Beliebtes Ausflugsziel

Das Wildgehege ist im Gleichgewicht

Vanessa Dai

Von Vanessa Dai

Mi, 22. Mai 2019 um 09:35 Uhr

Bad Säckingen

Das Wild am Bergsee bei Bad Säckingen genießt eine intensive Betreuung. Achtlos weggeworfener Müll macht dem Forst aber Probleme und Arbeit.

Das Bad Säckinger Wildgehege ist das ganze Jahr über ein vielbesuchtes Ausflugsziel. Im Frühling, wenn die ersten Blüten blühen und das Wild im Gehege seinen Nachwuchs präsentiert, zieht es besonders viele Besucher in das Waldstück am Rande der Trompeterstadt. Bereits vor mehr als vierzig Jahren wurde das ungefähr zehn Hektar große Wildgehege unterhalb des Bergsees eröffnet.

Wenn der Frühling an die Tür klopft, ist ein Spaziergang im Grünen ein perfekter Ausgleich, um dem oftmals stressigen Alltag zu entfliehen. Zusammen mit fröhlich grunzenden Wildschweinen, sowie Dam-, Sika- und Rotwild, kann man seinen Spaziergang im Bad Säckinger Wildgehege zu einem ganz besonderen machen.

Die Tiere im Wildgehege genießen eine artgerechte Haltung. "Deshalb haben wir in den Gehegen selbst nicht so viel zu tun", erklärt der Stadtförster Gabriel Hieke. Drei Mal die Woche werden die Futtertröge gefüllt. Am Wochenende kommen ein bis zwei Einsätze dazu. Neben diesen Arbeiten werden während des Jahres auch Instandhaltungsarbeiten geleistet und vermehrt um das Gehege herum aufgeräumt. Diese Arbeiten teilt sich der Förster mit fünf Mitarbeitern und zwei Auszubildenden.

Abgesehen von ein paar Ausnahmen gebe es mit den Besuchern des Wildgeheges keine Probleme, erklärt Hieke. Nichtsdestotrotz erzeugen genau diese Ausnahmen zusätzliche Arbeit. Illegale Müllentsorgung sei keine Seltenheit. "Allein für die Aufräumarbeiten rund um das Gehege haben wir im vergangenen Jahr mehr als zweihundert Arbeitsstunden einsetzen müssen." Dem Förster ist es wichtig, die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen. "Denn diese Arbeiten stellen einen unnötigen Posten dar und gehen auch richtig ins Geld."

Den Bewohnern des Wildgeheges bereiten uneinsichtige Waldspaziergänger mit freilaufenden Hunden einige Schwierigkeiten. Im Wildgehege habe der Förster schon öfter Frischlinge gefunden, die von einem Hund gebissen wurden. Diese seien den Verletzungen auch schon erlegen, so der Förster. Natürlich gehe es ihm aber auch um das Wohl der Hunde. Nicht nur die mehrere zentnerschweren Keiler sollten mit Vorsicht genossen werden. Eine Bache mit Frischlingen beschützt ihren Nachwuchs mit aller Kraft.

Über entlaufene Frischlinge brauche man sich aber keine Sorgen machen. "Die finden gerne mal eine kleine Lücke zum ausbüxen", erklärt der Förster. Den Weg zurück ins Gehege fänden diese, aufgrund ihres hervorragenden Geruchs- und Gehörsinnes, ohne Probleme wieder.

In zwei Fällen bleibe der Gang zum Gewehr nicht aus.

Vorschriften begrenzen die Zahl der Tiere im Gehege

Zum einen müsse der Bestand im Gleichgewicht gehalten werden. "Wir haben Vorschriften, was die Anzahl der Tiere in unseren Gehegen angeht", erläutert der Stadtförster. "Das macht keinen Spaß." Laut Hieke baue man schnell einen Bezug zu den Tieren auf. Des Weiteren können Machtkämpfe zwischen den männlichen Tieren im Rudel aufkommen. Wie in der freien Natur gilt hier, der Stärkere gewinnt. Um nicht nur den Besuchern die meist tödlich ausgehenden Machtkämpfe zu ersparen, sondern auch den Tieren, müsse der Förster die männlichen Tiere schießen. "Das Fleisch wird dann verarbeitet und verkauft", so Hieke. Derzeit bekommen Besucher neben den erwachsenen auch vermehrt heranwachsende Wildschweine zu Gesicht. Diese werden auch Überläufer genannt. Laut Gabriel Hieke bekomme das Schwarzwild, auch wegen des guten Nahrungsangebotes, nicht mehr nur im Frühling Junge. Zur Geburt ziehe sich die Bache zurück. Laut dem Förster haben die Tiere im Gehege selbst mehrere Rückzugsmöglichkeiten. Erst nach ungefähr drei Monaten kommen die Frischlinge aus ihrem geschützten Unterschlupf, dem Kessel, heraus um die Umgebung zu erkunden. Neue Frischlinge habe der Förster bisher noch keine herumlaufen sehen.

Im Frühsommer dürfen Besucher des Wildgeheges auf Nachwuchs des Dam- und Rotwildes hoffen. Die Brunft finde rund um den Oktober herum statt, sodass man Ende Mai die ersten Kälber entdecken könne. Prognosen können noch keine gemacht werden. Auch für den Förster sei es jedes Mal eine Überraschung: "Wir wissen auch erst, wie viele Jungen geboren wurden, wenn der Nachwuchs im Gehege herumläuft."