Edith-Stein-Haus

Das neue Seniorenzentrum in Neuenburg ist fertig, bezogen wird es aber erstmal noch nicht

Susanne Ehmann

Von Susanne Ehmann

Mo, 01. August 2022 um 18:34 Uhr

Neuenburg

Das neue Seniorenzentrum an der Mülhauser Straße in Neuenburg wurde mit einem Festakt offiziell eingeweiht. Der Einzugstermin hat sich verschoben, Grund sind Pflegesatzverhandlungen.

Die Freude der Verantwortlichen über die Einweihung ist groß. Es gibt Grußworte, Ständchen, eine Segnung und eine symbolische Schlüsselübergabe an den Bauherrn, den Caritasverband. Das neue Seniorenzentrum, benannt nach der Heiligen und Patronin Europas Edith Stein, liegt direkt am Landesgartenschau-Gelände, wo momentan die Gäste flanieren. Durch die geöffneten Fenster ist während des Festakts das Rauschen der nahen A5 zu hören. Getrübt wird die Freude nur durch den Einzug, denn der ist verschoben.

Eigentlich war er am 15. August geplant. An diesem Tag sollten die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenzentrums St. Georg in der Neuenburger Innenstadt ins neue Haus übersiedeln. Grundsätzlich sei das auch möglich gewesen. Das meiste sei fertig, sagt Jochen Kandziorra, Vorstandsvorsitzender beim Caritasverband nach dem Fest in einer nagelneuen Sitzgruppe im Gespräch mit der BZ. "Wir sind ,ready to start’."

Bestehende Verträge sind nicht übertragbar

Im November 2020 hatten die Bauarbeiten begonnen, und trotz der parallel laufenden Infrastrukturarbeiten für die Landesgartenschau ("Eine heiße Nummer") und weil alle Beteiligten Gas gegeben hätten, habe es keine Verzögerungen gegeben. Und nun das. Der Umzug ist auf den 1. Oktober verschoben – erstmal. Der Grund: Die Pflegesatzverhandlungen mit den Kostenträgern im Juli konnten nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Und ohne vertragliche Vereinbarungen könne man das Haus nicht in Betrieb nehmen, weil es so laut Kandziorra keinen Vergütungsanspruch auf erbrachte Leistungen gebe. Bestehende Verträge mit dem St. Georg seien nicht übertragbar. "Das tut uns sehr leid", sagt er. Per Rundbrief hatte er die künftigen Bewohner und ihre Angehörigen über die geänderte Lage informiert. Das Problem sind laut dem Vorstandsvorsitzenden die infolge des Ukrainekriegs immens gestiegenen Energiekosten, die sich auf den Pflegesatz auswirken. Das betreffe Träger sozialer Einrichtungen bundesweit.

Die Höhe der Energiekosten sei lange unklar gewesen, sagte nun Kandziorra, erst kurz vor den Verhandlungen habe der Energiedienstleister ein Angebot gemacht; die deutlichen Mehrkosten müssten nun erst einmal in den verschiedenen Gremien besprochen werden. Das Edith-Stein-Haus wird mit Flüssiggas beheizt, die Anlage lasse sich aber flexibel umrüsten. Auf eine Photovoltaikanlage wurde aus Sicherheitsgründen verzichtet, weil diese die Brandlast im Gebäude deutlich erhöhen würde. Ende August ist der nächste Verhandlungstermin. Kandziorra hofft dann auf eine Einigung. Wenn nicht müsse die Schlichtungsstelle Klarheit schaffen.

Dass Pflege im Heim teurer wird – auch die selbst zu zahlenden Kosten –, meldete Ende Juli schon die Deutsche-Presseagentur. Die Pflegeversicherung trägt nur einen Teil der Kosten, und der Eigenanteil ist gestiegen. Hintergrund seien laut dem Verband der Ersatzkassen höhere Löhne, Lebenshaltungs- und Energiekosten. Es brauche dringend eine politische Lösung.
Edith-Stein-Haus

Das neue "Edith-Stein-Haus Caritas-Seniorenzentrum Neuenburg" verfügt über 75 stationäre Dauerpflegeplätze in fünf Wohngemeinschaften, eine Wohngemeinschaft mit 15 Kurzzeitpflegeplätzen, zwei Seniorenwohnungen, eine Mitarbeiterwohngemeinschaft und Räume für den Schwesternkonvent. Das Investitionsvolumen mit Einrichtung beträgt rund 13,3 Millionen Euro. Investor und Betreiber ist der Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald. Erforderlich sei der Neubau aufgrund der baulichen Struktur des Seniorenzentrums St. Georg geworden, schreibt der Caritasverband in einer Presseinformation. St. Georg wurde 1997 an der Tennenbacherstraße in Neuenburg mit 71 Pflegeplätzen – davon 32 in Doppelzimmern – in Betrieb genommen. Die hohe Anzahl an Doppelzimmern genügt den Anforderungen der geltenden Landesheimbauverordnung nicht mehr. Und ein Umbau im Bestand sei nicht möglich gewesen, steht in der Mitteilung. St. Georg soll nach Sanierung und kleineren Umbauten mit dann 45 Pflegeplätzen und einer Tagespflege für 25 Gäste den Betrieb wieder aufnehmen. Spätestens Anfang 2024.