Den "Orwellschen Restriktionen" ein Mahnmal setzen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 22. Juni 2020

Bad Säckingen

Aussagekräftige Werke zeigen in der Ausstellung "Dialoge" der Gruppe F 7 in der Villa Berberich, wie sich die Künstler mit der aktuellen Situation beschäftigt haben.

. Die Erde trägt Mundschutz, Bilder sind symbolisch in Schutzfolie verpackt: Aussagekräftige Werke zeigen in der Ausstellung "Dialoge" der Gruppe F 7 in der Bad Säckinger Villa Berberich, wie sich die Künstler mit der aktuellen Situation beschäftigt haben.

Eröffnet wurde die Schau mit Fotografie, Malerei und Installationen am Samstag bei Sonnenschein im Park des städtischen Kulturhauses. Eine solche "Vernissage im Gras", begleitet von Gitarrenklängen des Musikers Holger van den Tasten, war für die Fotografen-Gruppe etwas Neues. Kulturreferentin Christine Stanzel hatte sich dafür eingesetzt, dass diese Ausstellung des Tourismus- und Kulturamts mit Abstandsregeln und Mundschutz zustande kommen konnte. Das vielfältige Spektrum an fotografischen Arbeiten und Techniken sei beeindruckend, so Stanzel. "Einfach großartig" fand es die Gründerin der Gruppe, Chris Rütschlin, dass die Kulturreferentin der Kunst nach dem Lockdown wieder Raum gegeben hat.

Jeder der beteiligten Künstler erklärte etwas zu seinen Arbeiten, die die rund 40 Vernissagegäste dann bei einem Rundgang näher betrachten konnten. Die Fotografin Chris Rütschlin aus Rheinfelden hat aktuell das Thema Lockdown und Distanz aufgegriffen. In Form von Fotografien und einer Installation über die Auswirkungen von Covid-19 und die "Orwellschen Restriktionen", die bei einer Mahnwache entstanden ist, wolle sie "dieser Zeit ein Mahnmal setzen." Auf weißen Blättern können Besucher ihre eigene Meinung aufschreiben. In Rütschlins Fotografien, die durch Spiegelungen verfremdet sind, sieht man Menschen mit Mundschutz beim Einkaufen oder Eisessen.

Die Graphikdesignerin Tina C. Weimann aus Weil-Ötlingen hat sich unter dem Aspekt der Corona-Krise und des Mutterseins gefragt, welche Werte besonders wichtig sind im Leben. "Beschützt fühlen", "Familiäre Nähe" und "Freunde treffen" steht auf Weimanns Bildern, die in transparente Schutzfolien eingehüllt sind. Neben Arbeiten graphischen Elementen und Text verbunden sind, zeigt Weimann auch Detailaufnahmen von Naturstrukturen aus Island im Wechsel der Jahreszeiten und Landschafts- und Tiermotive aus Südafrika.

Malerei und Fotografie kombiniert Fabienne Domb aus Möhlin zu vieldeutigen Bildbotschaften. In Collagen setzt sie das Thema Dialoge in Form von silhouettenhaften Figuren um. Einfühlsam dargestellte Frauenfiguren finden sich in Dombs Werken ebenso wie Naturmotive wie Bäume und Blüten. Besonders eindrücklich sind ihre neuesten Bilder vom Globus, der vom Virus angegriffen wird und einen Mundschutz umgebunden hat.

Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus "unterschiedlichen Ecken der Welt" hat Martin Keßler aus Rheinfelden zusammentragen. In klassischer Technik hält er ausdrucksstarke Momente, Straßenszenen und Menschen von verschiedenen Reisen fest: Arbeiter aus einer Silbermine in Bolivien, Mumiengräber, steinerne Monumente, Tänzer in Brasilien und Frauen bei religiösen Zeremonien in Armenien.

Der Foto- und Filmstudent Robin Niedergang ist mit einer Serie aus der Millionen-Metropole Tokio vertreten, in der er klaustrophobische Situationen einfängt wie die eng in der U-Bahn zusammengepferchten Leute.

Die Ausstellung Dialoge der Gruppe F 7 in der Villa Berberich Bad Säckingen ist bis 21. Juli mittwochs, donnerstags und sonntags 14 bis 17 Uhr zu sehen.