Defizit bei Kita-Plätzen

Michael Haberer

Von Michael Haberer

Mo, 18. November 2019

Herbolzheim

Herbolzheims Bürgermeister kritisiert Bund und Land / Ausschuss beschließt Empfehlungen.

HERBOLZHEIM. Der Ausschuss für Bildung, Erziehung und Betreuung beschloss am Donnerstag eine Empfehlung an den Gemeinderat, welche Gruppen in den Kindertageseinrichtungen in der Stadt und den Bleichtalgemeinden einzurichten seien.

Für den Beschluss präsentierte Claudia Bellgardt, im Hauptamt für die Kinderbetreuung zuständig, den Bedarfsplan für die Herbolzheimer Kitas. Die Unterbringung von vier Jahrgängen Kindern leidet derzeit unter den fehlenden Kitaplätzen in der Kernstadt. 249 Plätze sind vorhanden, 309 Kinder müssen untergebracht werden. Diese Situation werde sich im kommenden Kindergartenjahr noch verstärken, erklärte Bellgardt.

In den 249 Plätzen ist bereits eine Gruppe in der Schindler-Villa eingerechnet. Die Villa wird gerade umgebaut und steht erst im kommenden Frühjahr zur Verfügung. Allerdings werden die 309 Plätze auch nicht mit dem ersten Tag des derzeitigen Kindergartenjahres gebraucht. Die Herbolzheimer Kinder kommen nach und nach in das Alter, in dem sie Anspruch auf einen Kita-Platz haben.

In der gesamten Stadt stehen 432 Kita-Plätze zur Verfügung. 402 sind es, wenn die mögliche Unterbringung von Kleinkindern ausgereizt wird. Die Zahl der Kita-Kinder liegt im laufenden Jahr bei 435 und wird nach den nächsten Sommerferien auf 470 anwachsen. Bis der neue Kindergarten in den Herrengütern in Betrieb genommen werde, bleibe eine Durststrecke, sagte Bellgardt. Die realen Zahlen und Prognosen weisen ein Defizit von drei Kita-Plätzen im laufenden Kindergartenjahr, fehlenden 38 Plätzen im kommenden und fehlenden 21 im übernächsten Jahr aus. Wenn der neue Kindergarten dazu kommt und die Schindler-Villa über die Durststrecke hinaus genutzt wird, werden es 2021/2022 insgesamt 24 Plätze und im Folgejahr 49 mehr als benötigt sein – alles berechnet nach den Geburtenzahlen von Herbolzheim und ungeachtet eines möglichen Zuzugs von Familien.

Die Kita in Wagenstadt sei mit Kindern aus dem Bleichtal und der Kernstadt voll belegt und werde es bleiben, berichtete Bellgardt. Die Kita in Bleichheim sei voll, auch weil die Plätze für Kleinkinder belegt seien. Bellgardt verwies auf die Vormerkung von Kleinkind-Plätzen über das Internet. Diese Plattform habe sich bewährt. Einzig in Broggingen sinkt die Kinderzahl. Allerdings würden die dadurch freien Kita-Plätze mit Kindern aus der Kernstadt belegt. Auch die Zahl der Krippenplätze in der Kita Glühwürmchen steigt stark an.

Angesichts des großen Bedarfs an Kita-Plätzen kritisierte Bürgermeister Thomas Gedemer die zögerliche Haltung von Bund und Land, die ausgeschöpfte Förderung für Kita-Bau neu aufzulegen. Die Kommunen müssten reagieren und bräuchten Finanzmittel. Die fehlenden Zuschüsse gefährdeten den Neubau in den Herrengütern allerdings nicht. Im Sommer 2021 soll die Betreuung in der neuen Kita losgehen. Gedemer verwies zudem auf die Probleme, Personal für neue Kita-Gruppen zu bekommen.

Für das Kindergartenjahr 2020/2021 schlägt der Ausschuss für den katholischen Kindergarten St. Josef drei Regelgruppe (RG-Gruppen), zwei Gruppen mit verlängerter Öffnungszeit (VÖ-Gruppen) sowie eine Mischgruppe mit Ganztagsbetreuung, verlängerter Öffnungszeit und Regelzeit (Mischgruppe GT/VÖ/RG) vor. Für den evangelischen Kindergarten werden eine VÖ-Gruppe, eine Mischgruppe VÖ/RG und eine Ganztagsgruppe empfohlen, in der Schindler-Villa eine VÖ-Gruppe, in Wagenstadt eine RG-Gruppe, eine Mischgruppe VÖ/RG und eine Waldgruppe (VÖ) und im "Fliegenpilz" in Tutschfelden eine VÖ/RG-Gruppe.

Im Ausschuss kam auch die erfolgreiche Ferienbetreuung zur Sprache. In den sechs Wochen Ferienspiel gab es 53 Veranstaltungen mit rund 1200 Kindern und die Kiwanis-Ferienschule habe mit 117 Schüler einen neuen Teilnehmerrekord verzeichnet. Die Woche auf dem Höfle sei wie immer ausgebucht gewesen.