Nahverkehr

Das Schnellbus-Netz im Landkreis Lörrach wächst

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Do, 13. Februar 2020 um 18:03 Uhr

Lörrach

Der Landkreis arbeitet an einem aktualisierten Nahverkehrsplan. Dieser sieht eine weitere Regiobuslinie und und zusätzliche Busfahrten im Landkreis vor. Eine Übersicht.

Das Schnellbus-Netz im Landkreis Lörrach wächst: Zum "Sausenberger", der seit 2018 zwischen Lörrach und Kandern verkehrt, soll zum Fahrplanwechsel im Dezember nicht nur ein Regiobus Lörrach-Euroairport, sondern auch eine Schnellverbindung zwischen Schopfheim und Rheinfelden dazukommen. So sieht es der aktualisierte Nahverkehrsplan (NVP) vor, den der Umweltausschuss dem Kreistag einstimmig zum Beschluss empfiehlt. Zusätzliche Fahrten sind auch im Wiesental geplant.

Der NVP muss regelmäßig überarbeitet werden. Die Fortschreibung 2020 basiert auf der Fassung von 2016. Sie beschränkt sich auf qualitative Standards und Regelungen zur Barrierefreiheit, die Weiterentwicklung von Maßnahmen und Prüfaufträgen sowie die Anpassung von Linienbündel und Bedienungshäufigkeit. Zu Beginn der Überarbeitung wurden alle Städte und Gemeinden angehört, berichtete Philipp Günther, Nahverkehrsplaner im Landratsamt, im Ausschuss. Zusätzlich gab es ein Fachforum sowie erstmals einen Workshop mit Zufallsbürgern.

Barrierefreiheit

Die Teilfortschreibung konkretisiert die gesetzlichen Vorgaben zur Barrierefreiheit: Spätestens zum 1. Januar 2022 müssen alle Busse niederflurig sein. Im Linienverkehr eingesetzte Fahrzeuge sollen bis dahin mit Monitoren zur dynamischen Fahrzielanzeige sowie automatischer akustischer Haltestellenansage oder Bordmikrofon ausgerüstet sein.

Ursprünglich sollte schon zur Fortschreibung 2020 ein Kataster erstellt sein, das alle Haltestellen im Kreis kategorisiert und den Grad der Barrierefreiheit festhält, um dem gesetzlichen Erfordernis möglichst zu entsprechen, aber auch Ausnahmeregelungen zu erarbeiten. Die Arbeit ist aber aufwendiger als zunächst gedacht. Nun soll das Kataster bis Ende 2021 vorliegen.

Busverbindungen
  • Schopfheim-Rheinfelden: Sofern das Land den Förderantrag bewilligt und der Kreistag im März zustimmt, wird die Linie 7309 zur Regiobuslinie ausgebaut. Zwischen Schopfheim, Wiechs, Nordschwaben, Karsau und Rheinfelden entsteht so eine Schnellbusverbindung mit kurzen Umsteigezeiten zur Regio-S-Bahnlinie S 6 in Schopfheim, ohne die Funktion im Schülerverkehr aufzugeben. Wie die Linie 54, der "Sausenberger" zwischen Lörrach und Kandern, würde diese täglich von 5 bis 24 Uhr im Stundentakt zwischen den beiden Mittelzentren verkehren.
  • Linie 7300: Die Verbindung Zell-Todtnau wird von Montag bis Donnerstag um 22.30 Uhr mit einem Fahrtenpaar ergänzt; bisher fährt dieser Abbringer von der S-Bahn nur Freitag bis Sonntag. Auf der Verbindung zwischen Schopfheim und Todtnau – und nicht nur bis Zell, wie als Variante auch vorgestellt wurde – soll nach dem Willen des Ausschusses zum Dezember täglich eine zusätzliche Fahrt um 23.33 Uhr ab Schopfheim eingeführt werden. Diese schließt eine Taktlücke der S 6, die aus technischen Gründen derzeit zwischen 23 und 24 Uhr nicht über Schopfheim hinaus verkehren kann.
  • Linie 7313: Um die Bedienstandards auf der Verbindung Schopfheim-Schwörstadt morgens und abends zu verbessern, werden um 6.30 und 19 Uhr zwei neue Fahrtenpaare eingerichtet.
Mit all diesen neuen Angeboten steigert der Landkreis als Aufgabenträger sein finanzielles Engagement um ein Drittel auf 1,9 Millionen Euro pro Jahr.

Prüfaufträge

Der Verwaltung soll der Kreistag bei seiner Sitzung im März eine Reihe von Prüfaufträgen erteilen. Untersucht und eingerichtet werden soll etwa eine neue Ringlinie im vorderen Kandertal. Auf Basis der Verkehrsstudie Kandertal sind die Linien im Markgräflerland und Kandertal neu zu konzipieren. Untersucht werden soll, inwieweit die Seitentäler des Wiesentals mit Anruf-Sammeltaxis erschlossen werden können. Angedacht ist, die Linie 7215 Freiburg-Todtnau nach Zell zu verlängern. Geprüft wird überdies, wie Inzlingen besser an Riehen oder Grenzach-Wyhlen angebunden werden kann.

Bewertung im Ausschuss

Paul Renz (CDU) sieht in den Maßnahmen deutliche Verbesserungen; der weitere Regiobus schaffe ein optimales Angebot, das nur noch angenommen werden müsse. Jeden Winkel im Landkreis werde der ÖPNV nie erreichen können; umso wichtiger wären mehr Park & Ride-Angebote zum Umsteigen. Ulrich May (Freie Wähler) erinnerte daran, dass Verkehr und Mobilität in der Kreisstrategie seit Jahren Platz eins belegen; er nannte die Ergebnisse vorzeigbar: mit Augenmaß, Fingerspitzengefühl und finanziell machbar. Der Schnellbus Schopfheim-Rheinfelden komme einem Quantensprung gleich nach dem Vorbild des "Erfolgprojektes Sausenberger". Die Prüfaufträge ließen sich aber nur Schritt für Schritt umsetzen. Beim Herstellen von barrierefreien Haltestellen dürfe kein Missverhältnis zwischen öffentlichem Nutzen und wirtschaftlichem Aufwand entstehen.

Peter Schalajda (Grüne) wies darauf hin, dass für kleine Orte in Randlagen noch keine bezahlbare Lösung gefunden sei, die befriedigt. Klaus Eberhardt (SPD) konstatierte eine "sorgfältige Weiterentwicklung". Er appellierte, die wirtschaftliche Grenze zwischen Linienverkehr und flexiblen Verkehrsarten im Auge zu behalten. Wie wie viel Barrierefreiheit kostet, könne man bei der Elektrifizierung der Hochrheinstrecke sehen. Im Spannungsfeld zwischen Wunsch und Finanzierung wurde in Kevin Brändlins (FDP)Augen ein fair ausgehalter Kompromiss erzielt.
Der Nahverkehrsplan

Der Landkreis Lörrach ist als Aufgabenträger dafür verantwortlich, sicherzustellen, dass die Bevölkerung im Kreisgebiet ausreichend mit ÖPNV-Leistungen bedient wird– mit Ausnahme des Schienenverkehrs, für den das Land zuständig ist. Im Nahverkehrsplan legt der Kreis Anforderungen an Umfang und Qualität des Verkehrsangebotes fest. Dieser Plan, der mindestens alle fünf Jahre zu aktualisieren ist, gibt den Rahmen vor, der inhaltlich von den Verkehrsunternehmen zu füllen ist, die letztlich Fahrpläne erstellen und die Anforderungen an die Bedienung umsetzen.