Vorsichtsmaßnahme

Coronavirus-Verdacht in Freiburg: Biotech-Unternehmen auf der Haid geschlossen

Joachim Röderer, Simone Höhl, Manuel Fritsch

Von Joachim Röderer, Simone Höhl & Manuel Fritsch

Do, 27. Februar 2020 um 12:35 Uhr

Freiburg

Im Freiburger Gewerbegebiet Haid ist die Biotechfirma Thermo Fisher geschlossen worden. Mitarbeiter könnten in Kontakt mit einem am Coronavirus erkrankten Besucher aus Schweden gekommen sein.

Aktuell: Am Donnerstagabend hat das Sozialministerium in Stuttgart zwei Infektionen mit dem Coronavirus im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und eine in der Stadt Freiburg bestätigt. Nach BZ-Informationen vom späten Donnerstagabend arbeiten alle drei südbadischen Covid-19-Patienten bei der zuvor geschlossenen Biotechfirma. Der nun folgende Artikel beschreibt den Stand der Dinge, bevor die Infektionen bekannt geworden sind.

Das Unternehmen betont, dass es sich nur um eine Vorsichtsmaßnahme handelt: Der Firmensitz von Thermo Fisher Scientific in Freiburg-Haid war am Donnerstag geschlossen, Mitarbeiter sollten von Zuhause aus arbeiten. Denn einige könnten sich auf einer Dienstreise mit dem Coronavirus angesteckt haben. Deren Testergebnisse stehen allerdings noch aus.

Das Firmengelände auf der Haid ist am Donnerstagvormittag verwaist. Lediglich ein Auto parkt vor dem Eingang, ein anderes auf dem Parkplatz im Hinterhof. An der Tür hängt ein Zettel, der mitteilt, dass der Standort "kurzfristig bis auf Weiteres geschlossen" sei. Eine Frau, die ein Buch abliefern soll, zieht unverrichteter Dinge wieder ab.

Ein Mitarbeiter kommt vorbei, um zu sehen, ob es neue Informationen gibt. "Ich habe heute Morgen den Aushang gesehen, das ist alles, was ich weiß. Der Rest sind Gerüchte." Demnach seien einige Mitarbeiter auf einer Konferenz gewesen, auf der auch eine Person aus Schweden anwesend war, die später positiv auf das Coronavirus getestet wurde. "Wenn das so stimmt, halte ich es für übertrieben, hier alles zuzumachen", sagt der Mitarbeiter.

Vicky Voulgaraki, eine Sprecherin des Unternehmens, kann die Gerüchte so detailliert nicht bestätigen. Allerdings teilt sie mit, dass einige Angestellte der Freiburger Niederlassung auf einer Dienstreise dem Virus ausgesetzt worden sein könnten. Um wie viele Mitarbeiter es sich handelt, wisse sie jedoch nicht. Die Betroffenen seien derzeit zu Hause und seien getestet worden. Bis die Ergebnisse vorliegen, seien auch die übrigen Angestellten in Freiburg gebeten worden, den Donnerstag von zu Hause aus zu arbeiten. Die Firma stehe in Kontakt zu den Freiburger Behörden und tue alles, die Gesundheit und Sicherheit ihrer Angestellten zu schützen, so Voulgaraki.

Im Freiburger Rathaus ist der Fall bekannt und wurde im Koordinierungsstab besprochen. "Bis jetzt wissen wir noch von keiner Infektion", sagt Rathaussprecher Toni Klein am Mittag.

Ähnlicher Fall in schwedischer Niederlassung

Die Firma Thermo Fisher Scientific beschäftigt am Standort Haid im Freiburger Westen an der Jechtinger Straße rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sitz des Unternehmens ist in Massachusetts, weitere Niederlassungen gibt es in Schweden.

Dort berichtet die Presse aus Uppsala von einem ähnlichen Fall wie in Freiburg. Eine Person habe möglicherweise während einer Dienstreise nach Deutschland Kontakt zu einer infizierten Person gehabt. Alle Mitarbeiter des Standorts Uppsala seien daher aufgefordert worden, am Donnerstag zu Hause zu bleiben. Dort seien rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen.

Die ehemalige Firma Phadia, die nun zum amerikanischen Technologieunternehmen Thermo Fisher Scientific gehört, entwickelt und produziert Testsysteme für die Diagnose von Allergien, Asthma- und Autoimmunerkrankungen. Thermo Fisher baut in Rheinfelden derzeit eine neue Niederlassung.
Was tun bei Verdacht?

Anzeichen für eine Infektion mit dem Coronavirus sind Husten und Schnupfen, Halskratzen und Fieber, manchmal auch Durchfall. Die Symptome lassen sich für den Laien nicht von der normalen Grippe oder einem grippalen Infekt unterscheiden. Gefährdet für eine Ansteckung sind vor allem Reisende aus Risikoregionen und Menschen, die Kontakt zu Infizierten hatten. Diese sollten sich unabhängig von Symptomen beim Gesundheitsamt melden. Wer fürchtet, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, soll seinen Hausarzt aufsuchen – allerdings nicht, ohne ihn vorher telefonisch zu informieren. Informationen gibt es beim Landesgesundheitsamt unter 0711/90439555.

Der Vorgänger der Phadia wurde 2011 Teil des Konzerns Thermo Fisher Scientific mit Sitz in Massachusetts. Die Wurzeln von Phadia liegen in der Firma Elias-Medizintechnik, die Anfang der 80er Jahre in Freiburg-St. Georgen gegründet wurde. Das Unternehmen wurde 1999 von Pfizer übernommen. Ab 2004 wurde der Standort Freiburg zusammen mit Standorten in Schweden aus dem Pfizer-Konzern herausgelöst und trug später den Namen Phadia. In Schweden werden vor allem Bluttests für Allergien hergestellt.

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