Pop

DDR-Poplegende Klaus Selmke ist tot

dpa

Von dpa

Fr, 22. Mai 2020 um 19:42 Uhr

Rock & Pop

Klaus Selmke, der Schlagzeuger der Berliner Band City, ist am Freitag in einem Berliner Krankenhaus verstorben. City gehörten mit den Puhdys zu den erfolgreichsten Rockbands der DDR.

Klaus Selmke, Schlagzeuger der Berliner Band City ("Am Fenster"), ist tot. Er sei am Freitag im Alter von 70 Jahren in einem Berliner Krankenhaus gestorben, berichtete Bild online. "Der ,General’ Klaus Selmke hat heute um 14 Uhr die Schlagzeugstöcker für immer niedergelegt. Wir sind traurig und sprachlos", schrieb der Sänger der Band, Toni Krahl, am Freitagabend per Mail auf dpa-Anfrage. Dieter Birr, ehemals Sänger der mit City befreundeten Puhdys, sagte: "Mich hat die Nachricht natürlich total geschockt." Er selbst habe die traurige Mitteilung vom City-Gitarristen Fritz Puppel erhalten.

Die Internetseite von City – die Band zählte zu den erfolgreichsten Rockgruppen in der DDR und ist noch immer aktiv – war am Freitag komplett schwarz. Auf der Facebookseite stand mit weißer Schrift auf schwarzem Untergrund: "Klaus Selmke – 21.4.1950 – 22.5.2020." Selmke hatte City vor 48 Jahren mit gegründet.

Zehn Millionen Mal verkauft: City-Kult-Hit "Am Fenster"



Der Drummer, der gerne barfuß auf der Bühne saß, starb rund einen Monat nach seinem 70. Geburtstag.
Selmke hatte City vor 48 Jahren mit Puppel im Prenzlauer Berg in Berlin gegründet. In einem Kulturhaus in Köpenick hatte im Frühjahr 1972 alles begonnen: Dort stand die City Rock Band, wie sie ursprünglich hieß, das erste Mal auf einer Bühne - und Klaus Selmke saß am Schlagzeug. Die Band sollte einen fünfstündigen Jugendtanz-Abend musikalisch untermalen. Sie spielte Songs von Santana, den Rolling Stones und Jimi Hendrix nach. Zehn Jahre später pilgerten dann schon 10 000 Fans zum Open-Air-Konzert in den Berliner Plänterwald.

"Ohne Boss und ohne Haare"

Die fünf Glatzköpfe, die einst mit dem Slogan "Ohne Bass und ohne Haare - mit City durch die 80er Jahre!" für sich warben, befanden sich mit ihren kritischen Texten im sozialistischen Staat oft am Rande des Erlaubten. Zwei Jahre vor dem Mauerfall thematisierten sie etwa in "Wand an Wand" und "Halb und Halb" die deutsche Teilung. Sänger Toni Krahl war 1968 als Abiturient wegen seines Protestes gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings verhaftet worden.

Krahl war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. "Wir sind momentan noch sprachlos", zitiert ihn "Bild". Dieter Birr sagte: "Ich wusste schon, dass Klaus krank war. Er hat sich aber immer bedeckt darüber gehalten." Dem Zeitungsbericht zufolge starb Selmke an Krebs.