Altlasten

Der Bau einer Kita in Bad Säckingen fördert einen alten Bauernhof und kontaminierte Erde zutage

Stefan Ammann

Von Stefan Ammann

Mi, 06. Mai 2020 um 12:00 Uhr

Bad Säckingen

Beim Bau der Kindertagesstätte auf dem Gesundheitscampus sind Mauerreste und mit Arsen belastete Erde zum Vorschein gekommen. Trotzdem soll das Projekt pünktlich fertig werden.

Die Kindertagesstätte auf dem Gesundheitscampus in Bad Säckingen wird aller Voraussicht nach nicht nur pünktlich im April 2021 fertig werden, sondern auch im erwarteten Kostenrahmen von 3,8 Millionen Euro bleiben. Architekt Franz Michler konnte dem Gemeinderat diesen erfreulichen Sachstand präsentieren, obwohl die Bauarbeiten zwischenzeitlich unliebsame Überraschungen zutage gefördert hatten.

Was wird gebaut?

Seit Februar wird auf dem Areal südlich des ehemaligen Spitals eine neue Kindertagesstätte gebaut. Eigentlich war das Gebäude ursprünglich nur für drei Gruppen geplant. Angesichts des chronischen Mangels an Betreuungsplätzen hatte der Gemeinderat den Bau gleich in einer größeren Variante in Auftrag geben, damit die Kindertagesstätte auf dem Gesundheitscampus nächstes Jahr mit vier Gruppen starten kann. In der Wohnung im Obergeschoss werden Tagesmütter ihre Dienste anbieten können.

Reste eines alten Bauernhofes

Beim Bau stießen die Arbeiter auf eine Überraschung. Auf dem Gelände fanden sich Reste eines alten Gebäudes. Dabei handle es sich wohl um die Fundamente eines Bauernhofs, der vor rund 50 Jahren abgerissen wurde, erläuterte Franz Michler. Überraschend sei der Fund deshalb gewesen, weil das Gebäude auf keiner Flurkarte verzeichnet ist. Die Mauer- und Fundamentreste mussten abgetragen werden, bevor es mit dem Bau weitergehen konnte.

Kontaminierte Erde

Doch die Vorbesitzer haben noch eine andere Altlast hinterlassen: Bei Bodenuntersuchungen im Baufeld sind laut Michler durchschnittlich 27 Milligramm Arsen pro Kilogramm Erde gemessen worden. Der erhöhte Arsengehalt könne beispielsweise auf den Einsatz von Pestiziden zurückzuführen sein, denn die halten sich noch jahrzehntelang im Boden, erklärte Franz Michler auf BZ-Nachfrage.
Arsen

Arsen ist ein Halbmetall, das auch natürlich im menschlichen Körper vorkommt. In bestimmten chemischen Verbindungen ist es jedoch giftig.

Beim Bau von Wohnungen wären 27 Milligramm noch kein Problem. Dort sind laut Bundesaltlastenverordnung Werte von bis zu 50 Milligramm zulässig – bei Parks und Freizeitanlagen sogar bis zu 125 Milligramm. Bei Kinderspielflächen gilt jedoch der deutlich strengere Grenzwert von 25 Milligramm. Und weil der beim Bauplatz für die Kindertagesstätte ganz knapp überschritten war, musste das kontaminierte Erdreich abgetragen werden. Der Aushub wird momentan zwischengelagert und soll teilweise auf dem Campus – jedoch nicht auf dem Gelände der Kita – bei der Anlage von Wegen und zur Geländemodellierung zum Einsatz kommen. Die kontaminierte Erde werde dabei mit einer 30 Zentimeter dicken Schicht aus sauberem Humus überzogen, betont Michler. Der Arsenwert im zukünftigen Außenbereich der Kindertagesstätte liege übrigens lediglich bei rund 10 Milligramm – das entspricht genau dem natürlichen Vorkommen des Halbmetalls.

Kosten und Zeitplan

Der Abbruch der alten Fundamente und der Aushub der kontaminierten Erde schlagen mit rund 56 000 Euro Mehrkosten zu Buche. Trotzdem liegen die erwarteten Gesamtkosten momentan sogar knapp unter den ursprünglich veranschlagten 3,8 Millionen Euro. Das liegt daran, dass einige Gewerke – insbesondere die Zimmermanns- und Blechnerarbeiten und die Heizungsinstallation – günstiger vergeben werden konnten als geplant. Architekt Michler zeigte sich sehr zuversichtlich, dass die Kostenvorgaben am Ende eingehalten werden – angesichts der momentan coronabedingt arg strapazierten Stadtkasse sicherlich eine erfreuliche Nachricht für die Kämmerei.

Die vielen Eltern, die in Bad Säckingen auf einen Betreuungsplatz warten, dürfte vor allem freuen, dass trotz aller Widrigkeiten auch der Zeitplan eingehalten werden soll. "Wir liegen momentan auf den Tag genau im Bauplan", so Michler. In fünf Wochen könne Richtfest gefeiert werden. Ende April 2021 soll der Schlüssel übergeben werden.