Neu auf der Leinwand

Der "Club der roten Bänder"-Film ist so berührend wie die Serie

André Wesche

Von André Wesche

Mi, 13. Februar 2019 um 20:00 Uhr

Kino

Heiterkeit endet meistens im Drama, manchmal ist es auch umgekehrt: "Club der roten Bänder – Wie alles begann" ist der berührende Pilotfilm zur weltweit erfolgreichen TV-Serie.

Mit den Themen Krankheit und Tod setzen sich die meisten Zeitgenossen nur sehr ungern auseinander. Erst recht, wenn es Kinder betrifft. Der internationale Erfolg des TV-Formats "Club der roten Bänder" ist auch deshalb ein Phänomen. Die Geschichten der Serie degradieren die Halbgötter in Weiß zu Statisten und konzentrieren sich ganz auf das Schicksal der schwerkranken jungen Patienten.

Leo, Jonas, Emma, Alex, Toni und Hugo haben den Schwarzen Peter gezogen und sind zu Dauergästen einer Klinik geworden. Aber sie haben nicht resigniert. Sie haben einen Club gegründet, um den Schmerz zu teilen und die schönen Momente zu vervielfachen. Nach dem deutschen Serienfinale erzählt nun ein großer Kinofilm von Felix Binder, wie sich die Teenager einst kennenlernten.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Leonard Roland (Tim Oliver Schultz), der die "Roten Bänder" einmal als "Leo" anführen wird. Aber noch lebt der Junge den Alltag eines unbeschwerten Kids. Leonard liebt Fußball. Und da sind große und kleine Blessuren eigentlich an der Tagesordnung. Aber irgendwann werden die Schmerzen im Bein einfach unerträglich. Die Diagnose ist für den Jugendlichen und seine Eltern ein Schock. Ein bösartiger Tumor erfordert umgehendes Handeln.

Sein Krankenzimmer muss Leo mit Benni (Jürgen Vogel) teilen, einem wesentlich älteren Mann und gefürchteten Egomanen. Auch Emma (Luise Befort) ist schon auf der Station. Als Leo das hübsche Mädchen von fern erblickt, fühlt er sofort eine Verbindung. Ganz ähnlich, aber natürlich unter anderen Vorzeichen, ergeht es ihm bei Hugo (Nick Julius Schuck), der hier im Koma liegt. Bevor die "Bänder" aktiv werden, ist es die zunehmend enger werdende Freundschaft zu Benni, die Leo zeigt, dass man gemeinsam durch alle Täler schreiten und dabei die Hoffnung doch nie verlieren kann.

Man muss die TV-Show nicht kennen, um dieser Geschichte folgen zu können. Im Gegenteil, diesmal kommt der Pilotfilm zur Serie erst ganz zum Schluss. Wie die einzelnen Episoden des Fernsehformats nimmt auch der Kinofilm die Zuschauer mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle, in der Heiterkeit meistens im Drama endet, manchmal jedoch auch umgekehrt.

Wer den Humor und die Lebensfreude unterm Klinikdach für unrealistisch hält, dem sei gesagt, dass die in mehr als einem Dutzend Ländern adaptierte Story auf der Autobiografie des katalanischen Autors Albert Espinosa beruht, der alles genau so beschreibt.

"Club der roten Bänder" (Regie: Felix Binder) läuft flächendeckend. Ab 6.