Der Beruf war sein Name

Thomas Mutter

Von Thomas Mutter

Sa, 21. Mai 2022

St. Blasien

BZ-SERIE: Wer war’s, wer ist’s?.

. Sein Familienname stammte nicht aus der engeren St. Blasier Ecke, sondern aus der weiter gezogenen Region. Dieser offizielle Name beschreibt einen Beruf, der eigentlich ausgestorben ist und von dem man heutzutage nicht leben könnte. Die Berufstätigkeit wird aber hin und wieder für Heimatforscher, Traditionspfleger und Touristen vorgeführt.

Der standesamtliche Familienname mit der darin versteckten Berufsangabe machte ihn letztlich nicht bekannt bei Jung und Alt, vielmehr die Dialektform des tatsächlich ausgeübten Berufs, den er als meisterlicher Könner beherrschte. Ganz schnell stellte er Zustand und Reparaturvorschlag eines ihm übergebenen "Patienten" fest.

Ein Meister war er auch an dem von ihm heiß geliebten und von Jugend an gespielten Musikinstrument. Die Noten lagen mehr zur Dekoration und Beruhigung vor ihm, die Töne entlockte er aber mit jahrzehntelang geübter Sicherheit und vorzüglichem Einfühlungsvermögen.

An dem einen oder anderen Stammtisch war er – so wie es das Wort besagt – Stammgast. Er konnte lange bedächtig schweigend zuhören, seine flinken Augen gingen indes hin und her. Wenn er um einen Beitrag gebeten wurde (und sehr auch unaufgefordert, wie das am Stammtisch üblich ist), hielt er mit seiner klugen Volksmeinung nicht hinter dem Berg.

Sein Andenken hütet seit fast zwei Jahrzehnten sogar ein nach ihm benannter Privatweg. Wer war’s?

Auflösung vom letzten Samstag: Bernhard Steinert (1912-1994) war Direktor der Sparkasse, Verfasser von Gedichten und Erzählungen zu St. Blasien, Autor des nachklösterlichen Geschichtsbandes "Sankt Blasier Land" und von drei Freilichtaufführungen vor dem Dom. Er leitete 42 Jahre lang den Domchor, nach dessen Proben er die gesellige Bierrunde genoss. 1977 wurde Bernhard Steinert die Ehrenbürgerwürde verliehen. Regelmäßig zog es ihn zu den Festspielen in Bayreuth.