Glosse

Darum sollten Sie im Homeoffice auf Jogginghosen und Adiletten verzichten

Bettina Schulte

Von Bettina Schulte

Sa, 09. Januar 2021 um 16:55 Uhr

Beruf & Karriere

Ist doch herrlich, wenn man im Homeoffice nicht im Anzug sitzen muss, sondern in einer Kleidung, die als "casual" bezeichnet wird. Jedoch: Der Mensch leistet im Homeoffice mehr in formeller Kleidung.

T-Shirt, Jogginghose, Adiletten: Lange Zeit galt diese Kombi als Dreigestirn einer haltlosen Existenz; vor allem, wenn der Mensch _– das heißt in diesem Fall definitiv: Mann –, öffentlich zur Schau stellte, dass er sich jenseits jedes Dresscodes bewegte. Solcher Aufzug war im buchstäblichen Sinne ein No-Go.

Nicht erst seit dem durch die Pandemie erzwungenen Rückzug vieler arbeitender Menschen aus dem in Büros organisierten Arbeitsleben hat die Jogginghose an Attraktivität gewonnen. Ist doch herrlich, wenn man im Homeoffice nicht mit Anzug und weißem Hemd sitzen muss, sondern in einer Kleidung, die in bestimmten Kreisen als "casual" – Freizeitlook – bezeichnet wird. Denn wer kann schon sehen, ob man die Zoom-Konferenz in einem Beinkleid (ja, so hieß das früher) absolviert, das vor allem eins ist: lässig. Kein Eingeschnürtsein, nirgendwo, kein Gürtelzwicken im zu engen Bund, keine Last mit verrutschten Bügelfalten. Man sollte meinen: So viel Körperfreiheit erhöht die Lust an der Arbeit, setzt Energien frei, die man bisher damit verbringen musste, sich mit seinem Outfit an das soziale Umfeld anzupassen.

Eine Studie, die Karin Weng, Chefredakteurin des Modemagazins "InStyle", in einem demnächst erscheinenden Interview zitiert, belegt offenbar das Gegenteil. Jogginghosen dämpfen die Arbeitsmoral. Wer zwischen Sofalümmelei und Bildschirm keinen Garderobenbreak macht, nimmt die Bequemlichkeit mental mit an seinen häuslichen Arbeitsplatz. Das Sein bestimmt das Bewusstsein, wusste schon Karl Marx.

Bezogen auf den Zusammenhang zwischen Jogginghose und Produktivität heißt das in den Worten von Karin Weng: Mein Outfit sagt mir, ob ich bei der Sache sein muss oder nicht. Doch die Expertin macht allen Jogginghosenfans auch Hoffnung: Das sogenannte "Updressing" kann Abhilfe im Homeoffice schaffen. Hemd und Sakko statt T-Shirt zur Jogginghose: Schon wird die Haltung zur Arbeit eine bessere. Aber wer macht denn so was?