Denzlingens Zukunft mitgestalten

Johanna Schramm

Von Johanna Schramm

Mi, 24. April 2019

Denzlingen

Jugendgemeinderat und Schülervertreter laden Politiker ein.

DENZLINGEN. Am letzten Tag vor den Osterferien war der Unterricht für die neunten bis zwölften Klassen der Schulen im Denzlinger Bildungszentrum einmal ganz anders. Der Jugendgemeinderat (JGR) hatte mit den Schülermitverantwortungen (SMV ) aller Schulen des Bildungszentrums die Landtagsabgeordneten Sabine Wölfle (SPD), Jürgen Keck (FDP), Alexander Schoch (Grüne) und Stephan Wintermeier (Referent der CDU-Landtagsabgeordneten Marion Gentges, die verhindert war) eingeladen. Während Stefan Herre (AfD) die Teilnahme abgesagt hatte, standen die anderen Politiker zwei Stunden lang den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort.

Die Schüler interessierten sich für den beruflichen Werdegang der Politiker, die Digitalisierung im Bereich Bildung und den Klimaschutz. In Sachen Digitalisierung waren sich die Politiker einig: Tablets im Unterricht und funktionierendes WLAN werden die Zukunft sein. Gegensätzliche Meinungen gab es allerdings darüber, in wessen Verantwortung die Versäumnisse der Vergangenheit liegen.

Besonders spannend wurde es beim Thema "Fridays for Future", weil die Meinungen zum Schwänzen des Unterrichts auseinandergingen. So befürwortete Alexander Schoch den Einsatz der Jugendlichen mit der Begründung, dass Gewerkschaften auch während der Arbeitszeit protestierten, da die Engagierten sonst nicht die nötige mediale Aufmerksamkeit bekämen. Jürgen Keck sprach sich im Gegensatz dazu gegen das Schwänzen aus. Er bezeichnete die Initiative der Schülerinnen und Schüler zwar als richtig und wichtig, verwies aber darauf, dass ohnehin schon zu viel Unterricht ausfalle.

In einer Abschlussrunde wurden weitere Fragen buchstäblich aus dem Hut gezaubert, als Benedikt Falk einen Zylinder mit einer Sammlung thematisch unsortierter Fragen herumgehen ließ. So wurde etwa der Vertreter der Grünen nach seiner Meinung zur Legalisierung von Cannabis befragt. Seine Antwort, dass seine Partei für eine regulierte Legalisierung stehe, weil Cannabis auch zur Schmerztherapie im medizinischen Bereich genutzt werden könne, erntete Applaus.

Vor dem Schlusswort hatten die Politiker noch die Möglichkeit, ein hypothetisches Gesetz ohne oppositionelle Zustimmung zu erlassen. SPD und FDP wünschten sich, dass das Schulgesetz konstant bleibe und nicht in jeder Legislaturperiode wieder geändert werde. Die Grünen wollten gegen Rechtsradikalismus vorgehen. Stephan Wintermeier wählte einen anderen Ansatz: Niemand solle jemals wieder die Macht haben, ein Gesetz ganz allein zu erlassen. Am Ende appellierten die Politiker, die früher alle als Klassen- oder Schülersprecher tätig waren, an die Jugendlichen, sich kommunalpolitisch zu engagieren, um ihre Zukunft mitzugestalten. Dem schlossen sich die JGR-Vertreter an, indem sie auf die Jugendgemeinderatswahlen hinwiesen, an der sich Schüler ab 14 Jahren beteiligen können.

Schülerinnen und Schüler zeigen sich offen für Politik

Benedikt Falk, JGR-Sprecher und Schüler des Erasmus-Gymnasiums, und Leon Pieper von der SMV des Gymnasiums, moderierten die Veranstaltung souverän und verstanden es, nach ernsten Themen die Stimmung wieder aufzulockern. Resümierend merkte Falk an: "Ich finde es gut, dass unsere Schülerinnen und Schüler so offen für Politik sind, und ich glaube, das ist eine gute Voraussetzung für die bevorstehenden Wahlen." Er bedankte sich bei allen, die diesen Vormittag möglich gemacht haben, allen voran bei Frank Adler von der Jugendpflege, der die Schülerinnen und Schüler in allen Prozessen der Organisation begleitet hat, sowie allen beteiligten Lehrkräften.

Johanna Schramm (16) besucht die elfte Klasse des Erasmus-Gymnasiums und hat diesen Artikel in der Presse-AG verfasst.