Mensagarten

Das Filmfestival Cinelatino findet in Freiburg erstmalig draußen statt

Gina Kutkat

Von Gina Kutkat

Do, 30. Juli 2020 um 15:01 Uhr

Kino (fudder)

Im April musste es coronabedingt ausfallen, jetzt wird es im Mensagarten nachgeholt: Das Cinelatino-Filmfest wird ab Montag zum Freiluftkino. Gezeigt werden preisgekrönte Filme aus Lateinamerika von meist jungen Filmemachern.

Stühle und Decken statt Kinosessel, freier Himmel statt gedimmtes Licht: Die 27. Ausgabe des Cinelatino-Festivals findet coronabedingt zum ersten Mal nicht im Kommunalen Kino, sondern im Mensagarten statt. Am Montag startet die lateinamerikanische Filmreihe, die von Tübingen aus kuratiert wird, mit einem reduzierten Programm, da das eigentliche Festival im April ausfiel. Jetzt gibt’s statt 16 nur 6 Filme, aber die Reduktion kann der Qualität nichts anhaben: Tolle Dokus und spannende Thriller, zwei Konzerte und der Besuch eines Filmemachers stehen an.

1975 in Argentinien

Schon mal darüber nachgedacht, wie das eigene Leben verlaufen wäre, wenn man an einem bestimmten Wendepunkt anders entschieden hätte? Wäre es aufregender, besser, schlechter, oder einfach nur anders gewesen? Claudio Mora, die Hauptfigur in "Rojo – Wenn alle schweigen ist keiner unschuldig" (Mo, 3. August, 21 Uhr), muss sich diese Frage auch stellen. Allein: Bei ihm geht es um komplett falsche Entscheidungen, die sein beschauliches Leben in der argentinischen Provinz komplett durcheinanderwirbeln.
Infos zum Open-Air-Kino

Die Veranstalter haben ein striktes Konzept erarbeitet, mit dem die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können. Es können Einzel, und Doppelplätze und Deckenplätze (maximal 5 Personen) erworben werden. Markierungen auf der Wiese zeigen, wie der Abstand gehalten werden muss. Mundschutz muss am Eingang und auf dem Weg zur Toilette getragen werden. Nur bei starken Unwettern wird ein Kinoabend abgesagt, das wird dann etwa zwei Stunden vor Filmbeginn auf der Website bekannt gegeben.

Weitere Infos: koki-freiburg.de

Der Eröffnungsfilm der 27. Ausgabe des Festivals Cinelatino spielt im Jahr 1975 in Argentinien. Und zieht die Zuschauer schon in den ersten fünf Filmminuten in den Bann. Das liegt am Setting – Gelb- und Brauntöne, gebügelte Tischdecken, akkurate Schnurris und bunte Krawatten – und dem Schlagabtausch zwischen dem erfolgreichen Rechtsanwalt Claudio Mora und einem fremden Mann im Restaurant. Man merkt, hier brodelt etwas unter der Oberfläche und es könnte gefährlich werden. Aber für wen?



Der argentinische Filmemacher Benjamín Naishtat fängt die lähmende Stimmung in seinem Land kurz vorm Militärputsch im Jahr 1976 wunderbar ein, obwohl er selbst erst zehn Jahre später auf die Welt kam. Naishtat spielt mit Film-Noir- und Western-Elementen und ist ein Meister des Subtilen: In den 109 Minuten Film zeigt er kleine, scheinbar unwichtige Dinge des Alltags aber auch starke Bilder, vor allem die der ausdrucksstarken Gesichter seiner Hauptdarsteller Dario Grandinetti und Alfredo Cas. So wird "Rojo" zu einem Thriller inklusive Katz-und-Maus-Spiel, bei dem am Ende nicht klar ist, wer schuldig und wer unschuldig ist.

Das (noch) einfache Leben im Dschungel

Die Schuldfrage stellt der Dokumentarfilm "Perro" (Mi, 5. August, 21 Uhr) nicht, aber er begleitet einen Jungen, der sich auf eine unbekannte Reise begeben muss, weil seine Heimat im nicaraguanischen Dschungel bedroht ist. Der neunjährige Perro führt mit seiner Großmutter ein einfaches, abgeschiedenes Leben: Er streift durch den Dschungel, sammelt Kokosnüsse von den Palmen oder spielt mit seinen Freunden. Als die Regierung beschließt, einen 300 Kilometer langen Kanal zu bauen, droht Perros Gemeinde die Zwangsumsiedlung. Er macht sich auf den Weg in die Stadt, um bei seiner Tante zu leben. Die Berliner Regisseurin Lin Sternal nimmt die Rolle einer Beobachterin ein und folgt dem Jungen, der nicht viel spricht und doch soviel sagt.

Mit großen, schüchternen Augen beobachtet Perro eine Straßenfeier zur Unabhängigkeit von Zentralamerika – das ist schon fast der lauteste Moment im ganzen Film. Über fünf Jahre lang reiste die 33-jährige Filmemacherin, die nebenbei als Kellnerin jobbte, nach Nicaragua, um die Szenen einzufangen. Auf der Berlinale 2020 gehörte "Perro" zu den Favoriten.

Am Freitag läuft ein weiterer spannender Dokumentarfilm, dieses Mal aus Ecuador, beziehungsweise von den Galapogos-Inseln: Bei "Galapágos– das verlorene Paradies" ist auch der Regisseur anwesend. Was noch gezeigt wird? "Los Dias de la Ballena – die Tage des Wals" (Di, 4. August, 21 Uhr), "Los Lobos – Die Wölfe" (Do, 6. August, 21 Uhr) und "La Cordillera de los suenos – Die Gebirgskette der Träume" (Sa, 8. August, 21 Uhr). Außerdem gibt es am ersten und letzten Abend Konzerte.
Cinelatino, Montag, 3. August bis Samstag, 8. August 2020, ab 21 Uhr, Freiluftkino Mensagarten, Rempartstraße 18, Tickets online unter www.koki-freiburg.de

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