Sport tut gut

Buggingens Läufer und Radler spenden fast 10.000 Euro für Fußball-Jugend und "Gnadenhöfle"

Hannes Selz und Simone Höhl

Von Hannes Selz & Simone Höhl

Do, 17. Juni 2021 um 06:52 Uhr

Buggingen

Es ist ein großes Geben und Nehmen bei Buggingens Sportlern: Läufer der Spielvereinigung 09 stiften 5000 Euro fürs Tierwohl, und der aufgelöste Radsportverein vererbt der Spvgg-Jugend 4800 Euro.

Die Läufer der Spielvereinigung 09 Buggingen/Seefelden haben mit ihrer Corona-Ausgabe des Feierabendlaufs 5000 Euro an Spenden generiert, die sie jetzt dem Müllheimer "Gnadenhöfle" übergaben. Und die Jugend der Spvgg 09 hat gerade erst eine Spende über 4800 Euro bekommen – vom Radsportverein, der ihr nach der Auflösung sein Restvermögen vererbte.

Der Radsportverein Buggingen hat sich bereits im Jahr 2019 aufgelöst. Seine Gründung geht auf den Stammtisch im Gasthaus zum Pfauen in Seefelden zurück, etwa zur Zeit der autofreien Sonntage, erzählt Gründungsmitglied Eberhard Wermuth. "Wenn ihr schon so verrückt seid und mit dem Fahrrad in der Gegend rumfahrt, könnt ihr auch einen Verein gründen", habe Hans Rieger habe zu einigen Radsportbegeisterten gesagt. Er wurde dann Vorsitzender des Vereins, der ab 1976 im Register stand.

Radrennen, einmal mit Jan Ullrich

Zu den Höhepunkten des Vereinslebens gehörten die selbst veranstalteten Radrennen, findet Peter Goldenberg, der ebenfalls von Anfang an dabei war: "In den 90er Jahren war sogar einmal Jan Ullrich dabei." Der Radstar war damals auf dem Heimweg vom Trainingslager in Spanien.

Die Hobbyradler aus Buggingen trainierten donnerstags und samstags, und brachen jeden Sonntagmorgen zwischen 6 und 8 Uhr auf, um rund 80 Kilometer zu fahren, manchmal auch mehr. Bei Wettbewerben in der Schweiz überwanden sie schon einmal gut 4000 Höhenmeter. Im Winter gab’s Zirkeltraining, Gymnastik und Langlauf-Ausflüge. "Einfach eine schöne Zeit", sagt Wermuth.

Kein Nachwuchs, kein Geld

Doch die Mitglieder wurden älter und Nachwuchs fehlte. Zum einen war die allgemeine Begeisterung geschwunden, vor allem mit den Doping-Fällen im Spitzensport; und zum anderen hatte der Verein kein Kapital, um ein Jugendteam zu unterhalten, erklärt Peter Goldenberg. Mit dem Ende des Laubenfests war 2002 die Haupteinnahmequelle weggebrochen. In der Zeit hatte der Verein noch fast 100 Mitglieder.

"Die Auflösung war für uns schon ein Schlag", sagt Wermuth. Der Verein beschloss in einer letzten Generalversammlung, das Restvermögen der Jugend der Spvgg 09 zu spenden – wegen des Sports im Allgemeinen, weniger wegen des Fußballs im Besonderen. Zu dem haben auch die beiden Gründungsmitglieder keinen engen Bezug. Während Wermuth einige Zeit bei Weiß-Rot Buggingen spielte, kickte Goldenberg nur einmal beim Grümpelturnier mit. "Und habe mir einen sechsfachen Trümmerbruch im Sprunggelenk zugezogen. Dann habe ich es lieber gelassen", erzählt er.

Wenn der Lindenplatz umgebaut ist, wollen die beiden zur Erinnerung an den Verein eine Bank mit seinem Wappen und den Namen der Ehrenmitglieder aufstellen.

Feierabendlauf im Corona-Modus

Etwas Neues auf die Beine gestellt hat das Team vom Bugginger Feierabendlauf, und das Ergebnis bot Grund zum Feiern: "Wir haben 5000 Euro zusammenbekommen", berichtet Daniel Sommer über die erste Corona-Ausgabe der Veranstaltung. Das Geld haben er und die anderen Organisatoren von der Laufgruppe der Spvgg 09 Buggingen/Seefelden am Dienstagabend dem "Gnadenhöfle Donkey Palace" und seinen Tieren in Müllheim gespendet.

Der Feierabendlauf fand 2018 zum ersten Mal statt, im Jahr darauf rannten bereits 600 Läufer durch die Weinberge und 2020 kein einziger: Corona. Dieses Jahr nun ging jeder und jede für sich und den guten Zweck auf die fünf oder zehn Kilometer lange Strecke. Die wurde mit der Gemeinde ausgeschildert, die Zeit mit Hilfe von QR-Codes gestoppt, der Wettkampf lief nur online.

Läuferinnen und Läufer aus der ganzen Region

286 Läuferinnen und Läufer machten mit. "Es hat keiner damit gerechnet, dass es so viele werden", sagt Sommer. Sie kamen von Vereinen von Basel bis Riegel, von Firmen, aus der Verwandtschaft und dem Freundeskreis, berichtet die Laufgruppe von ihrer Corona-Edition: "Wir wollten keine Veranstaltung exklusiv für Spitzensportler, wir wollten möglichst viele Menschen dazu animieren, wieder Sport zu treiben."

Der erste Läufer war zur Feierabendzeit am 12. Mai Marco Ritzenthaler vom SV Hartheim, die "Schlussläuferin" am späten 30. Mai Silke Stengele von der LG Buggingen. Statt Startgebühren zahlten alle eine Spende, insgesamt rund 3200 Euro. Der Hauptsponsor "Natur Energie" aus Rheinfelden sponserte für sie 286 Handtücher – und stockte die Summe auf Daniel Sommers Nachfrage hin auf 5000 Euro auf.
Das Gnadenhöfle

Das "Gnadenhöfle Donkey Palace" in Müllheim ist ein Tierschutz-Projekt. Patrick Ohme und Rebecca Benz kümmern sich mit einem Verein und helfenden Händen um Esel, Pferde, Hühner, Ziegen, Schafe, Kühe, Katzen, Tauben und Gänse. Die Tiere stammen teils aus schlechter Haltung, waren nicht mehr für die Arbeit geeignet oder quasi unterwegs zum Schlachter. Mehr Infos unter http://www.gnadenhoefle.de