Eishockey in der DEL2

Der EHC Freiburg steht vor einem Sommer der Entscheidungen

Benjamin Resetz

Von Benjamin Resetz

Mi, 24. April 2019 um 16:47 Uhr

EHC Freiburg

Der Sonntag Nach dem Klassenerhalt kündigt der EHC Freiburg Veränderungen an. Die Wölfe wollen sich verjüngen und auch anderweitig neu formieren. Bekommt Freiburg eine neue Eishalle?

Werner Karlin strahlt beim Saisonabschluss der Wölfe am Donnerstag in der Franz-Siegel-Halle. Der erste Vorsitzende des EHC Freiburg ist froh, dass es nach einer nervenzerreißenden Abstiegsrunde doch noch mit dem Verbleib in der DEL 2 geklappt hat.

Euphorisch ist der Jurist allerdings nicht. Eher erleichtert. Die Saison hat Spuren hinterlassen.

Alle Beteiligten sind gefühlt um Jahre gealtert. Der EHC ist mit einem Schuss vor den Bug davon gekommen.

"Naja, Schuss vor den Bug trifft nicht ganz zu, finde ich", entgegnet Karlin. "Das klingt, als ob du als Nichtschwimmer ohne Schwimmreifen ins Meer springst. Das haben wir ja nicht getan.

Wölfe wollen Spielermarkt intensiver sondieren

Aber es war sicherlich eine sehr schwierige Saison, in der sportlich vieles nicht so funktioniert hat, wie wir uns das vorher erhofft hatten." Die Liga sei extrem eng zusammengerückt. "Dadurch wiegen Punktverluste doppelt schwer."

Aufschlussreich sei die Saison aber auch gewesen, zum Beispiel welche Möglichkeiten der Spielermarkt während der Saison bietet. So werde es bei der Mannschaft wieder darum gehen, ein glückliches Händchen zu beweisen. "Darum haben wir einen hauptamtlichen sportlichen Leiter geholt, der den Markt intensiver sondieren kann. Denn ein Problem bei unserem kleinen Budget war immer das Scouting. Da warst du oft auf den guten Willen von Beratern angewiesen."

"Die Zuschauer kommen, wenn es um etwas geht oder wenn der sportliche Erfolg da ist." Werner Karlin
Darüber hinaus bemüht sich der Vorstand um EHC-Präsindent Michael Müller darum, die Sponsorenbasis zu erweitern, "um mehr zuschauerunabhängige Einnahmen zu haben", wie Karlin betont. "Die Playdowns haben gezeigt: Die Zuschauer kommen, wenn es um etwas geht oder wenn der sportliche Erfolg da ist. In Freiburg wird auf dem Freizeitmarkt unglaublich viel geboten: Fußball, Wintersport, Freizeitsport, Theater. Da muss man sich durchsetzen."

Die Signale aus der Stadt bezüglich einer neuen Eishalle gingen in die richtige Richtung. Bis dahin werde man die bestehende Halle im Rahmen der Möglichkeiten aufwerten, beispielsweise mit einer neuen Beleuchtungsanlage.

Erste Personalien sind bereits bekannt

Etwas weniger euphorisch wirkte Sportchef Daniel Heinrizi selbst. An ihm haben die vergangenen Wochen gezehrt und er ist erleichtert, wenngleich er auch den Gang in die Oberliga mitgegangen wäre. In den nervenaufreibenden Playdowns, die er zum Ende hin als Assistent von Trainer Jan Melichar hinter der Bande mitverfolgte und dort viel mit den Spielern gesprochen hat, konnte er sich bereits ein gutes Bild von seinem neuen Arbeitgeber machen und ist dort sehr aktiv.

Der 33-Jährige hat, trotz abschließender Termine beim Ex-Klub in Bad Nauheim, begonnen, alle EHC-Cracks zum Einzelgespräch zu laden. Erste Personalien sind bereits bekannt: So verlassen sieben Akteure das Rudel: Austin Cihak, Dennis Meyer, Matthias Nemec, Ryon Moser, Josef Mikyska, Jan Bednar und Radek Havel. Heinrizis Ausblick: Junge, hungrige Spieler sollen nach Freiburg gelotst werden und die Mannschaft wieder konkurrenzfähiger machen. Gleichzeitig stellt der Sportchef in Aussicht, dass ein Kern aus Eigengewächsen und langjährigen Wölfen wohl gehalten werde.

"Der deutsche Kern der Mannschaft ist gut und gesund, finde ich, so dass einige bleiben werden – weil sie Freiburger sind und weil sie das Herz am rechten Fleck haben. Die Einstellung hat einfach gestimmt." Und auch der eine oder andere Veteran werde beim Verein bleiben – mehr möchte Heinrizi offiziell noch nicht verraten.

Fairplay-Auszeichnung der Liga wirkt wie Galgenhumor

Schwieriger werde es, externe Spieler nach Freiburg zu lotsen, gerade auf den Ausländerpositionen. "Da muss man unglaublich viel telefonieren und Meinungen einholen. Denn ich habe keine Lust, so viele Wechsel wie letztes Jahr vollziehen zu müssen. Von einer Verpflichtung muss ich überzeugt sein."

Auch der Trainermarkt werde sondiert, "um die bestmögliche Entscheidung für den Verein zu treffen. Aber Jan Melichar ist auf jeden Fall ein Kandidat", sagt Heinrizi. Gegenüber Spielern und Trainern für den EHC Freiburg zu werben fiele inzwischen glücklicherweise weniger schwer, als noch vor einigen Jahren. "Hier passiert was, mit der Halle, mit den Strukturen – da geht es schon in die richtige Richtung, glaube ich. Diese Perspektive und ein familiäres Umfeld in einer wunderschönen Stadt, das spricht schon für Freiburg."

Dass die Wölfe neben dem Klassenerhalt auch die Fairplay-Auszeichnung der Liga verliehen bekamen, wirkt hingegen wie Galgenhumor. Denn wer dem Abstieg nur um Haaresbreite entgeht, der weiß, was man sich für die wenigsten Strafzeiten in der Liga kaufen kann – im schlimmsten Fall nämlich den vorletzten Tabellenplatz. Es bleibt zu hoffen, dass die Breisgauer ihre Hausaufgaben machen, um in der kommenden Spielzeit ein Herzschlagfinale um den Ligaverbleib zu vermeiden.