Drohnen

Stadtverwaltung geht mit digitaler Technik gegen Parksünder vor

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Mo, 01. April 2019 um 00:40 Uhr

Breisach

Schlechte Zeiten für Falschparker und Verkehrsrowdys: Der Gemeindevollzugsdienst der Stadt wird mit vier hochmodernen Drohnen ausgestattet.

Vom 1. April an werden die Spezialdrohnen die Parksituation in der Münsterstadt aus der Luft überwachen. "Bei Übungsflügen im Rheinwald konnten wir mit den Drohnen sogar Eichhörnchen und Füchse identifizieren", informierte Bürgermeister Oliver Rein bei einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch. Da werde es künftig ein Leichtes sein, Autos, die zum Beispiel am Gutgesellentor schräg statt längs parken, im Bild festzuhalten und die Fahrer später zur Kasse zu bitten.

Wie Rein auf Nachfrage bestätigte, hat der Gemeinderat bereits Ende Dezember in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, vier Spezialdrohnen eines bekannten chinesischen Herstellers anzuschaffen – eine für die Kernstadt und jeweils eine für Gündlingen, Nieder- und Oberrimsingen. Das Modell verfüge nicht nur über herausragende Flugeigenschaften, sondern sei vor allem mit einer hochauflösenden Nachtsichtkamera ausgestattet. Die Beschäftigten des Gemeindevollzugsdienstes seien in Lehrgängen bei der Flugsicherung in Basel/Mulhouse geschult worden und hätten anschließend die notwendigen Fluglizenzen erworben.

Mit Nachtsichtkamera ausgestattet
"Breisach ist immer eine Reise wert, die Falschparker sind aber ein Dauerärgernis", wird Rein nicht müde zu betonen. Zu den Falschparkern und Falschfahrern gehören in Breisach bekanntlich auch Angestellte der Schifffahrtslinien, die sich öfters nicht an Regeln halten und vor allem in der Rheinuferstraße für so manches Verkehrschaos sorgen. "Auch damit wird es dank unserer vier neuen Drohnen bald vorbei sein", ist sich der Rathauschef sicher. Denn eine der Drohnen verfüge über eine speziell für Breisach entwickelte Schiff-Bus-Software, die jede noch so kleine Ordnungswidrigkeit sofort im Bild festhalte. Dies gelte auch für die dunkle Tageszeit. "Damit erhöhen wir den Kontrolldruck immens", ist sich der Bürgermeister sicher.

Die technische Ausstattung der Drohnen, die jede rund 15 000 Euro kostet, wird mittelfristig die Stadtkasse entlasten. Denn die Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdienstes müssen künftig nicht mehr, wie bisher, ihren Stützpunkt in der Burkheimer Landstraße verlassen und bei Wind und Wetter durch die Straßen Breisachs tigern. Sie können von heute an ihre Arbeit am Bildschirm in ihrem Arbeitszimmer erledigen. Streifengänge werden so kaum noch nötig sein. Die Dokumentation der Verstöße erfolgt künftig witterungsunabhängig und bequem vom Stützpunkt des Gemeindevollzugsdienstes aus. Im Nebeneffekt erproben die Mitarbeiter neue Arbeitszeitmodelle, die ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer besseren Work-Life-Balance in der Verwaltung sein könnten. "Die Stadtverwaltung geht auch hier voran", verkündet der Bürgermeister stolz.

Vom Verkehrsminister genehmigt
Rein ist sich übrigens sicher, dass die gesetzlichen Vorgaben wie Datenschutzregeln und Lärmemissionsgrenzwerte eingehalten werden. "Die Fotos werden bei uns nur 24 Stunden gespeichert, dann werden sie gelöscht", versichert er. Um als erste Stadt Deutschlands Drohnen zur Parkraumüberwachung einsetzen zu dürfen, habe er sogar mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in Berlin telefonieren müssen. Dieser sei sofort von der Idee begeistert gewesen und habe die Erlaubnis erteilt. Rein ist zuversichtlich, dass die Investitionskosten durch vermehrte Verwarnungsgelder an die Stadtkasse zurückfließen werden. "Spätestens in drei Jahren hat sich die Anschaffung amortisiert, auch dank unserer französischen Freunde, die es mit den Verkehrsregeln ja generell eher etwas lockerer nehmen", sagt der Rathauschef.