Lästiger Linksverkehr und grandiose Grabenstürze

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Do, 18. Juli 2019

Denzlingen

Engländer empfangen Denzlinger Radfahrer Andreas Berger in der Partnerstadt North Hykeham / Mit dem Bus geht’s nun zum Europafest.

DENZLINGEN/NORTH HYKEHAM (krue). Die Deutschen seien pünktlich und die Britten höflich, lautet ein gängiges Klischee. Andreas Berger vom Denzlinger Partnerschaftskomitee kann es bestätigen. Mit dem Fahrrad hatte er sich Ende Juni von Denzlingen aus aufgemacht, um seine Freunde in der englischen Partnerstadt North Hykeham zu besuchen. Letzte Woche, als er noch einige 100 Kilometer zu strampeln hatte, kündigte er sich dann für Montag, 15. Juli, 15 Uhr an. "Was soll ich sagen? Ich konnte mein Versprechen halten und kam sogar eine Minute zu früh in North Hykeham an", sagte er nun der BZ. Und dort wurde er freundlich mit einem Willkommensfest empfangen.

Keinen Platten, gutes Wetter – seine Radtour verlief ohne größere Schwierigkeiten. "Ich hatte viel Glück. In den drei Wochen hat es nicht eine Sekunde geregnet", sagt er am Telefon. Nur seine Bremsen hätten zwischendurch repariert werden müssen. Langweilig wurde es ihm dennoch nie. Und einen Sturz hatte er auch zu verschmerzen. "Ich habe mir rechts neben dem Radweg ein schönes Gebäude angeschaut – und plötzlich lag ich im Graben", sagt er. Auch habe er auf der Tour viele spannende Menschen kennengelernt. Aus der englischen Stadt Cambridge sind ihm gleich drei im Gedächtnis hängen geblieben: ein ehemaliger deutscher Soldat, den es auf die Insel verschlagen hat, ein redseliger italienischer Künstler und ein Australier, mit dem er sich in einem Restaurant so sehr in ein Gespräch vertieft hat, dass beide nach einer Stunde bemerkten, dass sie ganz vergessen hatten, ihr Essen zu bestellen.

Während Berger zu Beginn seiner Reise oft 70 bis 80 Kilometer am Tag geradelt sei, habe er es später etwas ruhiger angehen lassen. Mit einer Ausnahme in Luxemburg, wo er einfach keine Bleibe für die Nacht gefunden habe. Er fuhr und fuhr und fuhr – bis er die Grenze zu Belgien passierte. Kurz vor 20 Uhr habe er dann endlich eine Unterkunft gefunden. "An diesem Tag habe ich 109 Kilometer zurückgelegt. Ich war total erschöpft."

Von England, wo er zwar schon öfter gewesen sei, aber nie mit dem Rad, war er dann sehr angetan. "Die Radstrecken dort sind sehr wechselhaft", sagt er. Mal kurvte er durch kleine kaum befahrene Nebenstraßen, bei denen sich ein kleiner Pub an den nächsten reihte, mal musste er sich durch belebte Hauptstraßen kämpfen, auf denen die Autos in sechsfacher Geschwindigkeit an ihm vorbei rauschten. "Bei dem Verkehr musste ich mich ganz schön konzentrieren", sagte Berger. Insbesondere der Linksverkehr sei tückisch. "Nach ein paar Tagen dachte ich, ihn verinnerlicht zu haben. Und dann fahre ich um ein paar Kurven und plötzlich kommt mir ein hupender Autofahrer entgegen, weil ich schon wieder auf der falschen Seite fahre", erzählt er.

Zeit zum Erholen von derlei Strapazen hat Berger indes kaum. Am heutigen Donnerstag, 18. Juli, geht es mit der englischen Delegation der Partnerstadt mit dem Bus zurück nach Denzlingen. Schließlich wartet noch das Europafest. Und für Berger eine deutsche Zeitung, auf die er sich besonders freut.