Fritz Gommel – ein Vorbild für Sport im Alter

Der große Erfolg kam im zweiten Sportlerleben

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Fr, 23. August 2019 um 18:14 Uhr

Waldkirch

Vor 30 Jahren gewann der Waldkircher Triathlet den Deutschland-Cup im Triathlon Dabei profitierte von von seiner jahrelang antrainierten Fitness.

WALDKIRCH. Triathlon, das Wort kennt heute fast jeder. Vor 30 Jahren war das in Deutschland noch nicht der Fall. Einer der Pioniere dieser alles beanspruchenden Sportart war, zumindest hier im Breisgau, der Waldkircher Getränkehändler Fritz Gommel. Auch wenn er erst in der Altersklasse M 50 im "zarten Alter" von 47 Jahren begann, an Wettkämpfen teilzunehmen, wie er im Gespräch in der BZ-Redaktion erzählt.



Eine vielfältig veranlagte "Sportskanone" war Gommel schon zuvor. Da war er einfach dazu prädestiniert, seine körperlichen Veranlagungen miteinander zu verbinden. Die junge Sportart "Triathlon" mit höchsten Anforderungen an Ausdauer und Kraft kam ihm da gerade recht. Von Hawaii war die Triathlon-Welle 1983 herüber nach Europa geschwappt. Fritz war gleich überzeugt: "Des isch doch ebbis mit Rad fahre, do moch ich mit"; der Einstieg war für ihn kein so großes Problem, bedeutete "nur" eine Konzentration auf drei Disziplinen und – natürlich – erhöhte Trainingsintensität.



Gommel hatte schon ein breites Sportlerleben im SV Waldkirch hinter sich und stand "in von vollem Saft". Er war dort seit dem 14. Lebensjahr in der Turnabteilung. Skisport alpin und nordisch hielten ihn im Winter auf Trab. Auch das Bergsteigen, die Bewegung in der freien Natur, hatte es ihm schon angetan. Das Streben nach höheren Zielen, nach extremen Herausforderungen ließ ihn den Mont Blanc besteigen, dann auch das Matterhorn und den Mount Kenia in Afrika. So etwas wie den "inneren Schweinehund", der junge Ausdauersportler zu hemmen pflegt, schien es bei ihm nicht zu geben. Das demonstrierte er jahrelang auch in Waldkirch. 44 mal (!) bestand er erfolgreich die Leistungsprüfungen für das Deutsche Sportabzeichen.



Da stellte sich bei ihm zwischendurch auch mal die Frage nach etwas Neuem, nach einer neuen Herausforderung. Die eigene Stärke auch in einem sportlichen Wettkampf zeigen, das war es doch.

Triathlon, die neue, noch junge Sportdisziplin, kam da gerade recht. Mit 47 Jahren wagte er den Sprung ins Wasser, aufs Rad und auch noch auf die Laufstrecke – er tat es, wie bisher alles, mit der nötigen Energie und Freude – und hatte Erfolg.



Sein größter persönlicher Triumph ist nun genau 30 Jahre her. Im Juni 1989 fand sich in der örtlichen Presse und im SVW-Heft gleichlautend die Schlagzeile: "Fritz Gommel gewinnt den Triathlon-Deutschland-Cup." In Konkurrenz mit 350 Triathleten hatte er an drei Wettbewerben in München, Ratzeburg und Duisburg teilgenommen – und war in der Gesamtwertung der Klasse M50 am Ende der Beste. Gommel startete über den "Kurz-Triathlon". Die 1,5 Kilometer Schwimmen, 36,5 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen absolvierte er im letzten Wettbewerb in Duisburg in einer Gesamtzeit von 2:17:40 Stunden, was ihm den Cup einbrachte.

Auch viele weitere Wettbewerbe hat Gommel noch absolviert, immer über diese "Kurzstrecke" und mit Erfolgen. Auf die Frage, ob ihn da nicht auch mal der "Ironman" in Hawaii (mit 180 Kilometer auf dem Rad und einem Marathonlauf) gelockt habe, antwortet er aber mit Nein. Die dafür verlangte Ausdauer, das nötige Training wäre für einen Amateursportler mit Beruf und – wohl auch mit dem Alter – zu viel gewesen.

Gommel betrieb parallel immerhin noch seinen Getränkehandel, musste dann zwangsläufig immer frühmorgens oder abends sich "zum Training durchbeißen". Aber er wusste auch, dass er "es drauf hat", was ihn ebenso oft motivierte. "Die Gene hesch halt oder hesch sie nit", sagt der heute 82-Jährige. Das Schleppen von Getränkekisten habe ihm viel Muskeln und auch Gewicht beschert. Daher war weniger das Schwimmen, sondern vielmehr das Radfahren seine Stärke. Das pflegt Gommel noch heute. Jeden Donnerstag ist er in einer Seniorenradgruppe unterwegs. 40 bis 50 Kilometer seien kein Problem. Nur mit der "jungen Konkurrenz" tue er sich da manchmal schwer. "Die sind halt sieben bis zehn Jahre jünger", sagt er. Aber von Erleichterung durch Hilfsmotor, also E-Bike, hält er auch nichts. "Wenn ich des im flache Gelände nicht mehr fertig bring’, hör ich uff mit Rad fahre", ist sich der Sportsmann sicher.