Der Absturz ist tief

dpa

Von dpa

Mi, 20. Mai 2020

Wirtschaft

Neue Prognosen sprechen von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um zehn Prozent.

BERLIN/FREIBURG (dpa/bas). Ökonomen und Verbände erwarten einen noch tieferen Wirtschaftseinbruch in Deutschland als die Bundesregierung.

Wie drastisch die Einbrüche sind, zeigen die Zahlen für die Autoindustrie. Die Corona-Pandemie hat den weltweiten Autoabsatz drastisch einbrechen lassen. Allein in der Europäischen Union wurden im April lediglich 270 682 Pkw neu zugelassen und damit 76,3 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie der zuständige Branchenverband Acea am Dienstag in Brüssel mitteilte. In den USA brach der Verkauf von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen im April um 47 Prozent ein und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Ebenfalls drastisch waren die Rückgänge in Brasilien (minus 77 Prozent) und Japan (minus 30 Prozent).

Nach einer neuen Prognose sinkt das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das Maß für die Wirtschaftsleistung, in Deutschland in diesem Jahr um mindestens zehn Prozent. Das sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer am Dienstag bei einer Videokonferenz. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) prognostiziert für das laufende Jahr einen BIP-Einbruch um 7,1 Prozent. Die Bundesregierung rechnet für das Gesamtjahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 6,3 Prozent und der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Für das laufende zweite Quartal rechnet das Institut mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres um 11,3 Prozent. "Das markiert den größten Quartalsrückgang seit Bestehen der Bundesrepublik", sagte Stefan Kooths. Ab dem dritten Quartal seien wieder Zuwächse zu erwarten.

Die IfW-Experten erwarten, dass die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2021 das Vorkrisenniveau erreichen wird. "Damit sind die Folgen der Krise aber längst noch nicht wettgemacht, da die wirtschaftliche Aktivität dann immer noch merklich unter dem Niveau liegen wird, das sich ohne den Effekt der Corona-Pandemie ergeben hätte", so Kooths.

Optimistisch zeigen sich hingegen die Finanzexperten. Ihre Konjunkturerwartungen haben sich im Mai den zweiten Monat in Folge gebessert. Das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung teilte am Dienstag mit, dass der von ihm erhobene Indikator kräftig gestiegen sei. Bereits April hatte sich die Stimmung aufgehellt.

Laut einer Umfrage des Freiburger Medienunternehmens Haufe hat sich durch die Corona-Krise bei zwei Drittel der befragten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Auftragslage verschlechtert. 15 Prozent der Befragten sehen ihr Unternehmen sogar existenziell bedroht. Es gibt aber auch Krisengewinner: 13 Prozent der Befragten verzeichnen mehr Aufträge als zuvor. Eine Mehrheit der Befragten rechnet bis zum Jahresende wieder mit einer Rückkehr zur Normalität. 54 Prozent erwarten demnach von 2021 an wieder ein Umsatzwachstum und wollen dann auch wieder deutlich mehr investieren.

Die Studie, die Haufe mit dem Freiburger Marketingunternehmen Auctority erstellt hat, basiert auf einer Befragung von insgesamt 1600 Beschäftigen und Führungskräften. Die Ergebnisse zeigen laut Haufe, dass Unternehmen, mitunter von gleicher Größe und aus derselben Branche, ganz unterschiedlich auf die aktuellen Entwicklungen reagieren und individuelle Strategien entwickeln.