"Dass es so ausgeht, hat sich angedeutet"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

So, 02. Februar 2020

Biathlon

Der Sonntag Biathlet Roman Rees verarbeitet seine Nichtnominierung für die Weltmeisterschaft / Janina Hettich vom SC Schönwald im Aufgebot.

Eine Mail kommt an. Nüchtern gehalten, ein paar Namen stehen drin. Dass Benedikt Doll (SZ Breitnau) für die Biathlon-Weltmeisterschaft vom 13. bis 23. Februar in Antholz (Italien) nominiert ist, überrascht nicht: Der 29-Jährige ist in seinen Leistungen am Schießstand so stabil wie nie zuvor und als Weltcupsiebter bester Deutscher.

In der Mail versteckt sich aber auch Enttäuschung. Roman Rees (SV Schauinsland) befindet sich nicht in der Auflistung des Deutschen Ski-Verbands (DSV), im vergangenen Winter hat er bei der WM in Schweden mit der deutschen Staffel die Silbermedaille gewonnen. Einen Platz unter den ersten acht in einem Weltcuprennen oder zwei Platzierungen unter den ersten 15. – fünf deutsche Biathleten haben die WM-Norm erfüllt. Für den sechsten Platz kamen Erik Lesser (SV Eintracht Frankenhain), der die halbe Quali hat (14. Platz), und Roman Rees in Frage. Der Schwarzwälder überzeugte im international zweitklassigen IBU-Cup mit Topplatzierungen und lief beim Weltcup in Ruhpolding zweimal als 19. unter die ersten 20. Mehr Qualichancen bekam der 26-Jährige im Weltcup nicht. Die DSV-Trainer nominierten Lesser (31) für die WM. Es ist eine Entscheidung für die Vergangenheit – und gegen die Zukunft. "Dass es so ausgeht, hat sich angedeutet", sagt Rees, "viel mehr überrascht war ich, dass ich nach den guten Leistungen in Ruhpolding nicht für den Weltcup in Pokljuka nominiert wurde".

Dem besten Schützen der deutschen Biathleten wird zum Verhängnis, dass er im Herbst, als es bei der deutschen Meisterschaft um die Plätze für das Weltcup- und IBU-Cup-Team ging, mit schwankenden Leistungen aufgefallen ist. "In der Lehrgangsgruppe 1a haben wir viele Trainingsblöcke im Sommer und danach fühle ich mich nicht so frisch. Ich brauche einfach länger, um Training in Leistung umzuwandeln", sagt Rees. Der Sportler aus Hofsgrund wird im Februar bei den IBU-Cup-Rennen am Arber und in Martell (Südtirol) starten, ebenso bei der Europameisterschaft. "Die letzten drei Weltcups im März sind jetzt mein großes Ziel." Bundestrainer Mark Kirchner habe ihm gesagt, dass die Möglichkeit besteht, da wieder ins A-Team zu rutschen.

"Für mich geht ein Kindheitstraum in Erfüllung", sagt Janina Hettich vom SC Schönwald, bei ihr löst die WM-Nominierung große Freude aus. "Ich bin sehr motiviert. Ich möchte in Antholz meine beste Saisonleistung zeigen." Die 23-Jährige hat die WM-Norm zwar auch nicht erfüllt – nur drei deutsche Biathletinnen haben das geschafft – die Schwäche der Übrigen wurde zu ihrer Chance. Hettich hat vor allem in den Weltcup-Staffelrennen mit soliden Leistungen überzeugt. "Die Trainer haben mir gesagt, dass ich mich als junge Athletin gut entwickelt habe." In ihrem Fall haben sie sich für die Zukunft entschieden.

Jürgen Ruoff