"Wir fühlen uns bestärkt"

Beatrice Ehrlich

Von Beatrice Ehrlich

So, 05. Januar 2020

APA

Der Sonntag INTERVIEW mit Johannes Abel, der den Bundespreis im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk erhalten hat.

Ein schöneres Geschenk konnte es für einen Handwerksbetrieb kaum geben: Steinmetz Johannes Abel aus Auggen wurde mit einem Bundespreis im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk für herausragende Leistungen in der Natursteinrestaurierung ausgezeichnet. Beatrice Ehrlich sprach mit ihm.

Der Sonntag: Wussten Sie, was auf Sie zukommt, als Sie am 10. Dezember ins Neue Schloss nach Stuttgart eingeladen wurden?

Nein. Ich wusste zwar schon, dass es mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege zu tun hat, für den wir uns mit mehreren Projekten beworben hatten. Die Ausschreibung richtet sich aber in erster Linie an Bauherren. Dass uns dann ein Sonderpreis zugesprochen wurde für besondere Verdienste bei der Natursteinrestaurierung, war eine große Überraschung. Wir sind neben vier Bauherren der einzige Handwerksbetrieb, der ausgezeichnet wurde.

Der Sonntag: Mit welchem Projekt waren Sie erfolgreich?

Bei dem ausgezeichneten Projekt handelt es sich um Arbeiten an der Alten Probstei des Klosters Tennenbach in Kiechlinsbergen am Kaiserstuhl. Das bildhauerisch gestaltete Portal dort wird gekrönt von einer Figurengruppe mit dem Heiligen Bernhard von Clairvaux im Mittelpunkt, flankiert von Putten. Der Kopf des Heiligen Bernhard war heruntergefallen und in viele Teile zersprungen. Der Bauherr trat an uns heran mit dem Wunsch, die Figurengruppe wieder instand zu setzen. Als wir den Schaden in Augenschein nahmen, bemerkten wir gravierende Schäden am ganzen Portal. Der Auftrag umfasste dann neben der Wiederherstellung der Bernhard-Figur die Ertüchtigung der Bausubstanz bei gleichzeitigem Erhalt des verwendeten Natursteins – Tennenbacher Sandstein.

Der Sonntag: Was für Arbeiten haben Sie dort vorgenommen?

Die Arbeiten umfassten unter anderem die Festigung des brüchig gewordenen Steins, die Hinterfüllung von Hohlräumen, die Verankerung mit Edelstahlnadeln, das Kitten, Schlämmen und Ausfugen der Oberfläche, dies alles mit dem Ziel, die Originalsubstanz weitgehend zu erhalten, sowie die Rekonstruktion und das Wiederaufsetzen des Kopfes. Das hat uns ungefähr ein halbes Jahr beschäftigt.

Der Sonntag: Arbeiten Sie öfter an denkmalgeschützten Gebäuden?

Sogar ganz überwiegend. Etwa 80 bis 90 Prozent unserer Aufträge betreffen denkmalgeschützte Objekte. Durch kontinuierliche Weiterbildung habe ich mich mit meinen Mitarbeitern auf solche Arbeiten spezialisiert, bei denen es vor allem um einen sorgsamen und erhaltenden Umgang mit der originalen Bausubstanz – hier Naturstein – geht. Oft handelt es sich dabei um Kirchen. Beispiele für größere Projekte in diesem Bereich sind unter vielen anderen das Münster in Salem, der südliche Hahnenturm am Freiburger Münster und die Johanneskirche, ebenfalls in Freiburg.

Der Sonntag: Wie haben Sie die Preisübergabe in Stuttgart erlebt?

Die Preisübergabe im Neuen Schloss in Stuttgart war für mich und meine Frau sehr bewegend, ich habe dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann die Hand drücken dürfen, er ist ein sehr großer Mann, 1,93 Meter!

Der Sonntag: Beflügelt Sie die Anerkennung dabei, den von Ihnen eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen?

Ja, sehr. Wir fühlen uns dadurch um ein Vielfaches darin bestärkt, unsere Anstrengungen im Bereich der Natursteinrestaurierung konsequent fortzusetzen. Die Anerkennung durch das Landesdenkmalamt bestätigt uns, dass wir uns tief in die Materie eingearbeitet haben und um die Besonderheiten dieses Spezialgebiets wissen. Das bedeutet, dass Auftraggeber sich bei uns darauf verlassen können, bestmöglich und mit großer Fachkenntnis betreut zu werden. Aufgrund unseres speziellen Profils und unserer ausgeprägten Firmenkultur kommen immer wieder junge Menschen zu uns, um sich zum Steinmetz ausbilden zu lassen.

Johannes Abel (58), geboren in Tschirtschik (Usbekistan) ist Inhaber des gleichnamigen Steinmetz- und Steinbildhauerbetriebs in Auggen. Er hat 20 Mitarbeiter, darunter fünf Auszubildende. Der Preis an Johannes Abel wurde vom Zentralverband des Deutschen Handwerks mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ausgelobt und wird in jedem deutschen Bundesland jeweils nur einmal alle acht Jahre vergeben.