Brasilien

Bolsonaros Klientel sind nicht die kleinen Leute

Peter von Wogau

Von Peter von Wogau (Freiburg)

Mi, 01. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Der Freund der kleinen Leute", Beitrag von Tobias Käufer (Politik, 19. Juni)
Bolsonaro als einen Freund der kleinen Leute zu bezeichnen, ist freundlich ausgedrückt missverständlich, de facto ist dies falsch. Wäre er ein Freund der kleinen Leute, hätte er nicht bereits letztes Jahr das monetäre Unterstützungsprogramm Bolsa Familia für Bedürftige mit einem Einkommen unter einem Mindestlohn gekürzt. Er hätte die Corona-Nothilfe für Personen aus dem informellen Sektor wirksam umgesetzt – nur ein Teil der Bedürftigen erhielt Gelder, die dann auch noch verspätet eintrafen.

Seit April 2019 liegen die Zustimmungswerte Bolsonaros bei um die 30 Prozent. Dies ist im Wesentlichen seine feste Anhängerschaft. Aber es sind nicht die kleinen Leute, die Bolsonaro an der Macht halten. Seine Klientel sind die evangelikalen Christen, die Agrar- und die Waffenlobby. Vor allem steht das Militär zu ihm. Es gibt sechs Generäle in seinem Kabinett. Sie versuchen, in der Auseinandersetzung zwischen Bolsonaro und dem obersten Gerichtshof zu vermitteln, der Untersuchungen gegen Familienangehörige und Freunde Bolsonaros wegen der Verbreitung von Fake News und der Finanzierung anti-demokratischer Demonstrationen durchführen lässt. Das könnten Gründe für ein Amtsenthebungsverfahren sein. So ist die Macht Bolsonaros so lange gesichert, wie ihn die Militärs halten und die Umfragewerte nicht sinken. Peter von Wogau, Freiburg