Kommunikation und Verständigung

Das große Glück, mit mehreren Sprachen aufzuwachsen

Elisa Friebel, Klasse 8b, Kolleg St. Sebastian

Von Elisa Friebel, Klasse 8b, Kolleg St. Sebastian (Stegen)

Mi, 04. Mai 2022 um 14:45 Uhr

Schülertexte

Immer wieder kommen Kinder zu uns nach Deutschland, die Deutsch erst lernen müssen. Viele Kinder wachsen aber schon zweisprachig auf, weil ihre Eltern sie so erziehen. Davon profitieren sie meist, können aber auch auf Schwierigkeiten stoßen.

"Ich bin dreisprachig aufgewachsen", sagt Olli D.. Seine Mutter spricht mit ihm Englisch und sein Vater Französisch, aber gleichzeitig hat er einen ganz normalen Alltag in Deutschland. Olli, 9 Jahre alt, geht auf einer deutsch-französischen Schule in die vierte Klasse, war in einem deutsch-französischen Kindergarten und einer Krabbelgruppe. "Meine Eltern sprachen mit mir jeweils in ihrer Muttersprache, daher habe ich erstmal kein Deutsch gelernt."

Im Kindergarten aber wurde er mit den ersten Schwierigkeiten konfrontiert. Er musste eine dritte Sprache im Gegensatz zu den meisten anderen Kindern neu lernen. Und: "Immer, wenn ich mit meiner Mutter auf Englisch gesprochen habe, verstanden mich meine französischen Freunde nicht." Aber allgemein sieht er mehr Vorteile im mehrsprachigen Aufwachsen wie zum Beispiel, dass er immer alle verstehen kann, die eine von seinen drei Sprachen sprechen. Oder auch, dass es ihm nicht so schwerfällt, andere Sprachen zu erlernen, so wie Spanisch. Außerdem kann er in allen drei Sprachen Filme gucken.

Auf die Frage, in welcher Sprache er denn träumt, antwortet er, dass es ganz davon abhänge, welche Menschen in dem Traum vorkämen. Träumt er von seinen Schulkameraden, dann träumt er auf Französisch, handelt der Traum von seiner Mutter, dann sprechen sie im Traum Englisch. Er sagt von sich, er hätte keine Lieblingssprache.

Olli ist einer von vielen Deutschen, die mehrsprachig aufgewachsen sind, also in der Kindheit zwei Muttersprachen gelernt haben. In der deutschen Bevölkerung haben mehr als ein Viertel der Menschen einen Migrationshintergrund, daher verwundert es einen nicht, wenn viele Kinder neben Deutsch noch eine weitere Sprache sprechen.

Aber wie kann es sein, dass Kinder es so viel einfacher haben, eine neue Sprache zu lernen als Erwachsene? Das liegt daran, dass das kindliche Gehirn veränderbarer ist als das von Erwachsenen. Sie lernen Sprachen viel schneller, weil sich die Verbindungen zwischen den Neuronen schneller bilden als im höheren Alter. In der Wissenschaft bezeichnet man das, von einer Sprache umgeben zu sein, als Immersion. Das bilinguale Aufwachsen kann viele Vorteile mit sich bringen, zum Beispiel schulischen Erfolg und eine bessere berufliche Leistung. Untersuchungen deuten auf bessere kognitive Fähigkeiten, also bessere Konzentrationsfähigkeiten sowie eine höhere Flexibilität hin. In einer Studie der kanadischen Psychologin Ellen Bialystok heißt es, dass Bilinguale durchschnittlich vier Jahre später an Demenz erkranken als Einsprachige.

Trotz dieser Ergebnisse kann man sich nicht vollkommen sicher sein, ob diese Vorteile für bilingual Aufwachsende tatsächlich bestehen. Dennoch wirkt sich das mehrsprachige Aufwachsen sicherlich nicht negativ auf die Intelligenz des Kindes aus.

Olli ist auch der Überzeugung, dass es sehr positiv ist, mehrere Sprachen in jungem Alter zu erlernen. Er möchte seine Kinder eines Tages auf jeden Fall auch mehrsprachig erziehen.