Bill Gates wird 65

Computerfan, Menschenfreund und Hassfigur der Impfgegner

Christoph Dernbach

Von Christoph Dernbach

Mo, 26. Oktober 2020 um 18:52 Uhr

Wirtschaft

Am Mittwoch wird Bill Gates, Gründer des Microsoft-Software-Imperiums, 65 Jahre alt. Heute widmet er sich seiner Stiftung, die vor allem die Arzneiforschung fördert.

Für einen Urlaub hatte Microsoft-Gründer Bill Gates im Herbst 1993 eigentlich keine Zeit. Die Entwicklung des neuen Betriebssystems Windows 95 lief auf Hochtouren und forderte seine ganze Aufmerksamkeit. Allerdings hatte Gates damals einen triftigen privaten Grund – er war frisch verlobt. Das Paar wollte dies auf einer Safari-Tour in Ostafrika feiern. Der Trip sollte Gates und seiner Partnerin Melinda die Augen für andere Herausforderungen öffnen.

"Unsere Zeit in Ostafrika war unsere erste wirkliche Begegnung mit extremer Armut." Melinda Gates
"Unsere Zeit in Ostafrika war unsere erste wirkliche Begegnung mit extremer Armut", erinnerte sich Melinda Gates 25 Jahre später in einem Blogeintrag. "Es war sowohl augenöffnend als auch herzzerreißend." Bevor das Paar wieder in die USA zurückflog, machte es einen Spaziergang an einem Strand in Sansibar. "Wir führten das Gespräch, das am Ende unser Leben verändern sollte." Beide waren sich vorher schon einig gewesen, den Großteil des mit Microsoft erworbenen Vermögens zu verschenken. "Wir waren uns aber nicht sicher, wie wir das machen sollen. Jetzt hatten wir ein Gefühl für das Ziel – und die Dringlichkeit." Kurz nach der Ostafrika-Reise gründete der Software-Unternehmer die William H. Gates Foundation (Stiftung). Sie hat drei Schwerpunkte: Im Bereich Gesundheit fördert sie die Erforschung und Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen und deren Verbreitung. Um den Hunger in der Welt zu bekämpfen, will sie im Bereich Landwirtschaft produktive Pflanzen erforschen lassen und Landwirte unterstützen, vor allem in Afrika. Zudem engagiert sich die Stiftung in Bildungsprogrammen für Jugendliche in den USA.

Der Sohn einer Lehrerin und eines Rechtsanwalts

Gates wurde am 28. Oktober 1955 als Sohn einer Lehrerin und eines wohlhabenden Rechtsanwaltes geboren. Aus seiner jugendlichen Schwärmerei für Technik entwickelte Bill eine Leidenschaft, die seinen Lebensweg prägen sollten. Außer ihm hat vermutlich nur Apple-Mitbegründer Steve Jobs so früh daran geglaubt und so entschlossen daran gearbeitet, dass Computer einmal von jedermann genutzt werden können. Anfang der 70er Jahre konnten sich das nur wenige vorstellen.

1975 brach Gates sein Harvard-Studium ab, um mit seinem Freund Paul Allen das Unternehmen Microsoft aufzubauen. Eher per Zufall erhielt er 1980 den Auftrag, ein Betriebssystem für den ersten Personal Computer von IBM zu liefern. Diese Software besaß er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, sondern musste sie schnell bei einem Bekannten zukaufen. Gates bewies mit dem Deal nicht nur Weitsicht, sondern auch, dass er clever verhandeln konnte. Er rang seinen Vertragspartnern bei IBM das Recht ab, dass Microsoft das System auch an andere PC-Hersteller verkaufen durfte.

Das Betriebssystem DOS war der Grundstein

Mit dem Betriebssystem DOS legte Gates nicht nur den Grundstein für den Erfolg von Microsoft und seines Vermögens, sondern begründete auch die Software-Industrie. Mit dem Büroprogrammpaket Office und dem Betriebssystem Windows trieb Microsoft das Personal Computing voran. In seiner aktiven Zeit an der Spitze von Microsoft schreckte Gates nicht davor zurück, die Marktmacht des Unternehmens mit spitzen Ellbogen auszudehnen. So zettelte er 1995 den "Browser-Krieg" gegen Netscape an, nachdem Microsoft Anfang der 90er Jahre die Bedeutung des Internets verschlafen hatte. Mit dem Paket aus Windows und Internet Explorer wurde Netscape vom Markt gedrängt. Damals tauchte bei Microsoft-Kritikern erstmals der Slogan "Gib Gates keine Chance" auf – angelehnt an die Kampagne "Gib Aids keine Chance" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus den 80er Jahren. Die Parole dient inzwischen Impfgegnern und Verschwörungserzählern dazu, den Großspender zu verunglimpfen.

Ein knallharter Unternehmer

Bei der Verwaltung des Stiftungsvermögens agiert Gates als knallharter Unternehmer. Gerüchte, die Stiftung verdiene am Vertrieb von Impfstoffen, stimmen aber nicht. Die Verleumdungen hindern Gates nicht daran, sich für die schnelle Entwicklung eines sicheren und wirksamen Impfstoffes gegen Covid-19 einzusetzen. Er lässt sich auch nicht groß davon beeindrucken, dass Impfgegner das Gerücht streuen, die Corona-Pandemie sei nur der Deckmantel für einen Plan zur Implantation rückverfolgbarer Mikrochips.