Daheimsein als Kraftquelle

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Fr, 10. September 2021

Landesliga Staffel 3

Alles da, alles drin: In Neustadt und beim FC Löffingen entsteht in familiärer Nähe der Erfolg.

Der Hochschwarzwald ist nicht die Welt, aber für die Menschen, die hier zu Hause sind, ein liebenswerter Kosmos. Wer hier lebt, tut das meist aus Überzeugung. Wer hierherkommt, will oft bleiben und am liebsten nicht mehr weg. Eine Verbundenheit mit der Region, die sich in den Gemeinwesen spiegelt und im Sport. "Wir"-Gefühl wird groß geschrieben bei den Fußball-Landesligisten FC Neustadt und FC Löffingen, die am Sonntag bei ihren Heimspielen vor lösbaren Aufgaben stehen.

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FC Neustadt – SC Gottmadingen-Bietingen (Sonntag, 15 Uhr). Sam Samma, ebenso flinker wie treffsicherer Stürmer des FC Neustadt, kam vor Jahren übers Meer. Als Flüchtling, der die Repressionen in seiner Heimat nicht mehr aushielt. Als Asylbewerber fand er in Neustadt Unterschlupf, wurde dank seiner Ballkunst von FCN-Scouts entdeckt, war erst Kumpel und ist jetzt Freund vieler Kicker und seit vielen Jahren einer der Besten im Team der Blauen. Fünf Treffer hat Samma in dieser Saison bereits erzielt. "Der Sam ist ein richtiger Neustädter Junge geworden", freut sich FCN-Trainer Florian Heitzmann. Samma will hier nicht mehr weg. Eine Familie hat er gegründet, eine dreijährige Tochter ist sein ganzer Stolz, im Sägewerk Ketterer macht er einen guten Job. Samma ist angekommen, um zu bleiben, trotz vieler Angebote anderer Vereine vielleicht für immer beim FCN. Weil die Blauen seine zweite Familie sind.

Am Sonntag wird Samma gebraucht, wie an jedem Wochenende. Als kraftvoller Angreifer mit Müller-Instinkt vor dem Kasten und einem ordentlichen Wumms beim Torschuss. Auf dem Papier wartet ein Verfolgerduell im Jahnstadion, FCN und das "Go-Bi"-Team sind mit neun Punkten tabellarisch gleichauf. Heitzmann lässt sich nicht blenden: "Die Gottmadinger sind eine große Nummer, die waren vor einem Jahr vor dem Abbruch auf Rang fünf, wir auf einem Abstiegsplatz." Es ist eine erwartbare Warnung an seine Spieler, den Gegner ernstzunehmen und die Konzentration hochzuhalten. Und das nicht nur eine (bisher meist die zweite) Halbzeit lang. "Wir hatten immer gute Momente, aber nicht immer über längere Zeit", so der FCN-Trainer. "Die Richtung stimmt, wir wissen, wo wir herkommen und wo wir hinwollen". In bisher fünf Spielen feierten die Neustädter drei Siege und holten zwei Unentschieden. "Go-Bi" ist da kein Schreckgespenst und die Chance auf den vierten Saisonsieg auch ohne Markus Tritschler, Tobias Gutscher und Josip Katava intakt.

FC Löffingen – Türkischer SV Konstanz (Sonntag, 15 Uhr). Daheim sein? Unbedingt! Die Löffinger Fußballer sind seit vielen Jahren stolz auf ihre Eigengewächse. Benjamin Gaudig, in Personalunion Vereinschef und Stürmer, stammt ebenso aus dem Städtle wie Johannes Kaufmann, Simon Weißenberger und Marco Schwirtz. Trainer Jörg Klausmann, der die Rothosen-Elf schon zum zweiten Mal in seiner Karriere betreut, würden sie am liebsten eingemeinden. "Netter Versuch", sagt der Übungsleiter und lacht, "liegt wohl daran, dass ich mich hier wohlfühle". Bei seinem ersten Engagement trainierte er den FCL drei Spielzeiten lang in der Bezirksliga, jetzt ist er in der zweiten Saison Landesliga-Chef. Fortsetzung: wahrscheinlich. Drei Siege in Folge liegen hinter den Löffingern, sowohl die Denkinger als auch die Furtwanger und jüngst Schonachs Teutonia-Kicker hat Klausmann mit taktischen Kniffen und ungewöhnlichen Systemumstellungen überrascht.

Experimente, die es gegen den Türkischen SV, für Klausmann "ein völlig unbekannter Gegner", nicht geben wird. "Die Jungs haben ihre Positionen gefunden, die gilt es zu festigen." Das gilt zumindest in der Vorwärtsbewegung. Rund um Torwart Raphael Albert, der in Schonach mit Bravour einen Strafstoß parierte, gibt es dagegen Fragezeichen. Florian Hofmann fehlt ebenso wie der den A-Junioren entwachsene Dennis Beha, der sich in Schonach verletzte. Klausmann muss die Innenverteidiger "eins zu eins ersetzen". Dass die Gästeelf auf einem Abstiegsplatz steht, ist für den Trainer kein Indiz: "Die können kicken. Die werden uns fordern."