Den Dingen auf die Spur kommen

Paul Klock

Von Paul Klock

Mo, 08. Juli 2019

Breisach

Bilder von Bernhard Stark sind derzeit in einer Ausstellung des Kunstkreises Radbrunnen zu sehen.

BREISACH. Das Herz seines Hirsches liegt zwischen dem Geweih. Dort wo beim Hubertus-Hirsch das Kreuz prangt. Ein bisschen erinnert das auch an den Hirschsprung über der B 31. Beides, die Literatur, hier in Form einer Legende und der Bezug zu seiner Umgebung sind tragende Teil in der Kunst von Bernhard Stark.

Ein kräftiger Schuss Poesie
Nicht selten liegt seinen Bildern eine Geschichte zugrunde und häufig fügt er ihnen kleine Texte oder Kommentare bei. Mal witzig, mal besinnlich, mal nachdenklich oder beschwörend. Das passt zu seinem Kunstverständnis, nach dem es schon genug teure bemalte Leinwand gibt. Sein Kunstverständnis ist das eines Grafik-Designers, mit wenig Mitteln komplexe Bildinhalte zu gestalten. Allerdings angereichert mit einem kräftigen Schuss Poesie. Sowohl auf der Bild- als auch auf der Textebene.

Es ist nicht weit hergeholt, wenn einem beim Betrachten seiner Arbeiten der Schriftsteller und Lyriker Rolf Dieter Brinkmann einfällt. Gut möglich, dass Bernhard Stark ihn kannte, aber nicht zwingend notwendig. Was beide verbindet, ist das spröde, lebensnotwendige, an der unmittelbaren Wirklichkeit orientierte Denken und der Versuch, dieses ohne Brimborium zu formulieren. Im Gegensatz zu Brinkmann ging Bernhard Stark dabei weniger intellektuell vor als phantasievoll. Vielleicht liegt es auch daran, dass er nicht am Schmerz der Welt litt, sondern sich für ihre so unterschiedlichen Ausdrucksformen interessierte. Assoziationen nehmen einen breiten Raum ein und der unmittelbare Augenblick oder der unmittelbare Gedanke.

Bernhard Starks Kunst will den Dingen auf der Spur sein oder ihnen auf die Spur kommen. Will sie in sich selber spiegeln oder zumindest in ihm, dem Künstler. Bernhard Starks verwendet dabei amorphe und figurative Formen. Er nutzt die ganze Bandbreite der Kunst, um eine Bildidee zu entwerfen und auszuführen. Das ist das Handwerkszeug des Grafikers und das des Künstlers Bernhard Stark.

Noch ein Pendant zur Annäherung: Vor der Ansprache der Kunsthistorikern Gabriele Frey, die auch den zur Ausstellung herausgekommenen Katalogtext geschrieben hat, spielte sein Bruder Martin Stark auf dem E-Piano Jazz. Stücke mit einem Thema, das dann im Verlauf mal melodiös, mal rhythmisch variiert wurde. So wie es bei den Arbeiten von Bernhard Stark eine Bildidee gibt und die Ausgestaltung ganz nach davon angestoßenen Umsetzungsmöglichkeiten bestimmt wird. Das Ergebnis dieser Vorgehensweise ist eine Vielfalt der Ausdrucksformen, die dennoch ein zentrales Anliegen hat: Gegenwart mit Vergangenem, Materie mit Gedanklichem, Empfindungen mit Bildideen zu verknüpfen. "Die Welt ist alles, was der Fall ist" heißt es beim Philosophen Ludwig Wittgenstein und demgemäß war für den Künstler Bernhard Stark alles Thema, konnte jeder Gegenstand, jede Idee Thema eines Bildes sein. "Grenzen und Gräben überwinden, zwischen Kunst, Design, Zeichnung, Malerei und Typographie. Das ist mein Anliegen", lautete sein künstlerisches Credo. Text und Form standen manchmal sogar gleichberechtigt nebeneinander und seine Vorliebe für die einfachen, alltäglichen Dinge weisen ihn als einen Beobachter aus, der seine Umgebung immer genau in Augenschein nahm.

Verschiedene Techniken
Gibt es trotz der so unterschiedlich verwendeten Formen, Motive, Ausdrucksweisen und Materialien eine Art Wiedererkennbarkeit seiner Arbeiten? Erstaunlicherweise ja. Nur worin diese liegt, lässt sich nicht so einfach beschreiben. Es ist der Strich, die unangestrengte Art und Weise, disparate Bildelemente zu integrieren, der zurückhaltende Farbgebrauch, die mühelose Verbindung verschiedener Techniken. Alles Dinge, die einen guten Grafikdesigner ausmachen und hier Kunst werden.

Nun ist eine für das Jahr 2018 projektierte Ausstellung im Kunstraum Radbrunnen zur Gedächtnisausstellung des 2016 überraschend gestorbenen Künstlers geworden. Verbunden mit einem schönen Katalog, der von seiner Tochter layoutet wurde und einem aussagekräftigen Text, der sich beschreibend und umkreisend des verschiedenartigen Werkes annimmt. Eine Art Lesebuch, mit dem der Leser, ohne es groß zu merken, die Welt oder sollte man sagen, das künstlerische Universum von Bernhard Stark betritt. "Was bleibt" ist der Titel des Katalogs und man kann sagen: Eine ganze Menge."

Die Ausstellung ist bis zum 4. August zu folgenden Zeiten zu sehen: Freitag: 14 bis 18 Uhr; Samstag und Sonntag: 11:30 bis 18 Uhr; Feiertage: 11:30 bis 18 Uhr.