Der lange Weg zum schönen Museum

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Sa, 31. August 2019

Bad Bellingen

BZ-SERIE "HÄUSER MIT GESCHICHTE(N)" (5): Das Stapflehaus in Bamlach hat etliche schwere Zeiten überstanden.

BAD BELLINGEN. Häuser sind fast wie Lebewesen. Wenn sie sprechen könnten, hätten sie sicher einiges zu erzählen. Doch sie sprechen tatsächlich zu uns – indirekt. Über Berichte von Menschen, die etwas über ihre Geschichte wissen, über schriftliche Quellen und über Besuche in diesen Häusern. Anlass für diese BZ-Serie, in der über Häuser mit Geschichte(n) berichtet wird. Heute das Stapflehus in Bamlach.

Das Jahr, in dem das markante Stapflehaus in Bamlach errichtet wurde, steht über der Eingangstür: 1609. Ursprünglich handelte es sich um ein Bauernhaus, sogar um ein Gehöft. Denn zum Wohngebäude gehörte, rückwärtig gelegen, auch eine Scheune, berichtet Architekt Hermann Schropp, Mitglied im Förderkreis Heimatmuseum und vor rund 30 Jahren am Umbau des Hauses zum Museum beteiligt.

Wer vor langer Zeit die Bewohner waren, wüsste Schropp gerne. Das Haus hat den 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648, als Bamlach fast entvölkert war, jedenfalls überstanden. Es überstand auch den Ersten Koalitionskrieg, Napoleonische Zeiten, den Ersten Weltkrieg und – wenn auch stark beschädigt – den Beschuss im Zweiten Weltkrieg. "Wahrscheinlich war das Anwesen da immer noch landwirtschaftlich genutzt", so Schropp.

Bis die Gemeinde das Gebäude 1985 aus privater Hand kaufte – damals war Eberhard Stotz, der jetzt Vorsitzender des Förderkreises Heimatmuseum ist, Bürgermeister –, war die Schreinerei Heitz dort untergebracht. Dort, wo heute die Schmiede Berger aus Hertingen zu finden ist. "In der damals noch dazugehörenden Scheune waren Schreinermaschinen gelagert, eine Hobelmaschine stand im Keller des Stapflehauses", zählt Schropp auf.

1987 begann der Umbau zum Museum. Wie es bei alten Häusern oft ist, warteten auf die Helfer des Förderkreises und die ausführenden Fachfirmen einige Überraschungen. Schropp hatte Pläne gezeichnet, wie die Räume fürs Museum aussehen könnten und nahm dafür zunächst das Innere in Augenschein. Im oberen Geschoss gab es eine Küche und ein Wohnzimmer, dazu einen kleineren Raum über der jetzigen Schmiede", erläutert der Architekt. Auf der Südseite des Gebäudes lagen zwei Schlafzimmer. Ein Badezimmer gab es nicht. "Auf der Veranda war ein Verschlag mit einem Plumpsklo", erzählt Schropp. Auch der Keller, der heute drei Ausstellungsräume und ein Büro beherbergt, war nur halb so groß wie heute. Dort, wo nun ein Ausstellungsraum die Geologie des Rheingrabens zeigt, musste zunächst ausgeschachtet werden. "Die Treppe, die hier von den unteren Räumen nach oben führt, haben wir auch gebaut", so der Architekt. Zum Dachgeschoss führte vom ersten Stock aus eine steile Treppe. "Oben fanden wir aber nur ein altes, kaputtes Spinnrad und einige Behälter zum Trocknen von Früchten", erinnert sich der Planer.

Das Stapflehaus ist sehr stabil gebaut. Das Mauerwerk im Keller ist rund 60 Zentimeter dick, die Wände im oberen Geschoss sind immer noch 30 Zentimeter stark. Im Zweiten Weltkrieg wurden Dach und Mauerwerk aber beschädigt. "Wir haben Dachsparren und Pfetten ausgetauscht. Die Längswände, die nach dem Krieg erneuert wurden, mussten wir auch wieder herrichten. Wir haben Riegelmauerwerk ausgebaut, gesäubert und wieder eingebaut", weiß Schropp noch. Die Maurerarbeiten erledigte damals der lokale Maurerbetrieb Stächele, der Zimmermannsbetrieb, der das Dach neu richtete, kam aus Heitersheim. Im Keller, dessen alter Zugang anhand rückwärtig verfüllter Bögen noch zu sehen und in dem jetzt die Weinausstellung angesiedelt ist, waren alte Tragbalken faul. Schropp fand Ersatz in Form alter Eichenbalken, die aus einer Scheune bei Steinen stammten. Für die Arbeiten gab es auch Zuschüsse.

Nach 1989 begann das Einrichten des Museums. "Wir hatten unsere Exponate überall gelagert, in Privathäusern, Scheunen, Kellern, im alten Rathaus in Bamlach", so Schropp. Für den Aufbau der Sammlungen wurde Gerhard Moehring vom Museum am Burghof in Lörrach gewonnen. Rund ein Jahr lang wurden die Bestände geordnet, und 1991, im Mai, wurde das Heimatmuseum eröffnet.

Mittlerweile ist das Gebäude erneut saniert, sind die Ausstellungsräume modernisiert. Die Ausstellung wurde neu konzipiert und umfasst nun sechs Räume. So wurde das Alleinstellungsmerkmal Oberrheinisches Bädermuseum mit Abteilungen zur Bädergeschichte entworfen. Nach wie vor ist auch der Blick auf die Heimatgeschichte interessant. Die Schmiede Berger, die mit ihrer Einrichtung aus Hertingen stammt, ist, wenn sie in Betrieb ist, ein Highlight auf den jährlich stattfindenden Museumsfesten.

Oberrheinisches Bäder- und Heimatmuseum Bad Bellingen, Alte Weinstraße 25, Bamlach. Kontakt: Tel. 07635/811938, Internet http://www.bad-bellingen.de