Der "Notnagel" und die offene Rechnung

dpa

Von dpa

Sa, 13. August 2022

1. Bundesliga

Thomas Müller trifft mit dem FC Bayern auf Wolfsburg und Ex-Trainer Nico Kovac.

Wiedersehen macht Freude? Der Wohlfühlfaktor von Niko Kovac bei der Rückkehr nach München und dem Kräftemessen mit seinen ehemaligen Bayern-Spielern wie Thomas Müller könnte sich doch stark in Grenzen halten. Der Tore-Express des Fußball-Serienmeisters um den Heimdebütanten Sadio Mané startete fulminant in die Bundesliga – und der VfL Wolfsburg konnte in München noch nie gewonnen.

Gerade der einst von Kovac zum "Notnagel" degradierte Müller könnte eine spezielle Lust verspüren, den Ex-Chef gebührend willkommen zu heißen. Der Nationalspieler erhofft sich jedenfalls an diesem Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) eine "Energie-Intensität und Spielfreude" seines Teams wie beim 6:1-Knallstart vor einer Woche beim Europa-League-Champion Eintracht Frankfurt: "Wir wollen an der Tabellenspitze bleiben!"

Bange machen gilt nicht, lautet die Herangehensweise von Kovac. "Es ist immer wieder schön, dort hinzukommen, wo man selbst gespielt hat oder gearbeitet hat als Trainer", sagte der 50-Jährige: "Deswegen freue ich mich. Bei dem Spiel wird man viele Weggefährten treffen." Müller, Manuel Neuer und Joshua Kimmich zum Beispiel, die auch schon vor drei Jahren das Bayern-Trikot trugen, als Double-Gewinner Kovac Anfang November nach einer heftigen 1:5-Schlappe in Frankfurt gehen musste – und Nachfolger Hansi Flick die Bayern mit dem rehabilitierten Anführer Müller nur wenige Monate zum Titel-Triple führte.

Der frühere Bayern-Kapitän Stefan Effenberg erinnerte an den Bruch zwischen Kovac und Müller aus dem Herbst 2019. "Thomas Müller spielte unter Kovac damals bei Bayern nur eine Nebenrolle und wurde von ihm als ’Notnagel’ bezeichnet. Das sitzt bei Müller noch irgendwo im Hinterkopf", schrieb Effenberg in seiner Kolumne bei t-online.de. Kovac degradierte Müller nicht nur. Er äußerte sich vor einem Spiel auch noch höchst unglücklich über das Bayern-Urgestein. "Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit seine Minuten bekommen." In Not geriet dann kurz darauf Kovac – und Müllers Gedanken an einen möglichen Vereinswechsel verflogen schnell wieder.

Jetzt könnte Müller die alte Rechnung bei der Kovac-Rückkehr in die Allianz-Arena begleichen wollen. Wolfsburg hat in München noch nie gewonnen – es gab satte 23 Niederlagen und zwei Remis. Kovac weiß, was ihm blühen könnte: "Das Schlimmste passiert, wenn man in München auseinanderfällt, dann wird es richtig deftig." Müller hat mit der neuformierten Bayern-Offensive Bock aufs nächste Spektakel: "Wir sind natürlich sehr variabel vorne. Und es ist schön, wenn das aktuell so gut aufgeht. Es funktioniert sehr gut", sagte der 32-Jährige.

Kovac hält die Mané-Bayern für mindest so gut wie die früheren Lewandowski-Bayern. "Ich habe viel lesen können, dass die Bayern dieses Jahr sehr viel schlechter sind, weil Robert Lewandowski weg ist. Und schon nach einem Spieltag müssen alle zurückrudern", sagte er – und erklärte: "Das ist für mich der Titelanwärter Nummer eins."