Neue Heimat für Wildbienen

skk

Von skk

Fr, 03. Mai 2019

Bräunlingen

Familie Barth baut ein Domizil für fliegende Einzelgänger / Auch die Landfrauen sind beim Insektenschutz dabei.

BRÄUNLINGEN-UNTERBRÄND (lrd). Wer in diesen Tagen in der Unterbränder Kapellenstraße spazieren geht, der kann auf der Streuobstwiese von Ansgar Barth ein seltsames Häuschen bewundern, dessen Zweck auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Es handelt sich um ein hochmodernes Wildbienenhotel mit Wechselmodulen, das helfen soll, den Fortbestand dieser für die Natur so wichtigen Insekten zu sichern.

Es wurde nach naturschutzspezifischen Kriterien von der Schreinerei der Universität Freiburg konzipiert und gebaut. Auftraggeber war die Musella-Stiftung, die sich dem Tier- und Artenschutz verschrieben hat.

Im vergangenen Jahr hatte sich Ansgar Barth auf eine Anzeige in der Badischen Bauernzeitung gemeldet, in der Flächen im Bereich Breisgau-Hochschwarzwald gesucht wurden, auf denen Blütenstreifen einer gewissen Größe vorhanden sind und das nähere Umland zur Beweidung genutzt wird. "Das passt bei uns genau", dachte sich Barth. Johannes Linnemann von der Musella-Stiftung fand dann bei einem Besuch auch ideale Verhältnisse an, eine Streuobstwiese, Beeren, Obst und auch Honigbienen. So erklärte er sich bereit, ein Wildbienenhotel aufzustellen, obwohl Unterbränd im Grenzbereich seines eigentlichen Wirkungskreises liegt.

Wildbienen sind Einzelgänger. In Deutschland leben 585 Arten von Wildbienen, deren Bestand massiv abgenommen hat. Manche Arten sind vom Aussterben bedroht. Durch die zunehmende Industrialisierung und die Versiegelung von Flächen finden sie heute immer weniger Nahrungspflanzen und geeignete Nistplätze. Andererseits sind sie für die Bestäubung von Pflanzen im Ökosystem unverzichtbar.

Ein Wildbienenhotel dient nicht zur Honiggewinnung, sondern rein zur Fortpflanzung der für die Natur so wichtigen Art. Das Exemplar, das jetzt in Unterbränd aufgestellt wurde, hat drei verschiedene Module, die Röhren mit unterschiedlichem Durchmesser enthalten, in die die Bienen ihre Eier ablegen, aus denen nachher die Brut schlüpft. Von außen sind die Module mit Maschendraht gegen Vögel geschützt. Am unteren Teil befindet sich von jeder Sorte ein Wechselmodul, sodass man das Bienenhotel warten kann, ohne die Brut zu zerstören. Im Klartext heißt das, die leeren Module werden nach oben ans Licht umgesetzt, wo die Bienen ihre Eier ablegen. Im unteren Teil ist es dunkel, es gibt ein Loch, durch das die Jungbienen nach dem Schlüpfen ausschwärmen können. Danach können diese Module wieder für den Einsatz vorbereitet werden.

Zwölf Wildbienenhotels dieses Typs wurden von der Stiftung 2018 im Bereich St. Märgen, Buchenbach und Breitnau installiert, im Jahr 2019 folgen 22 weitere, vornehmlich im Hochschwarzwald, aber auch eines in Löffingen. Ansgar Barth und Johannes Linnemann sind gespannt, wie das Wildbienenhotel in Unterbränd angenommen wird und welche Module bei den Bienen mehr oder weniger gut ankommen. Denn hier sind andere Arten unterwegs als beispielsweise in der Freiburger Gegend.

Ansgar Barth arbeitet indessen an einem weiteren Projekt. Am Mittwoch, 8. Mai, wird er zusammen mit den Landfrauen Insektenhotels im kleineren Maßstab bauen, die diese dann zu Hause installieren können. Dem Fortbestand der Wildbienenpopulation in Unterbränd steht als auf breiter Basis nichts im Wege.

Seit 2016 hat sich die Musella-Stiftung der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet. Die Stiftung will einen Beitrag zum Schutz bedrohter Tierarten leisten. Dazu gehören auch die Wildbienen. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Bildung im Kinder- und Jugendbereich zum Thema nachhaltiger Umgang mit der Tier- und Pflanzenwelt. Ferner ist vorgesehen, eine Plattform für den Austausch zwischen Theologie und Ökologie zu schaffen, damit die Kirche ihren Auftrag des Schutzes aller Geschöpfe wahrnehmen kann.