Talent aus Seelbach

Der 24-jährige Jonathan Stark will Profi-Dirigent werden

Beate Zehnle-Lehmann

Von Beate Zehnle-Lehmann

Sa, 24. August 2019 um 11:04 Uhr

Seelbach

Jonathan Stark ist mit der Liebe zur klassischen Musik in seinem Elternhaus aufgewachsen. Deshalb hat er seinen Traum, die Musik zum Beruf zu machen, konsequent und Stück für Stück verwirklicht.

Jonathan Stark hat mit 24 Jahren bereits eine beachtliche musikalische Karriere hingelegt: Kürzlich setzte er sich als Dirigent bei "Athens International Conducting Masterclass and Competition" gegen 110 Teilnehmer durch und holte sich den ersten Preis.

Der Erfolg verschafft ihm ein Konzertengagement in Griechenland mit dem Athens Philharmonia Orchestra. Der Seelbacher ist zur Zeit in Urlaub bei seiner Familie. Er lebt in Wien, wo er an renommierten Akademien studiert hat.

Jonathan Stark ist mit der Liebe zur klassischen Musik in seinem Elternhaus aufgewachsen. Deshalb hat er seinen Traum, die Musik zum Beruf zu machen, konsequent und Stück für Stück verwirklicht. Heute steht er mit 24 Jahren am Beginn einer Karriere als Dirigent, zuerst mit einem Engagement an der Volksoper in Wien, danach folgt eine Konzertreise mit dem Athens Philharmonia Orchestra.

Jonathan Starks musikalischer Werdegang wirkt mit vielen internationalen Preisen wie eine lückenlose Erfolgsgeschichte. Doch das Resultat kommt nicht von ungefähr, denn Stark hat sich dem Ziel mit viel Arbeit genähert.

Die Geschichte begann mit dem Klavierspiel von Papa Hanspeter, das bei Sohn Jonathan die Liebe zur klassischen Musik, damals besonders zu Johann Sebastian Bach, geweckt hatte. Gebannt und fasziniert habe er als kleiner Junge dem Vater zugehört und versucht, es wie gesehen nachzuspielen.

Mit fünf Jahren begann der erste Klavierunterricht in der Nachbarschaft, es folgten Ausbildungen bei privaten Mentoren, in der Städtischen Musikschule Lahr und am Clara-Schumann-Gymnasium. Zu seiner Schulzeit gehörte auch Kompositionsunterricht. Schon mit 14 Jahren war er Preisträger beim Bundeswettbewerb für Komposition. Es folgten weitere internationale Wettbewerbe und Preise, die Stark bescheiden erwähnt, denn der junge Mann möchte seinen bisherigen Lebenslauf als Ergebnis einer Leidenschaft verstanden wissen.

"Würde man 30 Minuten mit Vollgas rumfuchteln, würde am Ende keiner mehr schauen."

Jonathan Stark

Nach dem Abitur ging er für das Kompositions-Studium an die Musikhochschule in Wien, ein Jahr später begann er als 19-Jähriger, das Dirigieren zu studieren an der Wiener Universität Musik und Kunst. "In dieser Zeit habe durch viele Mentoren wie Andreas Stoehr wichtige künstlerische Impulse erhalten", sagt Stark. Neben Stationen in New York oder Aufführungen seiner Komposition "Passageway" in Sydney nahm Stark nun am internationalen Dirigenten-Wettbewerb in Athen teil, den er gewann. "Das Einzigartige daran war, dass nicht eine Jury, sondern das Orchester in geheimer Wahl selbst entschieden hat", was er als besondere Auszeichnung empfindet.

Zur Arbeit eines Dirigenten erklärt er, dass es eine universelle Grundlage der Zeichensprache gibt, die von Washington bis Sydney verstanden werde. "Je professioneller das Orchester ist, desto mehr kann man sich erlauben, von dieser Grundlage wegzugehen und quasi im Freistil zu dirigieren", sagt er. Die große Arbeit liege darin, Partituren einzustudieren, selbst zu lernen, Notenmaterial einzurichten, Organisatorisches mit dem Orchester vorzubereiten und natürlich zu proben.

"Dauert eine Symphonie beispielsweise 30 Minuten, gibt es acht bis neun entscheidende Stellen, wo ein Blickkontakt mit den entsprechenden Musikern einsetzt."

"Dirigenten denken in Stellen", erklärt er zur Rolle bei einem Konzert. "Dauert eine Symphonie beispielsweise 30 Minuten, gibt es acht bis neun entscheidende Stellen, wo ein Blickkontakt mit den entsprechenden Musikern einsetzt." Dies seien die Momente, in denen die Musiker zum Dirigenten blicken: "Würde man 30 Minuten mit Vollgas rumfuchteln, würde am Ende keiner mehr schauen", sagt er. Das sei letztlich die Kunst im Zusammenspiel, ansonsten würde sich die Körpersprache abnützen.

Interessante Erfahrungen habe er hinsichtlich der Orchester in verschiedenen Traditionen und Ländern erleben dürfen. Ein bis heute unerklärliches Phänomen sei etwa bei Wiener Orchestern, die erst ein bis zwei Sekunden nach dem Dirigentenschlag einsetzten. "Das ist trotzdem exakt, vielleicht hat es mit der Wiener Gemütlichkeit zu tun", meint Stark und lacht. In Athen setzte das Orchester exakt auf den Schlag ein.

Auch Fremdsprachen sollte man als internationaler Dirigent beherrschen: die vier Dirigentensprachen Englisch, Französisch, Deutsch und Italienisch. Diese einigermaßen zu verstehen, sei nicht nur für die Kommunikation wichtig, sondern auch dann, wenn es bei den Werken Dialoge gebe. "Das habe ich bei der Fledermaus vor einem Jahr in Japan erlebt. Der Abschluss des japanischen Dialogs und das Einsetzen der nächsten Musiknummer wurde mir mit einem Lichtsignal übermittelt", erzählt Stark.

Seine kommenden Engagements in Wien und Griechenland und an weiteren Stationen wird Jonathan Stark als freischaffender Dirigent leiten. Sein Ziel ist es, fest mit einem Orchester über Jahre zusammenzuarbeiten und "den Klangkörper weiterzuentwickeln". Diese Stellen seien aber hart umkämpft, das ist ihm bewusst.