Das Bauholz kommt aus dem eigenen Wald

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Fr, 25. September 2020

Freiamt

Franziska Haas und Mario Herr bauen in Freiamt – fast ausschließlich mit Weißtannenstämmen.

. Ein junges Paar aus Freiamt baut sein Haus fast komplett aus Weißtanne, und das – von der Technik einmal abgesehen – wie einst ihre Vorfahren. Das Forum Weißtanne lud jetzt zur Hausbesichtigung.

Zugegeben, vielleicht gibt es nicht mehr viele Gemeinden in Deutschland, bei denen es gelingt, nahezu die gesamte Wertschöpfung im Rahmen eines Hausbaus im Dorf zu halten. In Freiamt ist das noch möglich. "Von Anfang an war klar, dass wir nur mit viel Eigenleistung bauen können", erzählt Mario Herr. Da auch seine Partnerin Franziska Haas eine Vorliebe für traditionelle Schwarzwälder Holzhäuser hat, traf es sich gut, dass zum Hof ihrer Familie in Reichenbach auch ein gutes Stück Wald gehört. "Wir haben angefangen, uns mit der heimischen Weißtanne zu beschäftigen, und entdeckt, was für ein wertvolles Holz da wächst", sagt Herr. Die Entscheidung für ein Holzhaus war gefallen. Bis auf die Planung durch den Bauingenieur Thomas Schultis aus Simonswald blieb dann zwar nicht alles in der Familie, aber immerhin im Dorf.

An drei, vier Samstagen wurden die ausgewählten Bäume mit der Hilfe von Freunden gefällt – 140 Festmeter, mächtige Stämme, bis zu 150 Jahre alt. Der Schwiegervater zog die Bäume mit dem Bulldog aus dem Wald, der Freiämter (und nicht verwandte) Hans Haas zerlegte die Stämme mit seiner mobilen Säge. "Eigentlich sollte man die ja im Winter und bei abnehmenden Mond schlagen, wir konnten das notgedrungen aber nur im Sommer machen", sagt Herr. "Daher musste das Holz, immerhin 60 Kubikmeter, getrocknet werden." Das ist ein Nachteil der Weißtanne, die ansonsten als überragendes Konstruktionsholz gerühmt wird. Die Trocknung übernahm die Sägerei Bühler im Brettental. "Da der Schwiegervater gelernter Zimmermann ist, konnten wir die Wände auf dem Hof zusammenbauen", erzählt der 30-Jährige. Dort hätte Franziska Haas auch am liebsten gebaut. Dafür gab es jedoch keine Baugenehmigung. Also sicherte sich das Paar einen der wenigen Bauplätze in Ottoschwanden. Das Aufrichten ging schnell. "Wie Lego haben wir alles zusammengesetzt und es hat gepasst", sagt Herr, der gelernter CNC-Fräser ist. Richtig stolz seien sie gewesen. Da viele Bretter übrig blieben, wurden damit die Wände zusätzlich versteift. Für die Dämmung wählten die Bauleute Holzfaserplatten, die ein Freiämter Unternehmen noch verputzt, "denn wir wollen nicht streichen".

Auch im Innenbau dominiert die harzfreie Weißtanne, mit traditioneller Schwalbenschwanzbindung wurden die Deckenbalken eingefügt. "Im Grunde haben wir von der Schwelle bis zur letzten Dachlatte dieser Baumart die Treue gehalten", bilanzierte Herr. Geheizt werden die 200 Quadratmeter Wohnfläche (50 Quadratmeter sind davon einer Einliegerwohnung vorbehalten) mit einer Luft-Wärmepumpe und einem Kachelofen mit Wassertasche, insgesamt erreicht das Haus den KfW-Standard 55. Eine Photovoltaikanlage ist auch geplant.

Das Forum Weißtanne wurde 1996 als gemeinnütziger Verein gegründet, um die Vorteile der heimischen Baumart ins Bewusstsein zu bringen. Info: http://www.weisstanne.de