Impfung

Dass ein Impfstoff als alleiniger Heilsbringer postuliert wird, macht mir Sorgen

Andreas Becking, Arzt

Von Andreas Becking, Arzt (Stegen)

Sa, 09. Mai 2020

Leserbriefe

Zu: "Cochrane: Masernimpfung wirksam und sicher", Beitrag von Katharina Meyer (Magazin, 25. April)
Passend zur scheinbaren Alternativlosigkeit des Impfens, um dem Problem Corona und anderen Krankheiten beizukommen, ist auch im BZ-Magazin ein entsprechender Artikel erschienen. Zum wiederholten Mal wird hier betont, wie wichtig und sicher Impfungen sind.

Ich will die grundsätzliche Bedeutung von Impfungen keinesfalls herabsetzen, allerdings daran erinnern, dass Impfungen immer eine Beeinflussung eines hochkomplex vernetzten immunologischen Netzwerkes bedeuten und durchaus auch Nebenwirkungen haben können. In meinem ärztlichen Alltag habe ich es mit Menschen zu tun, die an sogenannten sekundären Immunproblemen wie zum Beispiel Allergien, Autoimmunkrankheiten und anderen chronisch entzündlichen Problemen leiden. Wenn ich dann deren teils dicht beschriebene Impfausweise betrachte und oft von häufigen Antibiotikagaben höre, werde ich immer wieder sehr nachdenklich. Und streng wissenschaftlich konnte mir bisher niemand beweisen, dass hier kein Zusammenhang bestehen könnte.

Ausgehend von der Mitte des 19. Jahrhunderts mit so bedeutenden Protagonisten wie Robert Koch in Deutschland und Louis Pasteur in Frankreich, verfolgen die unser Gesundheitssystem beherrschenden Strukturen das Ziel der Ausrottung und, wo nicht möglich, zumindest Abschwächung einzelner Krankheiten. Den unbestreitbaren Erfolgen dieser Strategie steht eine Zunahme der oben genannten Krankheitsbilder gegenüber.

Komplementärmedizinische Ansätze versuchen seit langem, weniger gegen Krankheit im Einzelnen als vielmehr für die Erhaltung von Gesundheit zu arbeiten. Gerade am Beispiel der aktuellen Pandemie wird uns vor Augen geführt, dass ein Virus nie alleine die Ursache schwerwiegender Krankheitsverläufe ist. Aus wissenschaftlicher Sicht sollte daher an der Aufklärung dieser Zusammenhänge gearbeitet werden, was mit großer Wahrscheinlichkeit auf Dauer zu einer relativ friedlichen Koexistenz zwischen Virus und Mensch als Wirt führen könnte.

Wenn nun unter Umgehung bisher aus guten Gründen geltender wissenschaftlicher Regeln ein noch zu entwickelnder Impfstoff als alleiniger Heilsbringer postuliert wird, macht mir das Sorgen. Ich wünsche mir dringend einen vorurteilsfreien Diskurs. Andreas Becking, Arzt, Stegen