Albert-Schweitzer-Schule

Der Ausbau der Lörracher Gemeinschaftsschule kann endlich beginnen

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Mo, 25. Mai 2020 um 18:00 Uhr

Lörrach

Der Ausbau der Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule setzt gleichzeitig baulich den ersten Schritt der Lörracher Schulentwicklungsplanung um. Dafür gab es einen langen Anlauf.

Die Stadt Lörrach stärkt die Bildungsmeile Wintersbuckstraße. Dort ist der Landkreis mit seinen Schulen stark präsent, während die Stadt Schulträgerin der Pestalozzi-Förderschule und Albert-Schweitzer-Schule ist. Mit dem Spatenstich für deren Ausbau nach dem Raumkonzept einer Grund- und Gemeinschaftsschule am Montag beginnt nun auch die Umsetzung der städtischen Schulentwicklungsplanung. Investiert werden in die Erweiterung und den Neubau rund 17,4 Millionen Euro. Der Vorlauf dafür begann schon im Jahr 2012.

Erst der zweite Antrag saß

Damals schwebte dem Gemeinderat ein anderes Konzept vor. Der neue Schultyp sollte mit einem Verbund der damaligen Werkrealschule und benachbarten Pestalozzischule gebildet werden und mit dem Hans-Thoma-Gymnasium kooperieren. Das Kultusministerium stimmte aber nicht zu. 2013 wurde der überarbeitete Antrag für die Gemeinschaftsschule genehmigt. Die Nachbarschulen kooperieren seither eng miteinander, verschmolzen aber nicht. Die Gemeinschaftsschule besteht als verbindliche Ganztagsschule im Verbund mit der eigenen Grundschule, die wahlweise Ganz- und Halbtagsschule anbietet.

Start 2013 mit 34 Fünftklässlern

Die Albert-Schweitzer-Schule bekam die Genehmigung für eine Dreizügigkeit und startete 2013 mit 34 Kindern zunächst in zwei fünften Klassen in ihre neue Ära als Gemeinschaftsschule, während die älteren Jahrgänge im Schultyp der Werkrealschule blieben. Damals war Gudrun Heute-Bluhm Oberbürgermeisterin und Günther Schyja Rektor. Als er 2014 in den Ruhestand ging, folgte ihm bis 2016 Sabine Stein. Rainer Eisenkolb war damals Konrektor und blieb es auch, als David Weber im Februar 2017 Rektor wurde.

Stadt priorisiert bei den Schulen

Oberbürgermeister Jörg Lutz erwähnte am Montag die Vorgeschichte bis zum Spatenstich. Im Prozess der Entwicklung der Schullandschaft war lange unklar, wie die Zukunft des Schultyps Werkrealschule in der Stadt aussehen würde. Der Gemeinderat beschäftigte sich intensiv mit mehreren Konzepten. Heute sind dafür die Weichen in der Brombacher Hellbergschule gestellt. Diese städtische Gesamtplanung für Schulen sollte auch für eine Entlastung der weiterführenden Schulen auf dem Campus Rosenfels sorgen. Das Hans-Thoma- und das Hebel-Gymnasium sowie die Theodor-Heuss-Realschule waren an ihre räumlichen Kapazitätsgrenzen gelangt. Lutz sagte am Montag, dafür habe es damals ein "kühnes Szenarium" gegeben. Heute sei die Gemeinschaftsschule eine wichtige Säule neben dem Campus und der Werkrealschule, stellte Lutz fest. Das dritte Gymnasium soll an der Neumattschule entstehen.

Lutz bat beim Spatenstich mit Stadträten, am Bau und an der Planung Beteiligten sowie Schulleiterin Isolde Weiß von der Pestalozzischule um Verständnis für die Priorisierung der Stadt bei den Investitionen in ihre Schulen: "Ohne die Corona-Pandemie hätten wir aus Sicht der Verwaltung den Kurs klar in Richtung Fridolinschule und drittes Gymnasium genommen. Ich sende hier die klare Botschaft: Auch die anderen Schulen haben wir im Blickfeld. Schulen sind in diesem Jahr in Lörrach ein ganz großer Investitionsschwerpunkt." Damit sprach er die Baumaßnahmen an der Fridolinschule, die Gründung des dritten Gymnasiums und den Ausbau der Hellbergschule an.

Kritik an den Kosten

Der Gemeinderat genehmigte im Juli 2019 mit drei Enthaltungen die Entwurfsplanung des Büros hotz + architekten (Freiburg) für die Erweiterung und den Umbau der Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule (AGS) mit Kosten von 15,9 Millionen Euro. Inzwischen sind 17,4 Millionen Euro dafür angesetzt. Lutz sagte, in der Ausschreibung sei vielleicht noch eine Reduzierung erreichbar. Der Beschluss im Gemeinderat war auch von Kritik der Fraktion der Freien Wähler und der CDU begleitet. Sie richtete sich gegen die Kosten für die Klinkerfassade und Standards bei der Bauausführung. Zudem gab Ulrich Lusche (CDU) zu bedenken, das Regierungspräsidium habe nur eine zweieinhalbzügigen Ausbau empfohlen.

Wie die Schule sich entwickelt

Schon während der Corona-Pause betreute die AGS Schulkinder. Nach Ostern in den Präsenzunterricht zurückgekehrt sind die Klassenstufen neun und zehn, die vierte folgte vor einer Woche. Nach den Pfingstferien (15. Juni) werden die anderen Schüler unter den Vorgaben des Infektionsschutzes gruppenweise und mit reduziertem Umfang wieder in den Schulalltag eingegliedert. David Weber blickte auf die Entwicklung in seiner Zeit zurück. Seit Anfang 2017 stieg die Zahl der Schüler von etwas mehr als 350 auf mehr als 550 und die der Lehrkräfte in beiden Abteilungen von knapp 40 auf etwa 60. Er sagte mit einem Blick auf die verschiedenen Baukörper, die Schule sei "erheblich über ihre Bausubstanz gewachsen". Er dankte dafür, eng in die Planung einbezogen gewesen zu sein und bezeichnete das Projekt als einen großen Wurf. Architekt Michael Eichmann versprach, der markante Baukörper werde lichtdurchflutete, helle Räume bieten. Der Bezug ist für Juni 2022 vorgesehen.