhr

Rock & Pop

In Kirchzarten fand erstmals das A-cappella-Festival "Black Forest Voices" statt und bescherte den Besuchern in der Talvogtei unter freiem Himmel bleibende Klangeindrücke.

Beste Stimmung durch Stimmenvielfalt – auf diese knappe Formel lassen sich die Konzerte des ersten "Black Forest Voices"-Festivals bringen, das jetzt seine Premiere feierte. Die Klangeindrücke, die den Besuchern bei den sommerabendlichen A-cappella-Konzerten unter freiem Himmel im Hof der Kirchzartener Talvogtei geboten wurde, waren von bleibender Art. Ebenso die Beiträge der Zuhörer und Zuhörerinnen in Sachen exzellenter Stimmung. Denn in weiten Teilen bestand dieses Publikum aus aktiven Sängerinnen und Sängern, die gern bereit waren, sich einbeziehen zu lassen.

Der Freiburger Band Unduzo, die mit vielfältigen popmusikalischen Stilrichtungen und einer guten Prise Comedy in ihren Songs spielt, gelang es besonders gut, aktive Resonanz zu finden: Bei "Jammerland", einem frechen Song über leidenschaftliche Jammerer, Meckerer und Nörgler verwandelten sie die Zuhörer auf Handzeichen in eine maximal jammernde Nörglermasse – der dabei entstehende motzige Publikumsgrundton ergab einen reizvollen Kontrast zur leichten Musik der Band. Mit den Achtklässlern des Kirchzartener Marie-Curie-Gymnasium hatte Unduzo in den Tagen zuvor ein Songwriting Projekt realisiert, dessen Ergebnis, ein authentischer "Fridays for Future Song", die Schüler begeisternd präsentierten.

Aus Italien angereist war die Formation Elephant Claps, die durch klare Stimmen, stilistische Vielfalt und Bodypercussion bestach – mal zart und leise wie Elefanten im Schlendergang durch die Savanne, mal scharf akzentuiert, den vollen A-cappella-Klang kontrastierend. Die nicht vorhandenen Instrumente deuteten die Sänger gelegentlich mikrogestisch an – das Auge hört mit – dabei gelang die stimmliche Imitation eines E-Basses beispielsweise so echt, dass man glaubte, den Saitenanschlag zu hören. Jazziges und Grooviges gepaart mit Afro-Sounds und dynamischen Rhythmen und die gleichermaßen individuell als auch ensembleübergreifend ausgewogenen, oft mittels Live-Loops geschichteten Klänge begeisterten.

Lust auf mehr stellte sich im Publikum bei jeder Formation der Big Vocal Night ein. Die fünf "Jungs, die singen" der Band Anders kamen gut an, ebenso der mit dem zweiten Platz beim deutschen Chorpreis 2018 bedachte Freiburger Chor Twäng! (Leitung Adrian Goldner), auch dem beatboxend entertainenden Acoustic Instinct (Paul Brenning und Julian Knörzer) hätte man gern länger zugehört. Unvergesslich, originell: ihr "Gastgeschenk", ein altes Röhrenradio.

Mit Klängen von einer faszinierenden Durchsichtigkeit, homogen in der Gruppe und dennoch strahlend in der Ausleuchtung der einzelnen Ensemblemitglieder, präsentierten sich die Swingles aus London als eine A-cappella-Formation mit großer Tradition und ebensolchen Fähigkeiten. Die vier Frauen und drei Männer des aktuellen Ensembles, dessen Wurzeln bis zu den Swingle Singers reichen, die 1962 gegründet wurden, sangen Stücke aus Pop und Klassik und erzeugten eine außergewöhnliche Klangintensität. Der Bach-Klavier-Fuge hätte man etwas weniger Tempo und dadurch mehr Zeit für die Klangentfaltung gewünscht; hier war die mikrofonverstärkte Open-Air-Situation nicht optimal, dennoch war die Begeisterung des Publikums groß.

"America", eine Bearbeitung des Popklassikers von Simon und Garfunkel, hatte mit den schwerelosen Harmonien hingegen etwas Magisches. Hoffnung strahlte die dichte und nahezu liebliche Interpretation von "Hard times come again no more" aus. Die Wechsel von einem Sänger zum anderen bei den Achtel-Ketten – unglaublich dicht. Die Swingles sind zwar sieben singende Individuen, dennoch agieren sie über weite Strecken wie ein klangfarbenreiches Instrument. Überzeugend war auch die Arbeit der Tontechniker an den vier Tagen, die ganz wesentlich zum außergewöhnlichen Hörgenuss unter freiem Himmel beitrugen. Ein toller Auftakt für das "Black Forest Voices"-Festival. Eine Fortsetzung? Unbedingt erwünscht.