Arbeitsmarkt
Bundesweit drei Millionen Arbeitslose - Lage in Baden-Württemberg ist angespannt
Zuletzt war die Arbeitslosigkeit im August vor 15 Jahren so hoch. Dennoch blicken Fachleute mit Optimismus auf die nächsten Monate. Auf dem Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg zeichnet sich keine Entspannung ab.
Oliver Schmale (dpa)
Fr, 29. Aug 2025, 10:29 Uhr
Südwest
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Sommerpause und Konjunkturschwäche lassen die Arbeitslosigkeit in Deutschland so hoch steigen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Die Zahl der Arbeitslosen erhöht sich im August im Vergleich zum Vormonat um 46.000 auf 3,025 Millionen Menschen. Das seien 153.000 mehr als im August 2024, teilte die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mit. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Juli um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent.
Sommerpause erklärt Entwicklung alleine nicht
"Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor von der wirtschaftlichen Flaute der vergangenen Jahre geprägt", sagte die Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles. "Es gibt allerdings auch erste Anzeichen einer Stabilisierung."
Die Arbeitslosenzahlen steigen in der Regel über den Sommer, weil Unternehmen vor den Ferien weniger einstellen und Ausbildungsverhältnisse enden. Die August-Zahlen waren aber zuletzt vor 15 Jahren so hoch. Über der Grenze von drei Millionen lag die Zahl der Arbeitslosen zum letzten Mal im Februar 2015.
Stabilisiert sich der Arbeitsmarkt?
Im bundesweiten Vergleich lag die Arbeitslosenquote in den Stadtstaaten Bremen (11,8 Prozent) und Berlin (10,5) weiterhin am höchsten, in den südlichen Bundesländern Bayern (4,2) und Baden-Württemberg (4,7) am niedrigsten. Die Bundesagentur griff für die Statistik auf Datenmaterial zurück, das bis zum 13. August vorlag.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sieht trotz des neuen Höchststands bei der Arbeitslosigkeit erste Lichtblicke. Für das Arbeitsmarktbarometer befragen die Fachleute monatlich alle Arbeitsagenturen nach ihren Erwartungen für die nächsten drei Monate. Im August erwarteten sie erstmals seit drei Jahren, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit ein Ende hat. Auch die Beschäftigung könnte demnach wieder Fahrt aufnehmen.
Lage in Baden-Württemberg trotz allem angespannt
Der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt angespannt. Im August stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 4,1 Prozent auf 305.352, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Stuttgart mitteilte. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,7 Prozent. Die Agentur griff für die Statistik auf Datenmaterial zurück, das bis zum 13. Juli vorlag. Angesichts der Herausforderungen am Arbeitsmarkt sei es wichtiger denn je, jetzt in Bildung, Ausbildung und berufliche Qualifizierung zu investieren, sagte Martina Musati, Chefin der Regionaldirektion. Sie bitte deshalb die Unternehmen, den Jugendlichen, die noch einen Ausbildungsplatz suchten, eine Chance und damit auch eine Perspektive zu geben. Diese jungen Menschen sicherten als gut ausgebildete Fachkräfte von morgen die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft.
Der Anstieg der Anzahl der arbeitslosen Menschen um 4,1 Prozent ist für den Monat August als saisonüblich zu bewerten, wie die Regionaldirektion weiter mitteilte. In der Regel steigt die Arbeitslosigkeit von Juli zu August um 4 bis 6 Prozent. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte, über 300.000 Arbeitslose im Land seien ein klares Warnsignal für den Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg. "Es ist ein Einschnitt, der uns vor Augen führt, wie verletzlich der Südwesten trotz seiner immer noch starken Wirtschaftskraft geworden ist."