Zawalski tritt für die Grünen an

Michael Brück

Von Michael Brück

Mo, 28. September 2020

Offenburg

Delegierte im Wahlkreis Offenburg setzen mehrheitlich auf den Wirtschaftsexperten aus Balingen /Michael Dutschke unterlegen.

. Ein Auswärtiger soll es bei der Bundestagswahl 2021 für die Grünen im Wahlkreis Offenburg richten. Mit absoluter Mehrheit setzte sich am Freitagabend Thomas Zawalski bereits im ersten Wahlgang als Direktkandidat gegen Michael Dutschke durch. Bei der Wahl in der Schwarzwaldhalle in Appenweier stimmten 20 der insgesamt 34 Wahlberechtigten für den Kandidaten, der aus Balingen im Zollernalbkreis stammt.

Noch im Juli war Zawalski im Wahlkreis 295 (Zollernalb-Sigmaringen) denkbar knapp an einer Nominierung gescheitert. Dort musste er sich Johannes Kretschmann, dem Sohn des amtierenden Ministerpräsidenten, geschlagen geben. Im zweiten Anlauf hat es der gelernte Erzieher, der später als selbstständiger Unternehmer in die Wirtschaft wechselte und einen Master-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften vorweisen kann, nun im Wahlkreis 284 (Offenburg) geschafft.

Der gebürtige Berliner überzeugte die Delegierten mit seinem Programm, in dem Klimaschutz und wirtschaftliches Denken in einem Konsens stehen. Wohlstand, Markteinkommen und Innovation seien die drei Säulen seines Konzepts, erklärte er in seiner gerade mal zehn Minuten dauernden Rede. "Dass wir Umwelt gut können, das weiß jeder. Wir müssen den Wählern aber zeigen, dass wir Wirtschaft ebenso gut können", sagte Zawalski und warb für eine "neue Normalität".

Man müsse Wirtschaft neu denken und Konsum hinterfragen und dabei für einen wahren CO2-Preis eintreten. Es brauche eine neue Definition von Wohlstand auf volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Ebene. Zudem müssten neue Anreize geschaffen werden, damit Start-ups, aber auch kleine und mittelständische Unternehmen mit nachhaltigen innovativen Ideen den sozialökologischen Transformationsprozess mitgestalten und begleiten können. Dabei, so versicherte Thomas Zawalski, werfe er auch einen besonderen Blick auf den ländlichen Raum.

Auch in der anschließenden Fragerunde fand der Wirtschaftsexperte offenbar zufriedenstellende Antworten, sei es auf Fragen nach der Verbesserung der Situation der Frau oder seiner Strategie, eine gute Vernetzung in die Wirtschaft dafür einzusetzen, mehr Klimaneutralität zu schaffen. "Hier braucht es klare Leitplanken, um einen gesetzlichen Rahmen zu setzen, um Regeln zu schaffen", antwortete er. Das gehe nicht ohne eine dringend benötigte Novelle des Bundesimmissionsschutzgesetzes. Auch für die Mobilität der Zukunft hat Zawalski klare Pläne in der Tasche: "Wir müssen neue Mobilitätskonzepte schaffen." Aber auch erkennen, dass es eine Vielzahl von Problemen gebe.

"Wichtig: Guter Nahverkehr im ländlichen Raum"

Seine Vorstellung seien so genannte Mobilitätspakete. "Ein Auto steht gut 95 Prozent seiner Lebensdauer. Das können wir uns gar nicht leisten. Deshalb müssen hier ganz neue Konzepte her, bei denen wir kein Auto mehr kaufen, sondern nutzen." Gerade im ländlichen Raum sei eine zukunftsfähige Nahverkehrsinfrastruktur von Nöten. Letztlich versprach der 61-Jährige, im Falle seiner Wahl mit seiner Frau einen Umzug in die Ortenau ins Auge zu fassen.

"Wir haben schon intensiv darüber gesprochen. Und es steht dem nichts im Wege." Hoch qualifiziert und engagiert stellte sich auch Michael Dutschke vor. Der promovierte Politikwissenschaftler und Sozialökonom ist 2007 über die Grenzen hinweg bekannt geworden, als er sich als der zahlreichen Mitempfänger über den Friedensnobelpreis freuen durfte. Politisch, so erklärte Dutschke, sei sein Programm vorwiegend im Bereich der Klimawende anzusiedeln. Man müsse für die Zukunft nachhaltig die Solarwirtschaft und die Digitalisierung stärken. "Und damit sind wir eine Wachstums-Lokomotive", versprach der 61-Jährige. Er wolle positive Visionen vermitteln. Dazu sei Information keine Einbahnstraße. "Ich spreche mit allen Seiten", sagte er. Miut Blick auf den ländlichen Raum sagte er: "Wir brauchen ganz, ganz dringend die Agrarwende."

Am Ende standen auf der Seite des Schwaben, der seit vielen Jahren im Ortenaukreis lebt, lediglich 14 Stimmen. Somit war die Sache für den Herausforderer aus Balingen klar. "Ich freue mich riesig, mit euch jetzt loslegen zu können", sagte Michael Zawalski. Auch wenn er sich darüber im Klaren sei, wie er hinzufügte, dass es im "Wahlkreis Schäuble" sicher nicht leicht werde, über ein Direktmandat nach Berlin zu kommen.