Ehrenamtliches Engagement

Der Helferkreis Breisach unterstützt Menschen auf der Flucht

Ruth Seitz

Von Ruth Seitz

Mi, 10. August 2022 um 17:55 Uhr

Breisach

Der Breisacher Helferkreis unterstützt zurzeit auch viele Menschen aus der Ukraine, die vor dem Krieg in der Heimat geflohen sind.

Wer ganz alleine auf sich gestellt ist, ohne Familie und Freunde zurechtkommen muss wie Millionen von Menschen, die vor Krieg, Folter und Hunger auf der Flucht sind, ist dankbar für jede Hand, die sich ihm entgegenstreckt. In Breisach sind es die Mitglieder des Helferkreises, die den geflüchteten Menschen ihre Hände entgegenstrecken, ihnen helfen, Fuß zu fassen in der fremden Umgebung mit der fremden Kultur zurechtzukommen, ihnen ein wenig das Gefühl geben, Aufnahme und Hilfe zu finden.

Wirkliche Hilfe läuft im Hintergrund

Jeden Freitag außerhalb der Sommerpause treffen sich geflüchtete Menschen verschiedener Nationalitäten mit Mitgliedern des Helferkreises im Helferhaus an der Halbmondstraße – es wird gekocht, gemeinsam gegessen und gelacht, doch die wirkliche Hilfe läuft im Hintergrund ab. Eine Umarmung zur Begrüßung, ein aufmunterndes Lächeln, das Gefühl, willkommen zu sein, tut jedem Geflüchteten gut. Und dann gibt es die ganz reale, ganz praktische Hilfe: Der Helferkreis vermittelt Fahrräder, hilft beim Übersetzen schwieriger Behördenbriefe, informiert, welche Behörden zu welchen Fragen Auskunft geben und wo sie zu finden sind, erklärt, wie die Schulanmeldung zu erfolgen hat – kurz gesagt, er steht den geflüchteten Menschen in allen Lebenslagen bei.

Von Anfang an dabei

Cornelie Büchner ist von Beginn an beim Helferkreis dabei. Er ist aus dem "Runden Tisch für Mitmenschlichkeit" hervorgegangen, der vor vielen Jahren in Breisach gegründet wurde, unter anderem vom damaligen Leiter des Polizeireviers, Werner Hager. Der Helferkreis kann weitere Mitstreiter gut brauchen, sagt sie. Beim letzten Freitagstreff vor der Sommerpause ist sie pausenlos in Aktion, alle haben Fragen, alle wollen etwas wissen. Sie hat sich mit den anderen Mitgliedern in den vergangenen Jahren um Menschen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, aus Gambia und aus anderen Ländern gekümmert - zuletzt nun verstärkt um Menschen aus der Ukraine. Sie ist froh über die Unterstützung von der Stadt Breisach, für Bürgermeister Oliver Rein sei der soziale Frieden in der Stadt wichtig, sagt sie.

120 Menschen aus der Ukraine, die aus ihrem Land vor Krieg und Bomben geflohen sind, leben in Breisach, 50 von ihnen hat die Stadt untergebracht. Anfang Juli hatte der Helferkreis zum Willkommensfest eingeladen. Kein Englisch, kein Deutsch, die Verständigung sei einfach schwierig, sagt Cornelie Büchner. Der Google-Übersetzer hilft. Einige Ukrainer kommen regelmäßig, andere seltener.

Den Mann im Krieg zurückgelassen

Auch Oksana (Name von der Redaktion geändert) ist vor der Sommerpause noch einmal da. Sie hatte das große Glück, mit ihrer zehnjährigen Tochter bei einer Familie in Breisach Aufnahme zu finden. Jetzt hat sie sogar eine eigene Wohnung gefunden, sie möchte hier bleiben, wartet auf ihren Mann. Die Frau ist allein mit ihrem Kind geflohen. Nachdem die ersten Bomben in der Nachbarschaft gefallen waren, hatte sie lange überlegt, ob sie gehen oder bleiben soll. Die Familie kommt aus Charkiw. Als die Tochter aufhörte zu essen, ist sie mit ihr gegangen, hat ihren Mann im Krieg zurücklassen müssen. Sie war tagelang allein mit ihrem Kind unterwegs, kam mit Bus und Bahn über Polen und Tschechien nach Deutschland und dank glücklicher Umstände nach Breisach zur Familie von Sabine Manaa. Sie hatte Platz, konnte jemanden aufnehmen. "Wir können da nicht einfach zusehen", hat sich die engagierte Frau gesagt und gehandelt. Die Familie und ihre Gäste haben sich gut verstanden, die Blicke, die sie tauschen, sind warmherzig.

In Breisach schnell Fuß gefasst

Oksana hat Glück gehabt, so schnell Fuß zu fassen. Aber: Auch wenn sie hier in Frieden und Sicherheit lebt, hat sie ein mulmiges Gefühl, wenn sie ein Flugzeug hört, und muss es irgendwie fertig bringen, in zwei Welten zu leben: Sie sitzt sicher und friedlich bei einem Kaffee im Garten, kann mit ihrem Mann in der Ukraine telefonieren – dessen Kaffeetasse gerade vom Tisch rutscht, weil in der Nähe eine Bombe eingeschlagen ist. Ein junger Georgier, der in der Schule Russisch gelernt hat und schon länger hier lebt, übersetzt das Gespräch. Am Nebentisch sitzt Birgit Hummler. Sie hat mit Ute Fortmann zusammen schon viele Integrations- und Deutschkurse gegeben, seit acht Jahren gibt sie Deutsch-Unterricht im Helferkreis. Mit ihr am Tisch sitzen Menschen aus der Ukraine, lachen, erzählen. Teller und Besteck für das gemeinsame Essen stehen bereit. Die Kinder sind mit Fahrrädern und Spielsachen zugange – wie bei einem kleinen Fest mit Freunden.

Weitere Helfer gesucht

Jetzt macht der Helferkreis erst einmal Sommerpause mit den Freitagstreffen. Der Wunsch nach mehr, nach neuen Mitgliedern und Helfern bleibt. Jeder, der schon einmal einen geflüchteten Menschen auf seinem Weg begleitet hat, in der neuen Heimat sesshaft zu werden, weiß, wie zeitintensiv und wie fordernd und manchmal auch belastend das sein kann – und je mehr Hände und Schultern dafür da sind, desto leichter ist es für alle.