Merkel mahnt zum Impfen

dpa

Von dpa

Fr, 23. Juli 2021

Deutschland

Die Kanzlerin nennt steigende Corona-Zahlen besorgniserregend / Mehr Tempo beim Klimaschutz.

Angela Merkel (CDU) hat die Bevölkerung mit Blick auf steigende Infektionszahlen auf eine weiter schwierige Zeit eingestimmt. Deutschland habe es "mit einer deutlichen, und wie ich finde auch besorgniserregenden Dynamik" in der Pandemie zu tun, sagte die Kanzlerin am Donnerstag bei ihrer voraussichtlich letzten Sommerpressekonferenz in Berlin. Angesichts steigender Corona-Zahlen rief sie zu verstärkten Impfbemühungen auf.

Auch die verheerende Flutkatastrophe in mehreren Teilen Deutschlands, der Klimaschutz und die Einigung zur Erdgaspipeline Nord Stream 2 waren bestimmende Themen bei der für die Kanzlerin wohl letzten Begegnung dieser Art mit Hauptstadtjournalisten. Merkel tritt bei der Bundestagswahl im September nicht mehr an und zieht sich aus der Politik zurück.

Die Kanzlerin mahnte erneut, dass die Corona-Pandemie nur gemeinsam überwunden werden könne. Deswegen sollten Menschen auch im privaten Umfeld und der Arbeitswelt aktiv für Impfungen werben. Die derzeit etwa binnen zwölf Tagen registrierte Verdoppelung der Inzidenzzahlen bewertete Merkel als besorgniserregend. Nötig sei es, auch weiterhin Schutzmaßnahmen zu beachten: Masken, Abstand, Lüften und regelmäßiges Testen. Das sei auch mit Blick auf die Öffnung der Schulen im Herbst wichtig. Für Kinder bis zwölf Jahre gebe es noch kein Impfangebot. "Die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, bleibt Richtschnur unseres Handelns."

Die Kanzlerin schwor das Land auf eine gemeinsame Kraftanstrengung zur Bewältigung der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands ein. Es gebe schreckliche Verwüstungen durch das Hochwasser, Deutschland trauere um 170 Tote. Ziel sei eine gemeinsame Finanzierung der Flutschäden, sagte Merkel. Die Bundesregierung habe einen Betrag von 200 Millionen Euro für Soforthilfe zur Verfügung gestellt. In den nächsten Tagen und Wochen werde mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer darüber gesprochen, wie ein gemeinsamer Aufbaufonds organisiert werden kann.

Deutschland habe viel gegen die Erderwärmung unternommen, versicherte die Kanzlerin. Nun gehe es darum, das Tempo anzuziehen und den Ausbau erneuerbarer Energien hochzufahren. Vielleicht sei es ein Fehler gewesen, dass sie lange am Kyoto-Protokoll festgehalten habe. Es sei ein enttäuschender Prozess gewesen, sie habe viel Kraft eingesetzt, um auf internationaler Ebene Mehrheiten für mehr Klimaschutz zu finden. Auch in der Gesellschaft müsse die Akzeptanz etwa für Windenergie auf dem Land erhöht werden.