Brillanz und stilistisches Feingefühl

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Mi, 20. November 2019

St. Blasien

Das Peters Quartetts aus St. Petersburg gibt in der ausverkauften ehemaligen Menzenschwander Dorfkirche ein Konzert.

ST. BLASIEN-MENZENSCHWAND. Eine ausverkaufte Kirche konnte die Vorsitzende des Winterhalter-Vereins, Elisabeth Kaiser, strahlend vermelden zu Beginn des Auftritts des Peters Quartetts aus St. Petersburg. Bereits 2016 hatte das Ensemble schon einmal die Zuhörer im Kursaal in St. Blasien begeistert, nachdem Elisabeth Kaiser die vier Sänger im gleichen Jahr im Zusammenhang mit ihrer Ententour nach St. Petersburg im Nikolaijewsky Palast gehört hatte. Auch in Menzenschwand geriet das Publikum ganz aus dem Häuschen angesichts der Vielfalt, der Brillanz und des stilistischen Feingefühls des Quartetts.

Als wahre Wundertüte entpuppte sich das Programm, das die vier Sänger mitgebracht hatten und in Menzenschwand als erster Station innerhalb ihrer Tournee durch ganz Europa präsentierten. Mal a cappella, mal begleitet mit Klavier, dann teilweise zudem noch mit Gitarre und schließlich auch mit Rhythmusinstrumenten wie einer speziellen Rätsche oder einfach einem Paar Löffel, sang sich das Peters Quartett in die Herzen der Zuhörer, und auch deren Füße und Hände blieben bei weitem nicht unbeteiligt.

Erstere wippten eifrig im Takt mit, letztere übten sich in rhythmischem Klatschen. Dabei waren die ausgezeichneten Arrangements, die das Quartett benutzte, durchweg auf die Stimmen zugeschnitten, ohne den Stil des jeweiligen Stücks zu verlassen. Jeder der vier Sänger hat eindeutig solistische Qualitäten aufzuweisen, auch Bariton Sergey Zolnikov, der an diesem Abend sein erstes Konzert mit dem Peters Quartett absolvierte, stand seinen Sängerkollegen in nichts nach. Zudem kann sich der erste Tenor durchaus auch als Gitarrist hören lassen, wie der Bass virtuos seine Mitsänger auf dem Klavier begleitet und dabei selbstverständlich auch noch mitsingt.

Das Peters Quartett begann sein Programm mit orthodoxer Kirchenmusik, angefangen im 18. Jahrhundert bei Maxim Beresowski und weiter über Rachmaninow und Tschaikowski bis ins 20. Jahrhundert zu Pavel Tschesnokov. Dabei brillierten die vier Sänger mit der für diesen Kirchenstil typischen forciert kraftvollen Stimmgewalt im aparten Kontrast zu geradezu engelgleichen Pianissimopassagen.

Bei seinem Ausflug in die europäische Klassiktradition verzauberte der erste Tenor Anatoliy Lomuhow die Zuhörer mit einem hauchzarten schubertschen "Ave Maria", für diesmal am Klavier begleitet vom zweiten Tenor Arseniy Garibjan. Gleich darauf bewiesen die Vier ihre Stilsicherheit mit einer ausgesprochen lebendigen, ganz schlank vorgetragenen "Gaudete"-Vertonung aus dem 14. Jahrhundert. Gigantisches Stimmvolumen dagegen demonstrierten sie bei ihrer Premiere von "Time to say goodbye", und im gemütlich wiegenden Dreiertakt kam das serbische Volkslied "Tamo daleko" daher. Natürlich durfte auch die Sequenz russischer Volkslieder in diesem Programm nicht fehlen. Herzerfrischend lustig interpretierte das Peters Quartett das rhythmisch-tänzerische "In der Schmiede". Mit weiteren russischen Liedern wie dem flotten "An der langen Straße" und dem gefühlvollen, nicht nur beim Solo von Bass Oleg Mizura wie Donnerhall durch die Kirche schallenden "Stenka Rasin" heizten die vier Ausnahmesänger die Stimmung kräftig an.

Nach der Pause setzte das Quartett seine Reise durch musikalische Highlights fort mit Gospels, Spirituals und weiteren weltbekannten Melodien. Auf das innige "Moon River" folgte ein mit Fingerschnipsen, dem ersten Tenor als gestopfter Trompete und dem Bassisten Oleg Mizura als veritablem Kontrabassimitat ausgestattetes "Sweet Adeline" sowie Louis Armstrongs genial umgesetztes "What a wunderful world". Mitreißend auch die Interpretationen von "Go down, Moses", "Moskauer Nächte" und den berühmten "Wolgaschiffern". Wieder ein Glanzstück fDeutsch.ersten Tenor der samtweiche, mit extrem langem Atem gesungene Ohrwurm "Abendglocken", und als Schlusspunkt zum Mitklatschen für den ganzen Saal "Katjuscha".

Als spezielles Geschenk an Menzenschwand kredenzte das Quartett zum Schluss noch ein Potpourri aus Stücken der Comedian Harmonists, in astreinem Deutsch , von "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen" über "Veronika, der Lenz ist da", Oh Donna Clara", "Mein kleiner grüner Kaktus" und "Ein Freund, ein guter Freund" bis zum Rausschmeißer in Gestalt von "Das ist die Liebe der Matrosen" in einer harmonischen Finesse und subtilen Sensibilität des Klangs, die dem Original alle Ehre machten.

Das Quartett bedankte sich bei seinen Zuhörern ausdrücklich für die warme und herzliche Atmosphäre und bei Elisabeth Kaiser mit der Erfüllung eines persönlichen Wunsches, der zur Winterhalterzeit gängigen Zarenhymne. Als Schmankerl zum Abschied gab es dann nochmal einen Hit der Comedian Harmonists, ein rührend einfühlsames "Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück".