Musical

Denzlinger Kulturwoche schließt mit Broadway-Klassiker "Guys and Dolls"

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mo, 14. Oktober 2019 um 19:23 Uhr

Denzlingen

Zum Abschluss der Denzlinger Kulturwoche ist der Broadway-Klassiker "Guys and Dolls" gezeigt worden. Bei dem Musical unter der Leitung von Petronella Rußer-Grüning ging es um harte Jungs.

Schwere Jungs und leichte Mädchen. Der Titel des Musicals, das zum Finale der neunten Denzlinger Kulturwoche gleich zweimal aufgeführt wurde, verspricht nicht zu viel. Denn die Bühne des Lothar-Fischer-Saales ist immer wieder dicht bevölkert von den titelgebenden Charakteren. Unter der Leitung von Kulturpreisträgerin Petronella Rußer-Grüning wird aber vor allem auch das Motto der Kulturwoche eindrucksvoll umgesetzt: Denzlinger machen Kultur für Denzlinger.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Schwere Jungs treten nicht mit schweren Waffen gegeneinander an, sondern im illegalen Glücksspiel. Würfeln und Wetten ist das Metier, ständig gejagt von der Polizei. Das Spiel mit dem Glück scheinen sie zu beherrschen, auch wenn es um die Liebe geht – und leichte Mädchen gibt es am Broadway genug. Das richtige Feld aber auch für die Heilsarmee um die Seelen aus dieser sündigen Welt zu retten. Genug Hintergrund für Jagdszenen in der Unterwelt, Tanzszenen in den Clubs und Gesangsduette zwischen den Geschlechtern, zumal das Herz anders schlägt als die Vernunft tickt. Das Happy End ist vorprogrammiert, am Ende sind die richtigen liiert und die schweren Jungs von ihren Liebsten gezähmt.

Eine Geschichte, die ihre Wirkung vor allem entfaltet, wenn es gelingt, mit Musik und Schauspiel in die fremde Welt mitzunehmen, mit Tönen und Bildern zu faszinieren und die Aufmerksamkeit zu bannen. Eben darauf verstehen sich die Macher hinter der Denzlinger Inszenierung. Harald Aigeldinger, der Kulturpreisträger des Jahres 2015, hat als musikalischer Leiter jetzt schon für die dritte Musicalproduktion ein Orchester zusammengestellt, das trotz kleiner Besetzung mit einen sehr intensiven Klangkörper den Weg für die Bühnenakteure fest fundamentiert.

Schon die Klangbilder, die die Instrumentalisten aus dem örtlichen Musikverein, dem Sinfonieorchester Emmendingen, ergänzt durch weitere "begeisterte Musiker", so Aigeldinger erzeugen, sind von großer Intensität. Auf dieser Basis lassen sich die Bühnenakteure regelrecht zu schauspielerischen, tänzerischen und gesanglichen Höchstleistungen beflügeln. Kaum zu glauben, dass überwiegend Laien dabei ein an Intensität kaum zu überbietendes Schauspiel auf die Bühnen bringen. Dabei werden sie dezent und zugleich die unterschiedlichen Szenerien und Stimmungen ausdrucksvoll unterstreichend, von Sebastian Anders – Kulturpreisträger 2017 – und Rüdiger Tonojan ins rechte Licht gerückt.

Glanzvolles Finale für die Kulturwoche

Das alles würde nicht genügen, wenn die Schauspieler nicht selbst in ihren Rollen aufgehen würden. Das mag an ihrer Begeisterung für ihr Tun liegen, ist zugleich aber auch Ergebnis einer intensiven, langwierigen Arbeit der Regisseurin Petronella Rußer-Grüning und der Choreografen Yvonne Forster, Rebecca Albert und Aaron Blunck mit den Schauspielern und Tänzern. Da stimmt jede Geste, jeder Gesichtsausdruck, jede Stimmlage – ob gesprochen oder gesungen werden die Tanzeinlagen zu stimmungsvollen Highlights. Das alles krönen die kleinen Szenen, die Solos und Duette der Protagonisten. Allen voran bei der Premierenaufführung Malina Höfflin als Sarah Brown, Steffen Gerstle als Sky Masterson, Sarah Moser als Adelaide und Andreas Glunz als Nathan Detroit.

Guys and Dolls – mit der Aufführung des Musicals hat die Kulturwoche ein glanzvolles Finale erlebt, das Maßstäbe setzt. Die Grenzen dessen, was mit Laien und im begrenzten Rahmen eines Mehrzweckkulturhauses möglich ist, wurden voll ausgereizt.

Weitere Aufführungen des Musicals "Guys and Dolls" gibt es am 4. und 5. sowie 11. und 12. Januar 2020 im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus, Stuttgarter Straße 30.