Das Ende des Zeitspiels

René Kübler und dpa

Von René Kübler & dpa

Sa, 14. März 2020

SC Freiburg

Nach einiger Verzögerung entscheidet sich die Deutsche Fußball-Liga für eine sofortige Bundesliga-Pause / SC noch nicht unterwegs.

FREIBURG. "Der höheren Gewalt hat man Folge zu leisten", hatte Christian Streich noch am Donnerstag gesagt. Und damit gewiss die Entscheidungen gemeint, die im Zusammenhang mit der Covid-19-Krise stehen. Womöglich hatte der Trainer des SC Freiburg da noch nicht geahnt, dass das mit der höheren Gewalt so eine Sache ist und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) eine eigene Interpretation des Folgeleistens bevorzugte. Zunächst jedenfalls wurde am Freitagvormittag entschieden, den 26. Spieltag der Fußball-Bundesliga noch stattfinden zu lassen – und damit auch das Spiel der Breisgauer bei RB Leipzig. Erst einige Stunden später folgte dann doch die sofortige Absage aller Partien.

Ursprünglich hätte sich die Mannschaft um 15.45 Uhr Richtung Flughafen Lahr aufmachen sollen, um dort den Charterflieger Richtung Leipzig zu nehmen. Als sich aber – wie zu erwarten – die Anzeichen in Richtung Absage verdichteten, wurde die Abfahrt hinausgezögert. Es war die richtige Entscheidung, wie sich nach 16 Uhr zeigen sollte.

Weil die Einsicht bei den DFL-Verantwortlichen spät kam, hatte sich zuvor bereits die Politik eingemischt. Nachdem die DFL-Führung noch entschieden hatte, die Saison erst von kommendem Dienstag an für zweieinhalb Wochen aussetzen zu wollen, sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer die für Montag geplante Partie zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen kurzerhand ab.

"Fußballer werden in dieser Situation behandelt

wie Affen im Zirkus."

Union-Torhüter Rafal Gikiewicz
Fast stündlich erhöhte sich danach der Druck auf die DFL, die als einzige Top-Liga in Europa auf Zeit spielen und den Spielbetrieb am Wochenende aufrecht erhalten wollte. Zunächst musste Zweitligist 1. FC Nürnberg seine gesamte Mannschaft wegen eines positiven Falles in Quarantäne schicken, später beantragten Fortuna Düsseldorf und der SC Paderborn wegen einiger Verdachtsfälle die Verlegung des für Freitagabend geplanten Bundesliga-Kellerduells.

Bei Paderborns Chefcoach Steffen Baumgart hatte sich ein Verdacht auf Sars-CoV-2 zwar nicht bestätigt, es standen aber noch Tests bei SCP-Profis aus. "Die Gesundheit und der Schutz müssen absoluten Vorrang vor aktuellen wirtschaftlichen Überlegungen haben", sagte Fortuna-Vorstandschef Thomas Röttgermann RP Online.

Während die Saison in Spanien, Italien, Frankreich und seit Freitag auch in England wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochen ist und die Uefa eine Aussetzung der Champions League und Europa League verfügte, ließ die DFL die gebotene Konsequenz zunächst vermissen und erntete dafür einige Kritik. "Das ist verrückt", twitterte Bayern-Profi Thiago mit Blick auf die geplante Austragung des Gastspiels des Tabellenführers beim 1. FC Union Berlin am Samstag. "Es gibt viel wichtigere Prioritäten als Sport."

Noch deutlicher wurde Union-Torwart Rafal Gikiewicz: "Fußballer werden in dieser Situation behandelt wie Affen im Zirkus." Auch Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner forderte ein Umdenken. "Wenn man sagt: Wir ziehen diesen Spieltag durch, dann muss man sich halt vorher überlegen: Was passiert, wenn sich ein Trainer oder ein Spieler infiziert? Deshalb wäre es auch im Sinne der Zivilcourage am konsequentesten gewesen, den gesamten Spieltag abzusagen."

Die geforderte Kehrtwende war am Ende unausweichlich. "Wir haben uns am Nachmittag dazu entschieden, alle Spiele abzusagen, weil weitere Verdachtsfälle aus der 1. und 2. Bundesliga dazu gekommen sind", begründete Alexander Wehrle, DFL-Präsidiumsmitglied, die Entscheidung. "Es ist nicht auszuschließen, dass morgen oder am Sonntag weitere hinzukommen. Die Gesundheit aller hat oberste Priorität", sagte er dem TV-Sender RTL/ntv.

Wie es nun weitergeht, wird sich zeigen. Die DFL äußerte sich auf ihrer Homepage wie folgt: "Unverändert soll in der Länderspiel-Pause zwischen allen Clubs unter Berücksichtigung der dann vorliegenden Erkenntnisse, zum Beispiel auch hinsichtlich des internationalen Spielkalenders, über das weitere Vorgehen befunden werden. Ziel ist es weiterhin, die Saison bis zum Sommer zu Ende zu spielen – aus sportlichen Gesichtspunkten, aber insbesondere auch, weil eine vorzeitige Beendigung der Saison für einige Clubs existenzbedrohende Konsequenzen haben könnte."

Stand gestern Abend sollten die SC-Profis an diesem Samstag trainieren – nicht öffentlich. Der Trainingsbetrieb an der Freiburger Fußballschule wurde bis auf Weiteres eingestellt.