Kommentar

Das Gewerbepark-Aus in Fessenheim ist ein Rückschritt ins Atom-Zeitalter

Max Schuler

Von Max Schuler

Do, 22. September 2022 um 21:09 Uhr

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Ein innovativer Gewerbepark entsteht im Elsass wohl nicht – aber eine Recycling-Anlage für Atomschrott. Das ist nicht die Zukunft, die man sich nach dem Ende des AKW Fessenheim vorgestellt hatte.

Ein grenzüberschreitender, deutsch-französischer Gewerbepark für Firmen, die innovative Technologien voranbringen, ist in weite Ferne gerückt – und droht ganz zu scheitern. Denn die Franzosen wollen bei Fessenheim im Elsass eine Recycling-Anlage für Schrott von Atomkraftwerken bauen. Ob sich daneben Firmen mit nachhaltiger Ausrichtung ansiedeln, darf bezweifelt werden. An Südbadens Grenzen würden somit erneut Hinterlassenschaften des Atomzeitalters abgeladen.


Mit der Abschaltung des Atomkraftwerkes in Fessenheim hoffte die Region rund um Freiburg ein neues, nichtnukleares Zeitalter einläuten zu können. Die Erleichterung und die Motivation, etwas mit den Franzosen auf die Beine zu stellen, waren riesig. Doch die Hoffnung, die in Fessenheim verloren gegangenen Arbeitsplätze in einem neuen grenzüberschreitenden Gewerbepark wieder anzusiedeln, scheinen nicht in Erfüllung zu gehen. Der Zweckverband Novarhéna, der das Projekt unweit von Fessenheim voranbringen sollte, wird aller Voraussicht nach im Oktober aufgelöst.

Von den ursprünglich vorgesehenen 200 Hektar Gewerbefläche blieb nach verschiedenen Prüfungen nur noch knapp ein Viertel übrig. Zu wenig für ein Leuchtturmprojekt, das die Produktion von grünem Wasserstoff und Batterie-Recycling in die Region holen wollte. Zwar ist von vielen Beteiligten zu hören, dass es weitergehen soll. Doch eine vergleichbare Fläche ist bisher nicht in Sicht. Und auch der Nutzen der geplanten millionenteuren Wiederaufnahme der Bahnlinie Freiburg-Colmar darf ohne gemeinsamen Gewerbepark in Frage gestellt werden.

Was die Franzosen allerdings vorantreiben, sind die Planungen für ein "Technocentre", in dem schwach radioaktiv strahlende Bauteile von Atomkraftwerken recycelt werden sollen. Solche Anlagen dürften in den kommenden Jahrzehnten viel zu tun bekommen, angesichts von Frankreichs in die Jahre gekommenen und teils maroden Atomkraftanlagen – zumal Staatspräsident Emmanuel Macron weiterhin auf die Atomkraft setzen will. Wenigstens ist das Risiko, das von einer Recyclinganlage ausgeht, um ein Vielfaches geringer, als der Betrieb eines Atomkraftwerkes in einer Erdbebenzone.

Mit dem schweizerischen Atommüll-Endlager am Hochrhein und der französischen Recycling-Anlage für Atomschrott im Elsass wird an Südbadens Grenzen der Müll einer Technik entsorgt, der tausende Generationen belasten wird. Auch wenn Atomkraft in Kriegszeiten etwas Energiesicherheit liefern kann, gehört sie schnell abgeschafft. Jeder Brennstab, der in Betrieb bleibt, vergrößert den Müll, mit dem sich jetzt auch die Region auseinandersetzen muss. Gerade hat der Klimabürgerrat der Region Freiburg betont, dass sich viele Menschen den verstärkten Ausbau der Windkraft und Solarenergie wünschen. Darin liegt die Zukunft.
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