Schwacher Torhüter

Den deutschen Handballern droht das WM-Aus

dpa, bz

Von dpa & BZ-Redaktion

Sa, 23. Januar 2021 um 18:33 Uhr

Nationalmannschaft

Auch wegen schwacher Leistungen ihres Torhüters Andreas Wolff könnte die deutsche Handball-Nationalmannschaft am Samstagabend aus der WM fliegen – im Spiel gegen Brasilien.

Andreas Wolff sucht nach Antworten. Voller Enttäuschung über den bisherigen WM-Verlauf spazierte die Nummer eins der deutschen Handballer am Freitag durch das vornehme Teamhotel in Kairo. Wer den ehrgeizigen Torhüter auch nur ein wenig kennt, der konnte ahnen, wie sehr ihm die 28:32-Niederlage gegen Europameister Spanien zusetzte.

Nicht nur, weil die Chance auf das Viertelfinale beim Turnier in Ägypten damit nur noch eine minimale ist. Sondern auch, weil der 29-Jährige seine Klasse bislang nicht abrufen konnte. Er zerbricht sich den Kopf darüber, woran es liegt.
Letzte Chance

Deutschland (2:4 Punkte) kann nur dann noch ins Viertelfinale kommen, wenn es in der Hauptrunden-Gruppe 1 an diesem Samstag gegen Brasilien (1:5) und am Montag gegen Polen (4:2) gewinnt sowie Ungarn (6:0) gegen Spanien (5:1) und Polen verliert. Dann käme es zum Dreiervergleich der punktgleichen Teams Deutschland, Polen, Ungarn, aus dem es die Auswahl mit der besten Tordifferenz ins Viertelfinale schafft. Zweite Möglichkeit bei zwei deutschen Siegen: Spanien verliert gegen Ungarn und den krassen Außenseiter Uruguay.

"Mich ärgert das kolossal. Ich bin richtig, richtig sauer und tief enttäuscht", sagte er. Schon im dritten Vorrundenspiel gegen Ungarn (28:29) hatte Wolff seiner Mannschaft nicht helfen können und gerade mal zwei von 15 Würfen abgewehrt. Gegen die Spanier wurde es kaum besser. Nachdem Wolff nur 22 Prozent der Würfe pariert hatte, nahm Bundestrainer Alfred Gislason ihn vor der Pause raus und ersetzte ihn durch Johannes Bitter. "Die Frustration ist einfach riesig, insbesondere in Verbindung mit dem Ungarn-Spiel. Ich weiß eigentlich gar nicht, wohin mit meiner Energie", sagte Wolff.

Eigentlich war Wolff als Gislasons 1-a-Lösung zwischen den Pfosten eine tragende Rolle in der neuformierten deutschen Mannschaft zugedacht. Jetzt sieht es danach aus, als ob er neben Kapitän Uwe Gensheimer einer der großen Verlierer sein könnte. Es wäre nicht überraschend, wenn der EM-Held von 2016 an diesem Samstag gegen Brasilien (20.30 Uhr/ ZDF) zunächst nur auf der Bank sitzt.

Ist die zweimonatige Pflichtspielpause schuld?

Dabei schien Wolff bereit für große WM-Taten. Doch schon in der Vorbereitung ging einiges schief. Zunächst sorgte der meinungsstarke Profi mit öffentlicher Kritik am freiwilligen WM-Verzicht seiner früheren Kieler Mitspieler Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold für Unruhe. Im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation im März stellt sich die Frage, ob die Debatte zu einem Riss im deutschen Team führen könnte. Denn Gislason plant fest mit der Rückkehr des THW-Trios.

An einem Wolff in Top-Form kommt Gislason im Normalfall nicht vorbei. Die Frage ist nur, warum der Torhüter sein Potenzial nicht abruft. "Vielleicht ist es insgesamt ein Zusammenspiel dieser beschissenen Situation", vermutet Wolff und meinte damit vor allem seine zweimonatige Pflichtspielpause aufgrund der Corona-Pandemie. Vielleicht fehle deshalb "dieses Quäntchen Verrücktheit, dieses Quäntchen Reaktionsfähigkeit".
Ergebnisse vom Freitag: Gruppe 3: Schweiz - Portugal 29:33, Island - Frankreich 26:28. Gruppe 4: Nordmazedonien - Russland 20:32, Ägypten - Belarus 35:26.